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Dortmund und Bayern im Meistercheck: High Noon am 11. April

Noch sieben Spieltage, dann steht fest, ob der neue Deutsche Meister Borussia Dortmund oder Bayern München heißt. Der BVB liegt mit fünf Punkten Vorsprung vorn. Aber reicht das auch?

Von Klaus Bellstedt

Spätestens nach der überraschenden Niederlage von Borussia Mönchengladbach gegen Hoffenheim geht der Meistertitel in der Bundesliga wohl nur noch über zwei Teams: Borussia Dortmund und Bayern München. Der Vorsprung des BVB auf die Mannschaft von Trainer Jupp Heynckes beträgt nach dem 27. Spieltag komfortable fünf Punkte. Aber ist das wirklich so komfortabel? Haben die Bayern nicht doch das Zeug, an Dortmund vorbeizuziehen? Die beiden besten deutschen Teams im Meistercheck.

Die Form

Borussia Dortmund:

Vor dem Spiel in Köln spekulierten die Bayern darauf, dass der Konkurrent möglicherweise schwächeln könnte. Ihre Hoffnung begründeten sie darauf, dass die Borussia in den Begegnungen zuvor in Augsburg (0:0), gegen Werder (1:0) und im Pokal bei Greuther Fürth (1:0 n.V.) vor allem spielerisch enttäuscht hatte. Von Highspeed-Fußball war in letzter Zeit tatsächlich nicht mehr viel zu sehen - bis zum Auftritt am Sonntag in Köln. Das 6:1 gegen einen allerdings auch dramatisch schlechten FC war fantastisch herausgespielt. Leichtigkeit und Spielverständnis erinnerten schon wieder an die Meistersaison - auch ohne Mario Götze. Die Tor-Gala war ein dickes Ausrufezeichen des BVB, der seine Schwächephase vielleicht schon überwunden hat.

Bayern München:

20 Tore gegen Hoffenheim, Basel und Berlin, dazu ein Sieg im Elfmeterschießen in Mönchengladbach sowie das 2:1 am vergangenen Wochenende über Hannover 96: Der FC Bayern eilt derzeit mit ziemlicher Wucht von Sieg zu Sieg, auch wenn die Erfolge von Gladbach und gegen Hannover umkämpft waren. Trotzdem hat man mittlerweile wieder den Eindruck, dass das Münchner-Gebilde - ganz anders als noch zum Rückrundenstart - wieder stabil ist. Und nicht vergessen: Co-Kapitän Bastian Schweinsteiger kommt ja erst noch zurück.

Fazit:

Unentschieden! Beide Mannschaften sind derzeit in bestechender Form.

Das Kollektiv

Borussia Dortmund:

Immer noch das ganz große Plus des BVB. Nach dem Last-Minute-Sieg in Fürth konnte man sehen, wie sehr diese Mannschaft zusammenhält. Von Roman Weidenfeller bis Patrick Owomoyela, kein Spieler fand sich in der Jubeltraube unter dem Siegtorschätzen Ilcay Gündogan nicht wieder. Schmollende Ersatzspieler oder abgehobene Einzelgänger? Gibt es in Dortmund nicht. Auch nach dem 6:1 in Köln versammelte sich der komplette Kader am Mittelkreis, sprach untereinander ein paar Worte und klatschte sich ab. Jürgen Klopp muss dazu übrigens niemals auffordern. Die Jungs mögen sich einfach.

FC Bayern:

Das Ganze ist fragiler als in Dortmund. Wenn es einmal nicht mehr laufen sollte, könnten die schwierigen Charaktere (Robben, Ribéry, Müller, Badstuber, Boateng) den Frieden wieder stören. Alles schon vorgekommen in dieser Saison. Grundsätzlich betrachtet, war die Tor-Explosion gegen Hoffenheim aber natürlich ein Brustlöser. Das Erweckungserlebnis in der Bundesliga hat bei den Bayern einen Stimmungsumschwung herbeigeführt. Derzeit ziehen alle an einem Strang.

Fazit:

Vorteil für den BVB. Der Teamspirit gepaart mit einer eher flachen Hierarchie war schon in der vergangenen Saison mitentscheidend für den Titelgewinn.

Die Bank

Borussia Dortmund:

Sven Bender und Ilcay Gündogan bildeten gegen Köln die Doppelsechs. Es hätte aber auch genauso gut Sebastian Kehl an der Seite von einem der beiden spielen können. Der Kapitän kam nach einer Stunde und fügte sich sofort ein. Aber auch weiter vorne sind die Borussen auf der Bank glänzend besetzt. Der vielseitige und torgefährliche Ivan Perisic wurde für Kevin Großkreutz eingewechselt, Super-Talent Moritz Leitner löste Shinji Kagawa ab. Wohl dem, der es sich leisten kann, einen Torjäger wie Lucas Barrios als Backup von Robert Lewandwoski in der Hinterhand zu haben. Nicht zu vergessen: Auch Felipe Santana, der leistungsmäßig nur ein ganz kleines Stück hinter Mats Hummels und Neven Subotic liegt, ist nur zweite Wahl.

