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Deutschland gegen Schweden Neulinge im Test - Schmelzer hat die besten Chancen


Die deutsche Fußball-Nationalmannschaft testet am Abend gegen Schweden. Es ist das letzte Länderspiel des WM-Jahres. Und Joachim Löw wird experimentieren. Sechs Neulinge hat der Bundestrainer berufen. Welcher Spieler schafft es mittelfristig in die Stammelf?
Von David Bedürftig

Am Abend steht für die deutsche Fußball-Nationalmannschaft das letzte Länderspiel des WM-Jahres auf dem Programm. In Göteborg testet die DFB-Auswahl gegen Schweden. Göteborg gilt als gutes Omen für deutsche Teams. Im vergangenen Jahr begann in der nordschwedischen Hafenstadt der Siegeszug der U21-Auswahl bei der Europameisterschaft. Die beiden Dortmunder Mats Hummels (21) und Marcel Schmelzer (22) trugen damals ihren Teil zum Titelgewinn bei. Fußballdeutschland war entzückt - und Jogi Löw merkte auf.

Vor knapp anderthalb Jahren war das, jetzt steht wieder Göteborg vor Tür. Und Bundestrainer Löw lud neben Hummels und Schmelzer auch ihre Teamkollegen vom BVB Mario Götze (18) und Kevin Großkreutz (22) ein, sowie die Youngsters Lewis Holtby (20) und André Schürrle (20) von Mainz 05. Allesamt hochtalentiert und überzeugend in Liga und Junioren-Teams - aber ausnahmslos A-Nationalmannschafts-Frischlinge. Lediglich Hummels und Großkreutz durften vor der WM in Südafrika einmal 45 Minuten gegen Malta vorspielen.

Schenkt man den Aussagen des Nationaltrainers Glauben, so werden alle sechs Talente gegen Schweden zum Einsatz kommen. Und schon jetzt stellt sich die Frage: Genügen die Fähigkeiten der neuen Bundes-Bubis, um mittelfristig einen der begehrten Stammplätze in der Nationalelf zu ergattern? Wir haben uns die sechs genauer angeschaut.

Marcel Schmelzer

Die Stärken:

Dank Marcel Schmelzer könnte der Bundestrainer endlich die "linke Lösung" gefunden haben. Der junge Magdeburger überzeugt diese Saison beim BVB als enorm zweikampfstarker Außenverteidiger mit einem gut ausgebildeten Stellungsspiel. Seine Schnelligkeit und seine offensiven Qualitäten kommen ihm auf der Außenbahn zu Gute: Einst wurde Schmelzer als Außenstürmer in die Dortmunder Jugendmannschaft gelotst. Die von ihm verdrängte BVB-Ikone Dédé vermisst im Westfälischen kaum noch jemand.

Die Schwächen:

Wenn überhaupt, dann muss man Schmelzer ankreiden, dass er bei allem Offensivdrang manchmal seine Defensivaufgaben vernachlässigt. Auch sein Kopfballspiel ist noch verbesserungsfähig.

Stammplatzchance für 2011:

Da in Südafrika die potentiellen Linksverteidiger Holger Badstuber und Jérôme Boateng keine Punkte sammeln konnten und der weitere Kandidat Marcell Jansen bis jetzt eine desolate Hinrunde spielt, schlägt jetzt Schmelzers Stunde. Seine Chancen auf einen Stammplatz für das Kalenderjahr 2011 stehen sehr gut - wenn er gegen Schweden zu überzeugt.

Mats Hummels

Die Stärken:

Hummels ist momentan der beste Innenverteidiger der Liga. Der 21-Jährige tritt mit einer bemerkenswerten Ruhe und Routine auf. Zusammen mit Neven Subotic ließ er in Dortmund bislang nur sieben Gegentore zu. Aber Hummels kann nicht nur verteidigen. Auch in der Spieleröffnung liegt seine Stärke. Bei Standardsituationen schaltet sich Hummels immer wieder mit in den Angriff ein. Er gilt als Kopfballspezialist.

Die Schwächen:

Hummels Ruhe wird ihm manchmal zum Verhängnis, er reagiert in brenzligen Situationen fast zu cool. Auch merkt man ihm in bestimmten Situationen die mangelnde internationale Erfahrung an.

Stammplatzchance für 2011:

In Löws Innenverteidigung gibt es nur einen echten Platz zu vergeben: Per Mertesacker ist trotz seiner bislang energielosen Saison bei Werder gesetzt. Auch Holger Badstuber und Heiko Westermann schwächeln derzeit bei ihren Clubs. Aufgrund ihrer größeren Erfahrung haben sie im Vergleich mit dem BVB-Talent noch die Nase vorn. Das könnte sich bald ändern, denn läuft es für Hummels nach Plan, verbessert er kommende Saison seine Fertigkeit in der Champions League. Hummels Zeit in der Nationalmannschaft wird kommen - ganz sicher. Wenn nicht in 2011, dann später.

Kevin Großkreutz

Die Stärken:

Im Testspiel gegen Malta im Mai 2010 zeigte der Dortmunder, was ihn auszeichnet. Spät eingewechselt leitete Großkreutz sofort zwei Treffer mit feinen Pässen ein. Seinem jugendlichen Spielwitz verdankt er diese Saison drei Tore und drei Assists. Darüber hinaus besitzt der Mittelfeldmann eine Pferdelunge. In jedem Spiel kämpft Großkreutz bis zum letzten Atemzug.

