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"Ottos Reise" So kommt man sicher um die ganze Welt


26 Jahre fuhr Gunther Holtorf mit dem Auto durch Kriege, Krisengebiete und Katastrophenregionen – und das ohne ernste Zwischenfälle. Fünf Tipps für gefahrloses Weltenbummeln von einem echten Experten

Gunther Holtorf reiste mit seinem blauen Geländewagen "Otto" durch alle befahrbaren Länder der Erde. Mehr als 20 Jahre begleitete ihn seine Frau Christine auf der Reise, bevor sie 2010 an Krebs starb. Holtorf versprach ihr damals die Reise in ihrem Namen zu beenden und alle 215 Länder, Regionen und autonome Gebiete anzusteuern, die sinnvoll zu bereisen waren. Dazu zählten Kriegsgebiete wie Afghanistan und Irak, Krisenregionen wie Mali, Palästina, Westsahara und der Kaukasus sowie Diktaturen wie Nordkorea oder Myanmar.

"Die meisten Länder der Welt sind glücklicherweise friedlich", so Holtorf. Doch gerade in den ärmsten Staaten der Erde sei das Wohlstandsgefälle der normalen Bevölkerung zu Reisenden mit einem Auto so groß, dass Diebstähle sehr verlockend und fast schon verständlich seien. Trotzdem reisten die Holtorfs sicher, wurden nie überfallen oder ernsthaft bestohlen. Und das, obwohl sie fast jede Nacht im Auto verbrachten und auch abseits fester Pisten tief in die Wildnis vordrangen. Wie sie das schafften, bricht Holtorf in einigen einfachen Regeln herunter:

1. Nie sagen, wohin man fährt

"Egal wie freundlich und nett die Menschen auch waren", sagt Gunther Holtorf, "wir haben ihnen nie gesagt, wohin wir wollen. Ging es in den Norden, haben wir in den Süden gezeigt." Selbst in entlegenen Regionen seien Mobiltelefone inzwischen weit verbreitet und verschafften Räubern die nötige Planungszeit für einen Überfall. Und gerade in Krisenregionen dürfe man eben nie an einem Ort ankommen, an dem man vielleicht schon erwartet werde.

2. Unauffällig reisen

"Otto" ist zwar ein Mercedes, aber längst keine Luxuskarosse: Das hellblaue G-Modell mit seiner etwas altertümlichen Form und dem großen Dachgepäckträger ging gerade in Entwicklungsländern oft im normalen Verkehrsgetümmel unter. "Autos mit Dachlast sind dort normal", so Holtorf. "Hätten wir ein viel bequemeres Wohnmobil benutzt oder gar einen umgebauten LKW, dann wären wir überall aufgefallen." So lebten sie über 20 Jahre im engen Otto und verzichteten auch darauf, ihn mit allzu vielen Aufklebern bereister Orte oder gar großen Werbeaufschriften zu bepflastern. Schmutz und Beulen zierten stattdessen die Karosserie. Auffällige Anbauten, wie eine Seilwinde oder Zusatzscheinwerfer gab es nicht.

3. In gefährlichen Regionen große Städte meiden

Viele Länder gelten wegen ihrer hohen Kriminalität oder politischen Krisen als kaum bereisbar. Aber Staaten wie Nigeria oder Afghanistan verdanken ihren schlechten Ruf vor allem Großstädten wie Lagos oder Kabul. "Dort liegen die Flughäfen, über die fast jeder einreist", erklärt Gunther Holtorf. "Wer aber mit dem Auto ankommt, ist meist im Hinterland unterwegs, das in der Regel ungleich sicherer ist." Die Holtorfs wählten bewusst kleine Grenzstationen mit wenig Verkehr und fuhren deswegen oft auf abenteuerlichen Buschpisten. Motto: Lieber mal steckenbleiben, als überfallen werden.

4. Überraschende Schlafplätze finden

Wer fast jede Nacht in seinem Auto schläft, braucht sichere Standplätze. Doch Camping ist in den meisten Ländern der Welt nicht vorgesehen. "Wir haben uns meist rechtzeitig vor Einbruch der Dunkelheit einen Schlafplatz ausgeguckt", sagt Holtorf, "haben dort aber erst gehalten, wenn es wirklich dunkel wurde." Denn abseits großer Städte bewege sich dann gerade in den Krisenregionen Afrikas kaum noch jemand von zu Hause weg. Aufgebrochen seien Sie dann oft schon wieder kurz nach Sonnenaufgang. Mehrere Nächte an einem Ort waren in solchen Gegenden die Ausnahme. Dank Geländewagen konnten sich die Holtorfs außerdem abseits der Straßen in die Büsche schlagen – außer Sichtweite vorbeifahrender Fahrzeuge.

5. Aufmerksam bleiben und dem Bauchgefühl trauen

"Meine Frau und ich hatten vereinbart: Wenn einer ein komisches Gefühl bekommt, fahren wir weiter", erzählt Gunther Holtorf. Das sei durchaus mal vorgekommen: "Einmal kam in Afrika in der Dämmerung ein voll besetztes Buschtaxi vorbei. Ein Passagier auf dem Dach klopfte aufs Blech, zeigte auf uns. Der Wagen hielt in einiger Entfernung kurz und fuhr dann weiter. Wir haben sofort eingepackt und sind weiter, obwohl wir gerade beim Kochen waren." Ein anderes Mal wurde Holtorf in Sibirien lange von zwei mit mehreren Männern besetzten Fahrzeugen verfolgt. Irgendwann überholten sie dann zügig und brausten davon. Zehn Minuten später standen beide Wagen am Straßenrand, der eine mit geöffneter Haube. Ein Mann winkte und signalisierte: Panne. "Ich bin weiter gefahren, denn mir war klar: Das ist eine Falle", so Holtorf. "Bei so was muss man seinem Bauch folgen."

Alle seine Erlebnisse auf der Rekord-Tour erzählt Gunther Holtorf für den stern auf www.ottosreise.de in Bildern, Text und Videos

Jan Boris Wintzenburg / rös

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