FC Bayern: Die Bank des Rekordmeisters war gegen Hannover 96 prominent besetzt: Wegen der ständigen englischen Wochen gönnte Jupp Heynckes seinen Stars Mario Gomez und Thomas Müller eine Verschnaufpause. Das war die Ausnahme. In der Regel sitzt dort Mittelmaß. Diego Contento etwa, oder Danijel Pranjic. Der Brasilianer Rafinha hat oft genug seine Chance bekommen und nicht genutzt. Nun ist er Auswechselspieler, genauso wie Stürmer Nils Petersen, von dem niemand weiß, was er wirklich kann. Was die Alternativen für die Innenverteidigung betrifft, stehen die Bayern im Moment auch wegen der Verletzung von Daniel van Buyten ziemlich blank da.

Fazit:

Auch was die Bank betrifft, hängen die Dortmunder den FC Bayern ab. Zwar ist - wie bei Barca oder Real - nicht jede Position doppelt besetzt, aber der zweite Anzug sitzt dennoch wie angegossen.

Das Nervenkostüm

Borussia Dortmund:

Das, was da von den Schwarz-Gelben nach dem knappen Pokalerfolg in Fürth aufgeführt wurde, war alles andere als souverän, sondern unsittlich - insbesondere von Kevin Großkreutz und Trainer Klopp. Große Siege kann man auch mit ein bisschen Demut feiern. Davon ist der BVB derzeit weit entfernt. Daraus aber zu schließen, dass Dortmund die Meisterdüse geht, wäre Quatsch. Zumal nach dem überzeugenden Sieg beim 1. FC Köln. Unter der Woche hatte Bayern-Manager in Richtung Dortmund gestichelt und ironisch von einem "sympathischen" Auftritt in Fürth gesprochen. Der Konter von BVB-Boss Hans-Joachim Watzke ließ nicht lange auf sich warten: "Dieser ganze Psycho-Quatsch ist Kindergarten und bringt nichts. Wir werden noch zweimal auf dem Platz die Klingen kreuzen - das sollte reichen." Wie es um das Nervenkostüm des BVB wirklich bestellt ist, sieht man im Zweifel erst dann, wenn die Bayern den Rückstand weiter verkürzen sollten. Von außen wirkt der deutsche Meister jedenfalls sehr cool - mit Außnahme von Jürgen Klopps überflüssigen Einlagen an der Seitenlinie.

FC Bayern:

Angeführt von der Abteilung Attacke laufen die Bayern langsam wieder heiß. Am Samstag hatte Bayern-Präsident Uli Hoeneß einen "Zermürbungskampf" um die Meisterschale ausgerufen, der 2:1-Sieg der Münchner gegen Hannover 96 sei ein "Nadelstich" gewesen. Nun ja. Fakt ist, dass der BVB auch sieben Spieltage vor Schluss noch fünf Punkte Vorsprung hat. Beim Tabellenzweiten klammert man sich auch deshalb an das direkte Duell, das am 11. April in Dortmund stattfinden wird. Dem erfahrenen Jupp Heynckes ist es durchaus zuzutrauen, dass er seine Mannschaft auf dieses Spiel hin perfekt einstellen wird.

Fazit:

Minimaler Vorteil für die Roten aus München. Die Bayern sind solche "K.o-Matches" gewohnt und haben oft schon bewiesen, dass sie in solchen Situationen dem Druck standhalten können. Jüngste Beispiele: das Achtefinal-Rückspiel in der Champions League gegen Basel, oder auch das Pokalhalbfinale in Gladbach. Mit Bastian Schweinsteiger steht Heynckes dann zudem ein nervenstarker Spieler mehr, der absolute Führungsspieler, zur Verfügung. Das kann am Ende ausschlaggebend sein.

Das Restprogramm

Borussia Dortmund:

Mit Stuttgart, Wolfsburg, Bayern, Schalke und Mönchengladbach warten in den kommenden fünf Spielen fünf Teams aus der oberen Tabellenhälfte auf den BVB. Bei all diesen Partien geht es um Champions-League- und Europa-League-Startplätze. Erst zum Ende der Saison wird es für Dortmund einfacher. Kaiserslautern ist am 33. Spieltag vielleicht schon abgestiegen und die Hürde SC Freiburg sollte auch locker genommen werden. Davor aber ist es schwer.

FC Bayern:

Das leichtere Restprogramm haben ganz klar die Bayern. Nürnberg, Augsburg, Dortmund, Mainz, Bremen, Stuttgart, Köln: Bis auf die Partie im Westfalenstadion sind das alles scheinbar leichte Aufgaben. Aber Vorsicht, ein Erfolg in den K.o.-Spielen gegen Olympique Marseille vorausgesetzt, sind die Münchner bis Ende April im Champions-League-Wochentakt im Einsatz.

Fazit:

Vorteil Bayern - auch wenn die Champions-League-Saison noch nicht zu Ende sein sollte.

Gesamtfazit:

Der Meisterschaftskampf zwischen Borussia Dortmund und den Bayern läuft auf einen Showdown hinaus. Der stern.de-Check endet 3:3-Unentschieden. Wir schließen uns aber der Meinung von Uli Hoeneß an. Der Bayern-Manager hat das Spiel beim BVB zum absoluten Endspiel um den Titel hochstilisiert. "Ich bin überzeugt davon, dass wir Meister werden, wenn wir in Dortmund gewinnen." Glauben wir auch.

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