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EM 2012 Der erste EU-Nationalkader


Was wäre, wenn es wirklich die Vereinigten Staaten von Europa gäbe? Und wenn die EU eine gemeinsame Nationalmannschaft aufböte? Wir haben diese Utopie beim Wort genommen und einen Kader nominiert, der, um mit Franz Beckenbauer zu sprechen, "auf Jahre hinaus unschlagbar" wäre. Oder nicht? Urteilen Sie selbst!

Europa brauche eine gemeinsame Wirtschaftsregierung, um zu überleben, heißt es. Aber ist Europa nur eine ökonomische Notwendigkeit oder auch ein gemeinsames Projekt für unseren Kontinent? Es gibt angeblich keine europäische Öffentlichkeit. Stimmt das wirklich? Wir wollen jedenfalls schon mal Nägel mit blaugelben Köpfen machen und haben den ersten Nationalkader der Europäischen Union nominiert. Tadaa!

Anders als Merkozy haben wir nicht die Staaten ohne Euro außen vor gelassen, sondern haben alle 27 Mitgliedsstaaten auf der Suche nach den besten Spielern durchstreift. Gar nicht so einfach, eine funktionsfähige Mannschaft zusammenzustellen, da die unterschiedlichen Teams natürlich nicht alle im gleichen System zusammenspielen. Aber das gilt ja für die Clubs, aus denen sich Nationalteams zusammensetzen, genauso.

Hier sind die 23 Spieler, die wir berufen haben. Und an die Euroskeptiker unter unseren Lesern: Nein, die Heimspiele müssen nicht alle in Brüssel stattfinden.

TAKTIK

Taktische Flexibilität kann nicht schaden, so dass man unser Aufgebot sowohl in einer 4-2-3-1-Formation wie auch im 4-3-3 oder im 4-4-2 anordnen kann. Einzig eine Dreierkette bietet sich nicht an, weil es schlicht zu viele gute offensive Mittelfeldspieler gibt, um die Außenpositionen mit zwei Fullbacks zu besetzen.  

TOR

Hier gibt es zwei Keeper, zwischen denen wir uns kaum entscheiden können. Sowohl Iker Casillas als auch Manuel Neuer sind hervorragende Torhüter, die wir bedenkenlos zwischen die Pfosten stellen können. Wegen der größeren Erfahrung würden wir wohl Casillas zunächst die Nummer eins geben. Als dritten Schlussmann würden wir Hugo Lloris mitnehmen, einen der reflexstärksten Keeper Europas.

Zum Härtefall wird so Gianluigi Buffon, den wir zugunsten der jüngeren Konkurrenz zu Hause lassen. In Erwägung gezogen wurden auch noch Petr Cech und Wojciech Szczesny.

ABWEHR

Schon schwieriger, denn so groß ist die Auswahl hier gar nicht. Es macht sich bemerkbar, dass zwei der besten Innenverteidiger bei europäischen Topclubs nicht aus EU-Staaten stammen, nämlich Nemanja Vidic und Thiago Silva. Da wir uns zuvor auf eine Viererkette festgelegt haben, nehmen wir vier Innenverteidiger, zwei Links- und zwei Rechtsverteidiger mit.

Gerard Piqué und Pepe bilden unser Abwehrzentrum, wir hoffen, dass sie sich auf dem Rasen besser verstehen als bei den letzten Clásicos gegeneinander. Als weitere Innenverteidiger wurden Vincent Kompany und Rio Ferdinand eingeladen. Bei Kompany bitte nicht die Leistung aus dem jüngsten EM-Qualispiel gegen Deutschland erinnern, sondern die konstant guten Leistungen im Abwehrzentrum von Manchester City. Sollte Ferdinand einmal mehr einer Verletzung Tribut zollen müssen, würden wir Mats Hummels anrufen und ihn bitten, ins Teamhotel nachzukommen.

Links hinten erwarten wir ein packendes Duell um den Platz in der Startelf zwischen Ashley Cole und Philipp Lahm. Leichte Vorteile sehen wir für den seit Jahren in überragender Form spielenden Cole, aber Lahms Saison ist ebenfalls bärenstark. Lahm könnte theoretisch ja auch nach rechts rücken, wo die Auswahl interessanterweise nicht ganz so gut ist. Sergio Ramos ist im Normalfall hier erste Wahl, als Ersatzmann haben wir zunächst Gregory van der Wiel vorgesehen, der neben großem Offensivdrang auch im defensiven Spiel zu überzeugen weiß. Ramos wiederum könnte auch innen spielen, wenn Lahm nach rechts rückt.

Als Backup für die linke Seite würde sich als mutige Lösung Tottenhams Gareth Bale anbieten, der es allerdings gewohnt ist, im Mittelfeld zu spielen. Dort wiederum gibt es in unserem Kader nun gar keinen Platz für den Waliser. Alternativ wären auch Patrice Evra oder Fabio Coentrao denkbar.

MITTELFELD

Der Begriff "Härtefall" müsste eine ganz neue Wörterbuchdefinition erfahren, wenn man sieht, was für Spieler wir in diesem Mannschaftsteil zu Hause lassen müssen. Wir haben hier acht Profis nominiert, je nach taktischer Grundordnung könnten einige von ihnen auch außen in einem Dreiersturm zum Einsatz kommen.

Starten wir mit zwei zentralen Mittelfeldspielern. Hier fällt der Blick zuerst auf Xavi und Bastian Schweinsteiger. Falls ein noch defensiverer Spieler in der Doppelsechs gewünscht wird, könnte einer von beiden nach vorne rücken und durch Sergio Busquets ersetzt werden. Der wiederum wäre auch als Alternative in der Innenverteidigung gut aufgehoben. Einen weiteren zweikampfstarken Mann vor der Abwehr sehen wir in Nigel de Jong.

