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TV-Duell in Thüringen Der regungslose Herr Althaus


Wenige Tage vor der Wahl in Thüringen musste sich Ministerpräsident Dieter Althaus erstmals seinen Hauptkonkurrenten im TV stellen. Überzeugen konnte aber nur der einzige Wessi in der Runde.
Von Axel Hildebrand

Für Rückenwind, so sagt man das ja gerne in der Politik, soll Dieter Althaus am kommenden Sonntag sorgen. Ein gutes Wahlergebnis bei der Landtagswahl einfahren, nur nicht zu viel verlieren und Hauptsache: Ministerpräsident bleiben. Denn das würde der Kanzlerin helfen, das könnte ihr Rückenwind geben.

Nun ist es Montag, 22.05 Uhr, und Dieter Althaus muss sich erstmals seinen Hauptkonkurrenten direkt im Fernsehen stellen: Christoph Matschie von der SPD und Bodo Ramelow von der Linkspartei. Es sind noch knapp sechs Tage bis zur Wahl. Der Wind bläst ihm kräftig ins Gesicht.

Seine Christdemokraten sollen eine Illustrierte ("tollesthüringen") zur indirekten Wahlwerbung benutzt haben, was die CDU bestreitet. Die Bundestagsverwaltung geht dem Verdacht auf indirekte Parteienfinanzierung nach. Dann benutzte der Ministerpräsident einen Polizei-Hubschrauber, um einen Jahrmarkt im Thüringer Wald zu eröffnen. Und schließlich untersagte ihm der Witwer der bei dem Skiunfall verstorbenen Frau, sich weiter zu Einzelheiten des Unfalls zu äußern. Von einem gar "freundschaftlichen Kontakt", wie von Althaus behauptet, könne keine Rede sein.

Althaus' Blick geht in die Ferne

Althaus steht im Fernsehstudio und wirkt, als habe er die Negativmeldungen der vergangenen Tage gerade durch einen kleinen Stecker im Ohr erfahren. Fragen beantwortet er, ohne den Moderator oder die anderen Teilnehmer anzusehen. Sein Blick geht immerfort in die Ferne, manchmal auch zu Boden, er wirkt traurig fast, zerbrechlich. Hinter ihm baumeln Palmen im Kunstlicht.

Ist das ein starker Ministerpräsident? Hat er den tragischen Ski-Unfall am Silvestermorgen, bei dem eine Frau starb und er selber ein Schädel-Hirn-Trauma erlitt, wirklich verarbeitet? Kann er noch gestalten?

An diesem Abend überlässt er diese Rolle dem geborenen Niedersachsen Bodo Ramelow (Die Linke). Der formt den Abend und drückt ihm seinen politischen Stempel auf. Der Pfarrersohn mit tiefroter Gesinnung streut für seine Stammklientel immer wieder ein paar Brocken Zucker aus - etwa mit der Forderung nach einem Mindestlohn ("Ein Wachmann im Thüringer Landtag verdient fünf Euro in der Stunde"). Daneben, und das nimmt sehr viel Raum ein, gibt er den modernen Realpolitiker mit grundkonservativen Neigungen. So schnell wie Ramelow von links auf rechts wechselt, bekommt Althaus den Blick gar nicht in die Horizontale. Klar, findet Ramelow, müssten die Polizisten identifizierbar sein, um Auswüchse der Beamten ahnden zu können. Aber erstmal brauchen wir mehr von ihnen! Danach zitiert er die Bibel ("Einer trage des anderen Last") und mahnt Kinder, sich um die Gärten in den Schulen ordentlich zu kümmern. Jawohl, Herr Lehrer!

Furcht um absolute Mehrheit

Althaus, der seine absolute Mehrheit nach bisherigen Umfragen nicht wird verteidigen können, steht Ramelow (er liegt mit der Linken in Hochrechnungen vor der SPD) hilflos gegenüber. Er muss sich permanent verteidigen. Bei einem Angriff von Christoph Matschie (SPD), der behauptet, ein schlecht gemachtes Abwassergesetz würde Thüringen mehrere Millionen kosten, bleibt die Abwehr sogar völlig aus. Der Merkel-Vertraute stellt den Blick unscharf und wartet auf die nächste Frage des Moderators. Abwehr? Fehlanzeige. Rechtfertigung? Warum auch? Angriff? Nicht mit mir. Zurück bleibt der Eindruck eines fahlen Mannes mit traurigen Augen, der bei Gesetzen auch noch pfuscht.

Nach einer schlechten vergangenen Woche für Althaus beginnt die nächste, freundlich ausgedrückt, ohne Niveauunterschied.


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