Die Schwächen:

Der BVB-Profi ist enorm ehrgeizig und versucht es auch mal mit der Brechstange, wo ein kluger, einfacher Pass angebrachter wäre. Im Abschluss kann Großkreutz auch noch zulegen, er lässt zu viele Chancen liegen.

Stammplatzchance für 2011:

Die Dortmunder Fans lieben Großkreutz wegen seiner Herkunft und seines unermüdlichen Einsatzes, Löw scheint das ebenfalls zu honorieren. Der BVB-Profi darf sich sogar Hoffnungen auf einen Startplatz im Spiel gegen Schweden machen. Danach wird es jedoch schwer für ihn: Die Hürden Özil, Müller, und Podolski sind für Großkreutz (noch) zu hoch. Auch Marin und Kroos stehen noch vor ihm in der Rangliste.

Mario Götze

Die Stärken:

Mats Hummels bescheinigte jüngst, dass man bereits in Götzes Jugendtagen spürte, dass da "ein richtig Guter" heranwachse. Götze ist vielleicht das größte deutsche Nachwuchstalent. Mit "özilscher" Leichtigkeit streichelt er den Ball, täuscht den Gegner mit dem Körper, setzt immer wieder zu unerwartenden Dribblings an - all das gelingt ihm auch bei hohem Tempo. Für sein Alter ist Götze sehr weit. Sein Zug zum Tor ist unnachahmlich, der Abschluss zielstrebig.

Die Schwächen:

Lars Ricken sagte kürzlich: "Er hat einfach alles". Das stimmt so nicht. Insbesondere im Defensivverhalten offenbart der 18-Jährige teilweise noch Schwächen. Das Spiel ohne Ball liegt ihm nicht, wie es bei unerfahrenen Spielern häufig der Fall ist. Ob der Jungspund fähig ist dem konstant größer werdenden Mediendruck stand zu halten, bleibt ebenfalls abzuwarten. Irgendwann kann auch Klopp ihn nicht mehr schützen.

Stammplatzchance für 2011:

In Göteborg wird Götze wohl als der jüngste Nationalspieler seit Uwe Seeler auf das Feld laufen. Wie weit sein Weg geht, ist ungewiss, befindet sich der Youngster doch noch in den ersten Jahren seiner Entwicklung. Zunächst muss Mario Götze in der Nationalmannschaft wohl den Gang auf die Ersatzbank antreten, denn an den gesetzten Offensivspielern, sowie an den dahinter lauernden Marin und Kroos, dürfte er 2011 noch nicht vorbeikommen. Aber eines ist klar: Götze ist ein Mann für die Zukunft.

Lewis Holtby

Die Stärken:

Mit seinen Bruchweg-Boys entzückte er zum Anfang der Saison die Liga. In den ersten sieben Spielen bereitete der Blondschopf sieben Tore vor und schoss dabei noch zwei selber. Mit viel Übersicht und einer Fülle an Tricks setzt er seine Mitspieler immer wieder gekonnt in Szene. Auch in der U21-Nationalelf überragte er in seinen Einsätzen mit tollen Vorlagen.

Die Schwächen:

Im Gegensatz zu Götze ist Holtby nicht so flexibel einsetzbar. Deshalb wird er bei Mainz häufig ein und ausgewechselt. Speziell in den letzten Spielen offenbarte der 20-Jährige, dass er dem steigenden Druck noch nicht gewachsen ist und fiel in ein Formloch. Zu unkonstant und ballverliebt bestreitet Holtby seine Spiele.

Stammplatzchance für 2011:

Hochs und Tiefs gehören auch bei jungen Spielern zum Fußballerleben. Es darf aber daran gezweifelt werden, ob Holtby genug psychische Stärke besitzt, um sich dauerhaft in der großen harten Fußballwelt durchzusetzen. Mittelfristig wird der Deutsch-Engländer in der Nationalelf wohl nicht über Rolle des Reservisten hinaus kommen.

André Schürrle

Die Stärken:

Laufstark, schnell und beidfüssig kommt der schlacksige Stürmer daher. Unbekümmert geht er in den Strafraum und macht oft instinktiv das Richtige. Manch einen erinnert Schürrle an Thomas Müller, der letzte Saison mit seinem ähnlichen Spielstil für Furore sorgte.

Die Schwächen:

Nur viel Mal spielte Schürrle diese Saison von Anfang an bei Mainz 05. Seine vier Treffer in elf Spielen sind keine überragende Quote für einen Stürmer. In Zweikämpfen mit gestandenen Bundesligaverteidigern scheint der Mainzer zu schmächtig. Sein Kopfballspiel gehört trotz 1,84 Meter Körpergröße noch verbessert.

Stammplatzchance für 2011:

Im Sturm der Nationalmannschaft wird sich André Schürrle hinten anstellen müssen. Wenn Miroslav Klose von seiner Verletzung zurückkehrt, wird er gesetzt sein. Dahinter lauern der wieder erstarkte Mario Gomez, der zuletzt formstarke Cacau und der in dieser Saison glücklose Helmes.


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