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Champions League: Bayern im Schongang - Leverkusen holt Remis

Solider Champions-League-Abend für die deutschen Teams. Die Bayern stehen dank des Sieges in Pilsen schon im Achtelfinale, Leverkusen kommt zu einem wichtigen Auswärtspunkt.

Mit glanzlosem Schongang-Fußball hat Bayern München den Siegrekord des FC Barcelona in der Champions League eingestellt und seinen Express-Einzug ins Achtelfinale perfekt gemacht. Der eingewechselte Mario Mandzukic (65. Minute) sorgte am Dienstagabend beim 1:0 (0:0) beim Punktelieferant Viktoria Pilsen für den neunten Königsklassen-Erfolg des Titelverteidigers in Serie. Dank des makellosen Auftakts mit vier Siegen meisterten die Münchner unbeeindruckt vom neuen Wirbel um Präsident Uli Hoeneß damit die erste Etappe auf dem Weg zur Cupverteidigung locker.

Vor 11.360 Zuschauern zeigte das Team von Pep Guardiola beim tschechischen Meister aber lange Zeit Dienst nach Vorschrift. In den beiden Partien bei ZSKA Moskau und gegen den ebenfalls schon qualifizierten Tabellenzweiten Manchester City geht es nur noch um den Gruppensieg. Bei ihrer 17. Champions-League-Teilnahme haben die Münchner bereits zum 16. Mal die erste Phase überstanden und starteten wie zuvor nur 2010/11 mit vier Erfolgen.

Erst spät zeigte Hoeneß am Tag nach der zugelassenen Anklage gegen ihn wegen Steuerhinterziehung einen zufriedenen Gesichtsausdruck auf der Tribüne neben Vorstandschef Karl-Heinz Rummenigge. Auch der Vereinspatron dürfte vor dem Anpfiff erstaunt auf die Rotation von Guardiola geblickt haben: Wie vor zwei Wochen beim lockeren 5:0-Heimsieg bildeten Daniel van Buyten und Diego Contento anstelle von Dante und Jerome Boateng die Innenverteidigung.

Schrecksekunde nach Contentos Stellungsfehler

Dieses Wagnis wäre schon nach drei Minuten fast nach hinten losgegangen: Nach einem Stellungsfehler brachte Contento Pilsens Stürmer Stanislav Tecl im Laufduell zu Fall, der spanische Schiedsrichter Antonio Mateu Lahoz verweigerte allerdings den fälligen Strafstoß.

In der schwungvollen Anfangsphase präsentierte sich der Außenseiter gefährlicher als im kompletten Hinspiel und rehabilitierte sich vor den eigenen Fans für den unterwürfigen Auftritt in München. Mutiger und giftiger suchte Pilsen immer wieder die Offensive, den Bayern fehlte hingegen die Körperspannung, letzte Konzentration und richtige Entschlossenheit.

Die Münchner versuchten mit ihrem Kombinationsspiel durchzukommen und übernahmen nach dem ersten Ansturm der Tschechen zunächst das Kommando. Dem als Spitze aufgestellten Thomas Müller bot sich die erste Schusschance (8.), per Freistoß sowie Fernschuss prüfte David Alaba (11./13.) den gegnerischen Keeper Matú¨ Kozácik. Die größte Bayern-Chance vor der Pause vergab Bastian Schweinsteiger nach Vorlage von Mario Götze mit einer Direktabnahme an den Pfosten (16.). Am ehesten sorgte noch der frühere Dortmunder über rechts für Gefahr, während Franck Ribéry auf der linken Seite kaum gefährliche Flankenläufe gelangen.

In der Defensive zeigte sich, dass Guardiola mit seiner Experimentierfreudigkeit an die Grenzen stößt. Vor allem die Lässigkeit der wackligen zentralen Abwehr lud Pilsen mehrfach zu guten Gelegenheiten ein, bei denen sich aber die fehlende Qualität bemerkbar machte. Erst scheiterte der Ex-Augsburger Milan Petrela mit seinem Schussversuch (36.), Momente später ging der Flugkopfball von Daniel Kolár knapp über das Tor von Nationalkeeper Manuel Neuer.

Guardiola wechselt den Sieg ein

Nach der schwächsten Halbzeit dieser Champions-League-Saison ließen die Bayern doch den Willen erkennen, das Spiel gewinnen zu wollen. In höchster Not klärte Marián Ciovský vor der Linie den Versuch von Lahm und verhinderte in dessen 78. Partie das erste Champions-League-Tor des Bayern-Kapitäns (49.). Mit der Einwechslung von Mario Mandzukic und Xavi Martinez für Schweinsteiger und Müller setzte Guardiola nach knapp einer Stunde auf größere körperliche Präsenz.

