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Formel 1 in Sepang Willkommen in der Sauna


Auf Sebastian Vettel kommt in Sepang nicht nur eine Gluthitze zu, auch die Fliehkräfte beim GP von Malaysia sind extrem. Wer ist fit genug? Wessen Auto ist immer noch nicht gut genug? Eine Prognose.

Gluthitze und mörderische Luftfeuchtigkeit warten auf Vettel, Button, Schumacher und Co. Wer in Malaysia die Fliehkräfte und Sauna-Temperaturen am besten aushalten wird und den zweiten Grand Prix-Sieg der Saison einfährt, sagen wir Ihnen in der Vorschau auf das Rennwochenende der Formel 1.

GP von Malaysia
Sepang International Circuit

In Sepang gab es seit der Eröffnung der Strecke 1999 immer wieder sehr abwechslungsreiche Rennen. Das liegt an den extremen Wetterbedingungen, an der Streckencharakteristik und den schnellen Kurven. Der Regen kann hier sehr heftig auftreten, manchmal aber eben auch sehr kurz. Es ist bei hoher Luftfeuchtigkeit bis zu 40 Grad Celsius heiß. Die Strecke ist zum Teil sehr breit und bietet somit viele Überholmöglichkeiten. "Es bieten sich zwei optimale Überholmöglichkeiten: in Kurve eins und vor der letzten Kurve jeweils nach einer langen Geraden", erklärt Sebastian Vettel die Strecke gegenüber motorsport-total.com.

"Für Malaysia ist typisch, dass man in die meisten Kurven hineinbremst und nicht - wie üblich - vor der Kurve bremst", ergänzt Vettel und stellt damit eine weitere Besonderheit der Strecke heraus. Sepang bietet einen gelungenen Mix aus langsamen und schnellen Kurven. "Die interessantesten Stellen des Kurses sind die Kurven fünf und sechs. Man durchfährt sie sehr schnell, mit etwa 250 km/h. Zunächst kommt eine Linkskurve, dann geht es direkt in die Rechtskurve. Man spürt die Fliehkräfte, es zieht ganz schön im Nackenbereich." Es können Fliehkräfte bis zu 3,4G (für 2,8 Sekunden in Kurve 5) auf die Fahrer zukommen.

Wir dürfen in Sepang also viel Spannung erwarten. In unserer Rennprognose geben wir unseren Eindruck vom ersten Rennen, den Leistungen der Fahrer und die Performance der Autos wieder. Wer gewinnt in der Sauna von Sepang? 

- Lewis Hamilton (McLaren)

Hamilton wird es nicht sein. Der Heißsporn zeigte sich schon direkt nach dem Grand Prix in Melbourne enorm angespannt. Noch einmal hinter Teamkollegen Jenson Button zu landen, könnte die Team-Hierarchie frühzeitig zu seinen Ungunsten einbetonieren. Es ist deshalb möglich, dass er übermotiviert ins Rennen geht. Wir glauben, dass er den Bogen überspannen wird und sein Auto nicht ins Ziel bringt.

10. Pastor Maldonado (Williams)
Maldonado war im Williams eine der großen Überraschungen beim Auftaktrennen, auch wenn er sich für seine Leistung nicht belohnen konnte. In der letzten Rennrunde attackierte er den vor ihm auf Rang fünf fahrenden Fernando Alonso und verlor dabei die Kontrolle über seinen Wagen. Statt auf Platz sechs landete Pastor Maldonado in der Mauer und ging leer aus. Was blieb, war der gute Eindruck, den der Venezolaner bis dahin gemacht hatte. In Sepang ist auf jeden Fall eine gute Platzierung drin. 

9. Fernando Alonso (Ferrari)
Der F2012 ist kein gelungenes Auto. Trotz Platz fünf durch Fernando Alonso in Melbourne glauben wir weiterhin nicht an den neuen Rennwagen aus Maranello. Alonso erreichte vor allem durch einen guten Start, eine gute Strategie und seine Qualitäten als Fahrer den schmeichelhaften fünften Platz. Wir glauben, dass es nicht noch einmal so günstig für Alonso laufen wird und er in Sepang nur als Neunter einfährt.

8. Nico Rosberg (Mercedes GP)
Durch die enormen Temperaturen und den rauen Asphalt ist der Grand Prix von Malaysia eine sehr reifenfordernde Strecke. "Bei der Fahrzeugabstimmung muss man berücksichtigen, dass die Strecke recht hart zu den Reifen ist. Der Asphalt ist relativ rau, und es gibt schnelle Kurven und Richtungswechsel, die die Reifen ganz schön strapazieren", so Sauber Chefingenieur Giampaolo Dall’Ara laut auto-motor-und-sport.de. Das passt so gar nicht zu den Problemen von Mercedes.

"Nicos Rundenzeiten litten unter einem höheren Hinterreifen-Verschleiß, als Pirelli und wir diesen bei allen Testfahrten und den vorangegangenen Melbourne-Trainingssitzungen feststellen konnten", so Norbert Haug laut motorsport-total.com. Mercedes GP hat große Schwierigkeiten mit dem Reifenverschleiß ihres Autos gezeigt. Diese Probleme sind wohl noch nicht behoben und die Strecke kommt der Problemlage nicht entgegen. Deshalb wird Rosberg nicht ums Podium mitfahren und erneut enttäuschen.

