England vs. Deutschland "Es gibt keine Freundschaftsspiele"

Das letzte Spiel gegen England endete mit einer bitteren Pleite für die deutsche Nationalmannschaft. Trotzdem zeigen sich die deutschen Spieler selbstbewusst vor dem Fußball-Klassiker im Wembley-Stadion - auch wenn elf Spieler verletzt absagen mussten.

Als die Chartermaschine LH 5010 mit dem deutschen Not-Nationalteam an Bord in London-Luton landete, wollte Joachim Löw über seine großen Personalsorgen nicht mehr reden. Gleich eine komplette Elf musste der Bundestrainer wegen Verletzungen für das 30. Duell gegen England streichen, doch am Dienstag auf dem Flug ins 13 Grad kalte und nasse London wuchs neben der Vorfreude auch der Trotz im ausgedünnten Kader der deutschen Fußball-Nationalmannschaft.

"Wir wollen unsere Haut so teuer wie möglich verkaufen", kündigte Löw den Hausherren im neuen Tempel Wembleystadion einen heißen Kampf an. Auch der Wahl-Engländer Jens Lehmann, der erst 32 Stunden vor dem Anstoß in London zum DFB-Team stieß, feuerte die Stimmung nochmals an: "Ich kann mich den Worten von David Beckham anschließen, es gibt keine Freundschaftsspiele zwischen Deutschland und England."

"Ein "Genuss, in Wembley zu spielen"

Für Zündstoff ist immer gesorgt in einem der ältesten Klassiker der Fußball-Welt, der 1908 mit einem 5:1 der Engländer in Berlin seine erste Auflage erlebt hatte. Auch das letzte Aufeinandertreffen endete mit einem 5:1 der "Three Lions" in München, was geradezu nach Revanche schreit. "Man sieht die Szenen immer wieder hier im Fernsehen", berichtete Lehmann. "Vielleicht werden wir nicht so dominant agieren wie zuletzt in Tschechien, aber gerade für unsere jungen Spieler ist es auch eine Chance und ein Genuss, in Wembley zu spielen", betonte Löw.

Die Gastgeber ihrerseits haben seit 1975 kein Heimspiel gegen Deutschland mehr gewonnen und stehen auch in der aktuellen EM- Qualifikation als derzeitiger Tabellen-Vierter schwer unter Druck. "Viele werden darauf schauen, was passiert", bemerkte Manager Oliver Bierhoff. Eine neuerliche Pleite am Mittwoch (21.00 Uhr/ARD), noch dazu gegen eine personell geschwächte deutsche Elf, würde dem ohnehin umstrittenen Nationaltrainer Steve McClaren nicht nur von den 84.000 englischen Fans im ausverkauften Superstadion (dazu kommen 6000 deutsche) übel genommen.

Bierhoff ist optimistisch

Die Ausgangslage für das Löw-Team scheint vor dem "scharfen Start" in die EM-Spielzeit so kompliziert, dass es eigentlich nicht viel zu verlieren hat. Elf Absagen (darunter die Stars Ballack, Frings, Klose und Podolski), für die "Spanier" Christoph Metzelder, David Odonkor und Timo Hildebrand hat die Saison noch nicht einmal begonnen - von einem eingespielten Team kann niemand sprechen. "Zwei Tage sind sehr kurz, da kann man wenig machen", erklärte Bernd Schneider, einzig verbliebener Routinier (78 Länderspiele) neben Jens Lehmann (46). Doch Bierhoff bleibt optimistisch: "In der vergangenen Saison haben wir gesehen, dass die Mannschaft auswärts gewachsen ist."

In Christian Pander (23), Stefan Kießling (23), Roberto Hilbert (22) und Simon Rolfes (25) werden im Wembleystadion wahrscheinlich vier Akteure auflaufen, die es zusammen bisher gerade auf fünf Einsätze im DFB-Team bringen. "Dass viele Spieler aus dem zentralen Bereich fehlen, macht es sicher nicht so einfach", sagte Lehmann. Wenigstens kann Löw auf seine WM-Viererkette setzten, nachdem Arne Friedrich nach Verletzungs-Auszeit in den Kader zurückgekehrt ist. Ob der Berliner allerdings statt Philipp Lahm, der nach links wechseln könnte, wieder die rechte Außenbahn einnimmt, ist ungewiss.

"Die WM ist ein Jahr her. Seitdem hat Lahm rechts gespielt", sagte Löw, der den Schalker Neuling Pander als Alternative für den fehlenden Marcell Jansen sieht. Im Angriff hat der Leverkusener Kießling beste Karten, die Klose-Rolle neben Kevin Kuranyi einzunehmen. "So eine Sache mit Wembley und England ist überragend. Ich hoffe, dass ich ein paar Minuten spielen kann", sagte Patrick Helmes (23), der am Montagabend noch mit dem 1. FC Köln gegen Aachen 90 Minuten gespielt hatte.

Rudi Völler ist auch dabei

Als zusätzlichen Anreiz und auch ein bisschen als Aberglaube hat der DFB Rudi Völler mit nach Old England geschickt. Erstmals nach seinem Rücktritt im Sommer 2004 gehört der ehemalige Teamchef wieder der offiziellen Verbands-Delegation an. Unter Völler hatte die deutsche Nationalelf im Oktober 2000 in London 1:0 (Tor Dietmar Hamann) gewonnen, bevor das alte Wembleystadion abgerissen wurde.

"Das ist eine schöne Geschichte. Ich war der Trainer, der zuletzt dort gewonnen hat. Ich freue mich auf die Mannschaft und besonders auf das neue Wembleystadion", erklärte "Rudi Nazionale", der nun als Talisman für eine Wiederholung im Londoner Fußball-Tempel sorgen soll. "Warum nicht? Die Engländer sind auch keine Überflieger", sagte Völler, der mit in jenem Mannschafts-Hotel wohnt, in dem die DFB-Auswahl 1996 schon den EM-Titel gefeiert hatte.

Arne Richter und Jens Mende/DPA DPA

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