Im Anschluss an das 2:1 bei 1899 Hoffenheim hatte der Spanier angekündigt, sein Konzept ändern zu wollen. Gegen Pilsen machte sich hingegen die personelle Korrektur schnell bezahlt: Nur sechs Minuten nach seiner Einwechslung drückte Mandzukic völlig freistehend eine Flanke von Lahm per Kopfball über die Linie. Pilsen blieb aufmüpfig, Tecl belohnte die tapfer kämpfenden Tschechen aber nicht mehr.

Leno hält den Punkt fest

Mit einem Gala-Auftritt hat Bayer-Keeper Bernd Leno Leverkusens Chancen auf den Einzug ins Achtelfinale der Champions League festgehalten. Der 21-Jährige avancierte am Dienstagabend beim 0:0 beim ukrainischen Meister Schachtjor Donezk zum besten Mann auf dem Platz. 13 Tage nach dem überzeugenden 4:0 im Hinspiel gegen den ukrainischen Meister blieb der Tabellendritte der Fußball-Bundesliga bei der schmeichelhaften Nullnummer vor 50.115 Zuschauern in der modernen Donbass Arena zumindest vor dem Wechsel so ziemlich alles schuldig. Nur dank Leno bleibt das Team von Trainer Sami Hyppiä mit jetzt sieben Punkten Zweiter in der Gruppe A und kann weiter aus eigener Kraft die K.o.-Runde erreichen. Im nächsten Gruppenspiel kommt es am 22. November zum Duell gegen Tabellenführer Manchester United.

Nach der peinlichen 0:1-Pleite in der Bundesliga gegen Aufsteiger Braunschweig hatte die sportliche Leitung eine deutliche Leistungssteigerung gefordert. "Die Mannschaft weiß, dass sie etwas gut zu machen hat", sagte Sportdirektor Rudi Völler. Anders als in Braunschweig vertraute Hyppiä diesmal seinem Stammpersonal und ließ gleich mit drei Angreifern beginnen - Stefan Kießling, Sidney Sam und Heung-Min Son. Aggressiver, kreativer und auch gefährlicher aber waren zunächst die Gastgeber, die von der ersten Sekunde an wesentlich mehr investierten als beim ersten Duell vor knapp zwei Wochen.

Vor allem auf der linken Abwehrseite der Leverkusener war Sebastian Boenisch bei den Vorstößen von Schachtjor-Kapitän Darijo Srna immer wieder überfordert. Über diese Seite entwickelten sich auch die ersten beiden gefährlichen Situationen, als der Argentinier Facundo Ferreyra zweimal knapp am überragenden Leno scheiterte. Die Werkself wirkte unkonzentriert. Hinten stimmte die Zuordnung nicht, im Spiel nach vorn fehlte die Präzision. Entlastung oder gefährliche Offensivaktionen? Fehlanzeige. Durch schlampige Abspiele und Dauer-Unruhe setzte sich Bayer selbst unter Druck.

Donezk gehen die Kräfte aus

Der Tabellenzweite der Ukraine versäumte es lediglich, seine Dominanz durch Tore zu veredeln. Eine missglückte Srna-Flanke klatschte in der 31. Minute an den Innenpfosten, 120 Sekunden später wurde der brasilianische Nationalspieler Bernard von Leno gestoppt. Auch beim Schuss von Jaroslaw Rakitski reagierte der 21 Jahre junge Keeper überragend (34.). Bis zur Halbzeit war's nichts mit der versprochenen Wiedergutmachungs-Tour. Hyppiä stand nahezu die gesamten ersten 45 Minuten in der Coaching-Zone und starrte nach den Funktionsstörungen im Kollektiv ungläubig auf den Rasen. Wo war der Spielfluss, mit dem Bayer an den ersten zehn Bundesliga-Spieltagen so entzückt hatte?

Auch nach dem Wechsel stand Leno sofort im Blickpunkt und verhinderte bei einem gefährlichen Freistoß-Aufsetzer von Srna erneut den Rückstand (47.). Wenigstens lief der Ball beim Bundesliga-Dritten jetzt etwas besser, Bayer arbeitete sich langsam in die Partie. Die Begegnung wurde ausgeglichener, den Osteuropäern schwanden nach dem hohen Tempo in der ersten Hälfte langsam die Kräfte. Schachtjors Torhüter Andrei Pjatow hatte bei den Möglichkeiten von Sam (58.) und Son (59.) keine große Mühe. Nach einer weiteren vergebenen Gelegenheit durch Sam (72.) hofften die deutlich engagierteren Leverkusener sogar noch auf einen Glückstreffer in der Schlussphase - vergeblich.

kng/DPA / DPA

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