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Kritik

"Schw31ns7eiger" auf Amazon Prime Video: Til Schweigers Schweinsteiger-Doku: Er bleibt eben doch "der Basti"

Champions-League-Sieger, Weltmeister, Fußball-Legende: Jetzt bekommt Bastian Schweinsteiger mit einer eigenen Dokumentation ein Denkmal gesetzt, produziert von Til Schweiger. Doch irgendwas fehlt dem sympathischen Bayer für die Liga der ganz Großen.

Bastian Schweinsteiger in einer Szene aus dem Dokumentarfilm über ihn von Til Schweiger.

Trikotnummern sind im Sport so eine Sache. Am Anfang einer Karriere sind sie Zufall, doch bei den ganz Großen werden sie irgendwann zum Markenzeichen. Die 23 wird für immer mit Michael Jordan verbunden sein, und bei Cristiano Ronaldo ist die 7 sogar zum Teil seines Namens geworden: CR7. Lionel Messi hat der im Fußball ohnehin sagenumwobenen 10 in Verein und Nationalmannschaft noch einmal mehr Mythos verliehen. Wer seine Spuren in der Geschichte seiner Sportart hinterlässt, tut dies oft auch mit einer ganz bestimmten Zahl auf dem Rücken.

Und hier beginnt bereits das Problem mit Bastian Schweinsteiger und dem Film, den Til Schweiger als Produzent dem 121-maligen DFB-Nationalspieler gewidmet hat. Schweinsteiger hat den deutschen Fußball über Jahre geprägt, aber eben nicht mit der einen Nummer. Und so heißt die Doku, die ab dem 5. Juni bei Amazon Prime Video abrufbar ist, "Schw31ns7eiger". Um das auf den ersten Blick entschlüsseln zu können, muss man schon mit Leetspeak vertraut sein, der Sprache, in der Buchstaben durch Zahlen ersetzt werden.

Die 31 trug Schweinsteiger 17 Jahre lang bei seinen Vereinen Bayern München, Manchester United und Chicago Fire. Mit der 7 lief er im Trikot der Nationalmannschaft auf. Schon das zeigt: So ganz passt Schweinsteiger nicht in die Reihe der ganz Großen. Und vielleicht ist das auch gar nicht schlimm.

Bastian Schweinsteiger: Vom Jungen aus Oberaudorf zum Weltmeister

Sportdokumentationen wie die über Schweinsteiger haben gerade Konjunktur, zuletzt begeisterte die Netflix-Serie "The Last Dance" über Michael Jordan und die Chicago Bulls Fans und Kritiker. Überlegt man, wer sich unter Deutschlands Fußballern für ein solches Format eignen würde, muss man ein wenig nachdenken, kommt dann aber auf Schweinsteiger. Der 35-Jährige vereint noch am ehesten sportlichen Erfolg und Glamour-Faktor: Champions-League-Sieger und Weltmeister, verheiratet mit einer ehemaligen erfolgreichen Tennisspielerin, Liebling der Bundeskanzlerin.

So zeichnen Til Schweiger und Regisseur Robert Bohrer seinen Weg nach – vom kleinen Jungen aus Oberaudorf über die wichtigsten Titel im Weltfußball bis hin zum Kosmopolit in Chicago. Mitspieler, Trainer und Beobachter kommen zu Wort. Schweinsteiger hat sich mit Talent, Ehrgeiz und Fleiß in die Weltspitze gespielt und dabei auch etliche Rückschläge überwunden. Und doch fehlt der Figur Schweinsteiger etwas – und damit auch der Dokumentation. 

"Schweinsteiger bedeutet für mich Emotion pur. Normalerweise muss ich zu sowas erst einmal ein Drehbuch schreiben", hat Til Schweiger über die Geschichte des Ex-Fußballers gesagt. In dem Drehbuch stünde dann allerdings wahrscheinlich auch noch dieses kleine Extra an Charisma, vielleicht sogar an übertriebenem Selbstbewusstsein, das die ganz Großen so faszinierend macht. So bleibt Bastian Schweinsteiger eben doch immer "der Basti".

Etwas fehlt zum Mythos

Das kann man ihm schwerlich vorwerfen – und Bescheidenheit ist eine nicht zu unterschätzende Tugend. Lange hält sich der Film mit dem "Finale dahoam" auf, dem Endspiel um die Champions League 2012, das der FC Bayern im eigenen Stadion gegen den FC Chelsea verlor. Schweinsteiger verschoss damals den entscheidenden Elfmeter. Lange litt er unter dieser Bürde, doch von jenem Fehlschuss verläuft eine gerade Linie zum Sieg in der Champions League und dem WM-Titel in den Jahren danach. Fertig ist die Geschichte vom Helden, der aus der Niederlage die Kraft schöpft, um Großes zu erreichen.

Rückschläge aber gehören zum Sportlerleben wie selbstverständlich hinzu. Interessanter wären ein paar mehr hinterfragende Töne gewesen. Viel Angriffsfläche bietet die Schweinsteiger-Karriere nicht, doch stand lange in Frage, ob der Mittelfeldmann überhaupt die charakterlichen Qualitäten habe, um eine Mannschaft zu führen. Schweinsteiger beschimpfte deshalb einen Reporter als "Pisser" und "Arschloch" – und machte dann die Entwicklung vom "Chefchen" zum Chef, von "Schweini" zu Schweinsteiger. In der Doku fehlt der Aspekt leider komplett.

Zum Abschied wird es emotional – und mit Uli Hoeneß

Dort lässt Schweinsteiger ein paar Einblicke in sein Privat- und Gefühlsleben zu, bleibt aber kontrolliert. Nur einmal überkommt es ihn: Die Kamera ist dabei, wie er vor seinen Mannschaftskollegen von Chicago Fire sein Karriereende bekannt gibt und dabei in Tränen ausbricht. Ein bewegender Moment nach 17 Jahren Profifußball – und der Beweis, dass er auch mit 35 immer noch der Basti ist, der das Spiel liebt.

Fußballer Bastian Schweinsteiger hat sich eine Deutschland-Flagge umgebunden und jubelt mit WM-Pokal in der Hand in die Menge

Für den emotionalsten Moment des Films sorgt aber Uli Hoeneß. Der ehemalige Manager und Präsident des FC Bayern erinnert sich daran, dass Bastian Schweinsteiger ihn direkt nach dem WM-Finale 2014 im Fernsehinterview grüßte. Hoeneß saß damals wegen Steuerhinterziehung im Gefängnis. "Da hat's mich vom Bett rausgehauen", sagt ein sichtlich angefasster Hoeneß. Auch das macht eben "den Basti" aus: Zum Mythos fehlt ihm einiges – aber Sympathieträger ist doch auch nicht schlecht.

"SCHW31NS7EIGER: Memories – Von Anfang bis Legende" ist ab dem 5. Juni auf Amazon Prime Video verfügbar.

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