7. Sergio Perez (Sauber)
Die Performance von Sauber in Australien war bärenstark. Sergio Perez hatte das Pech, dass sein Getriebe im Qualifying versagte und er vom letzten Startplatz ins Rennen gehen musste. Das hinderte ihn nicht daran, noch auf den achten Platz nach vorne zu fahren. Sein Teamkollege Kamui Kobayashi war als Sechster sogar noch besser. Gerüchte bringen den 22-jährigen Perez sogar schon mit Ferrari in Verbindung, doch davon will der Mexikaner nichts wissen. Seine Ziele sind kurzfristiger und das heißt, ein gutes Ergebnis in Malaysia zu erringen. Zuzutrauen ist das Perez allemal.  

6. Michael Schumacher (Mercedes GP)
Malaysia verlangt der Fitness der Piloten alles ab. Schon Tage zuvor müssen die Fahrer ca. vier Liter täglich trinken, um auf die Sauna Sepang vorbereitet zu sein. "Unsere größte Sorge in Malaysia ist die Überhitzung des Organismus", erklärt Lotus-Teamarzt Riccardo Ceccarelli laut motorsport-total.com. 

"Dehydrierung kommt seltener vor, denn bei dieser Luftfeuchte verdunstet der Schweiß nicht, sondern bleibt auf der Haut. Deswegen fühlt man sich auch ständig so klebrig und verschwitzt. Aber genau wegen dieses Effektes fehlt die kühlende Wirkung des Schweißes. Deshalb steigt die Körpertemperatur, schlimmstenfalls bis zur Überhitzung. Auf jeden Fall lässt bei höherer Körpertemperatur die Konzentration nach."

Michael Schumacher galt immer als einer der fittesten Fahrer der Formel 1. Doch der Rekordweltmeister ist mittlerweile 43 Jahre. Die extremen Bedingungen fordern gerade Schumacher alles ab. Reaktionen und Konzentration können unter diesen Sauna-Bedingungen schon einmal nachlassen. Der Rekordweltmeister landet deshalb nur auf Platz 6.

5. Romain Grosjean (Lotus)
Sein erstes Rennen in der Formel 1 nach zwei Jahren Pause endete nach einer Kollision mit Pastor Maldonado vorzeit schon nach der zweiten Runde. Dennoch deutete Grosjean mit einem tollen dritten Platz im Qualifying an, dass sowohl der Lotus als auch er selbst viel Potenzial mitbringen. Jetzt gilt es, das auch über die Renndistanz zu beweisen. Dazu gehört dann auch ein guter Start, der in Australien ebenfalls nicht sonderlich gut klappte und Grosjean drei Plätze kostete.  

4. Mark Webber (Red Bull)
"Fakt ist mit Sicherheit, dass McLaren und Red Bull eine Hausnummer sind. Dahinter kommt der Rest mit Mercedes, Lotus, Sauber, Ferrari und so weiter. Aber dass McLaren und Red Bull momentan führend sind, ist überhaupt keine Frage", so Formel 1-Experte Hans-Joachim Stuck laut motorsport-total.com. Wir glauben ebenfalls an McLaren und die Red Bull in Malaysia. Mark Webber wird einen guten vierten Platz belegen.

3. Kimi Räikkönen (Lotus)
Der 32-jährige Finne verpatzte das Qualifiying in Melbourne. Er musste von Platz 18 starten und konnte durch eine tolle Aufholjagd mit starken Überholmanövern bis auf Platz sieben vor fahren. Auch Formel 1-Kollege Pedro de la Rosa (HRT) war von Räikkönens Leistung angetan. "Kimi und sein Team sehen wirklich konkurrenzfähig aus", sagt er gegenüber 'Turun Sanomat' "Ich schätze, dass sie diese Saison die größte Überraschung sein werden."

Räikkönen selbst glaubt ebenfalls an ein erfolgreiches Rennen: "Wenn die Qualifikation gut läuft, könnten wir ums Podium kämpfen“, so der Iceman laut focus.com. Der Finne gewann 2003 und 2008 in Sepang. Die Strecke liegt ihm und er wird die starken Eindrücke von Lotus in Malaysia bestätigen.

2. Jenson Button (McLaren Mercedes)
Der Sieger des Saisonauftaktes freut sich auf die Strecke in Malaysia. "Es gibt fantastische Kurven. Wenn das Auto funktioniert, ist es eine Freude, dort zu fahren. Wenn nicht, wird es schmerzhaft", so Jenson Button laut motorsport-total.com. Button war in Sepang zweimal Dritter (2004, 2006), einmal Zweiter (2011) und einmal Sieger (2009). Dem Briten liegt die Strecke also, und er ist in der Form seines Lebens. "Jenson strotzt im Moment vor Selbstvertrauen", sagte David Coulthard gegenüber The Telegraph. Dennoch glauben wir, dass er sich dem Weltmeister knapp geschlagen geben muss.

1. Sebastian Vettel (Red Bull)
Der Weltmeister schlug sich in Australien grandios.
Allerdings bekam das Auto weniger Lob, als der Fahrer. Der Red Bull scheint zwar besser zu sein, als im Qualifying, aber nicht ganz so schnell, wie der McLaren. Dem RB8 fehlt es derzeit in Sachen Aerodynamik und Auspuff-Konfiguration noch an der Optimierung. 

Dennoch konnte Vettel einiges aus dem Auto herausholen. Zudem geht der Red Bull sorgsamer mit den Reifen um, als viele andere Autos. "Seb" gewann die letzten beiden Jahre in Sepang. Er wird sich ein heißes Duell mit Jenson Button liefern und am Ende in der Hitze von Sepang knapp als Sieger des Sauna-Rennens auf dem Podium stehen.

Michel Massing

sportal.de sportal

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