Bleiben noch vier Plätze übrig. Auf der linken Seite sehen wir (neben Cristiano Ronaldo, den wir als Stürmer mitnehmen) Franck Ribéry angesichts seiner aktuellen Form als Kandidaten Nummer eins, in der Zentrale darf Mesut Özil spielen, und rechts wäre momentan Thomas Müller die erste Wahl. Bleibt noch Andrés Iniesta, der sowohl auf der linken Seite als auch zentral häufiger eingesetzt wird, als Rechtsfuß aber auch auf der rechten Außenbahn zum Zuge kommen könnte.

Sie sehen, dass wir trotz des Kunstgriffs, Ronaldo als Stürmer zu deklarieren, etliche Weltklassespieler zu Hause lassen mussten, allen voran Cesc Fàbregas, dessen taktische Flexibilität ihn eigentlich auch zu einem idealen Kandidaten für die Einwechslung in jedem Spiel macht. Doch auch Xabi Alonso und David Silva sind Spanier, die sich gut im EU-Kader machen würden, während aus deutscher Sicht Sami Khedira fehlt. Und da haben wir Andrea Pirlo noch gar nicht genannt, der eine tolle Saison in der Serie A spielt. Wesley Sneijder wiederum wurde seine relative Formschwäche der letzten Monate zum Verhängnis.

Samir Nasri ist ein weiteres Opfer der großen Qualität, die allein Spanien und Deutschland vorweisen können, was auch dazu geführt hat, dass Spieler aus kleineren EU-Staaten wie Marek Hamsik, Christian Eriksen, Eden Hazard oder Axel Witsel es kaum ins Blickfeld schaffen.

ANGRIFF

Wie schon im Mittelfeld angedeutet, haben wir Cristiano Ronaldo als Stürmer eingepreist, was natürlich rein virtuell ist, da er ja ohne Probleme die Rolle im linken Mittelfeld eines 4-2-3-1 übernehmen kann. Doch auch als linker Stürmer im 4-3-3, wie zuletzt in der portugiesischen Auswahl, hat der Goalgetter seinen Platz.

Auf den weiteren Kaderplätzen haben wir uns für Robin van Persie entschieden, einen sehr vielseitigen Stürmer, der sowohl links als auch zentral spielen kann, und zwar in einem 4-3-3 ebenso wie im 4-4-2. Zudem kann man auf Mario Balotelli kaum verzichten, den idealen Anspielstürmer, der aber zusätzlich über so große Dynamik und Schusstechnik verfügt, dass er nur sehr schwer zu verteidigen ist.

Bleibt noch ein Platz. Und hier muss die Wahl zwischen Karim Benzema und Mario Gomez fallen. Was Wayne Rooney zu Hause belässt, aber der ist als reine Spitze nicht so effektiv wie die anderen Genannten, und dahinter gibt es im hochklassig besetzten Mittelfeld bessere Alternativen. Nun also zur Frage: Benzema oder Gomez? Geht man nur nach der Torquote, wäre die Entscheidung zugunsten des Deutschen klar. Zumal sich der Bayernstürmer in dieser Saison auch vom Positionsspiel her klar weiterentwickelt hat. Benzema wiederum hat seinen Stammplatz in Madrid zuletzt mehr oder minder an Gonzalo Higuaín verloren. Dennoch nehmen wir Karim Benzema mit, weil er noch mehr für die Mannschaft wert ist.

Bevor nun die übliche Empörung über uns hereinbrandet: Niemand sagt damit, Gomez sei nicht gut. Wayne Rooney ist Weltklasse, und den lassen wir auch zu Hause. Eine Frage der Abstimmung. Weitere EU-Spieler, die das erste Spiel von der Tribüne aus verfolgen müssen: Zlatan Ibrahimovic, Klaas-Jan Huntelaar, David Villa und Miroslav Klose. Schade, dass es keine EU (Amateure) gibt.

Abschließend noch ein Wort zu Arjen Robben: Der müsste im Normalfall natürlich auch ein Thema sein. Seine jüngste Verletzungsgeschichte lässt uns aber daran zweifeln, ob totale Fitness momentan der Normalfall bei ihm ist.

Der EU-Kader

Tor:
Iker Casillas (Spanien/Real Madrid)
Hugo Lloris (Frankreich/Olympique Lyonnais)
Manuel Neuer (Deutschland/Bayern München)

Abwehr:
Ashley Cole (England/Chelsea)
Rio Ferdinand (England/Manchester United)
Vincent Kompany (Belgien/Manchester City)
Philipp Lahm (Deutschland/Bayern München)
Pepe (Portugal/Real Madrid)
Gerard Piqué (Spanien/Barcelona)
Sergio Ramos (Spanien/Real Madrid)
Gregory van der Wiel (Niederlande/AFC Ajax)

Mittelfeld:
Sergio Busquets (Spanien/Barcelona)
Andrés Iniesta (Spanien/Barcelona)
Nigel de Jong (Niederlande/Manchester City)
Thomas Müller (Deutschland/Bayern München)
Mesut Özil (Deutschland/Real Madrid)
Franck Ribéry (Frankreich/Bayern München)
Bastian Schweinsteiger (Deutschland/Bayern München)
Xavi Hernández (Spanien/Barcelona)

Angriff:
Mario Balotelli (Italien/Manchester City)
Karim Benzema (Frankreich/Real Madrid)
Robin van Persie (Niederlande/Arsenal)
Cristiano Ronaldo (Portugal/Real Madrid)

Und wie sieht Ihr EU-Kader aus? Kommentieren Sie jetzt!

Daniel Raecke

sportal.de sportal

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