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Offener Brief an Lukaku Affenlaute sind rassistisch? Nicht für diese Inter-Fans

Romelu Lukaku bejubelt in schwarz-blauem Inter Mailand Trikot ein Tor
Romelu Lukaku trägt erst seit diesem Sommer das Trikot von Inter Mailand
© Emilio Andreoli / Getty Images
Nachdem der schwarze Fußball-Profi Romelu Lukaku von gegnerischen Fans mit Affenlauten verhöhnt wurde, hat der Spieler von Inter Mailand mehr Engagement gegen Rassismus gefordert. Nun fallen ihm die eigenen Fans mit einem offenen Brief in den Rücken.

Zwei Spiele hat der belgische Fußball-Nationalspieler Romelu Lukaku erst für Inter Mailand gemacht seit er im Sommer von Manchester United in die Serie A gewechselt ist. Gut möglich, dass er den Wechsel trotzdem schon bereut. Denn am Wochenende wurde der Stürmer, dessen Eltern aus dem Kongo stammen, von den Fans von Cagliari Calcio mit Affengesängen verhöhnt.

Daraufhin forderte Lukaku einen entschiedeneren Kampf gegen Diskriminierung. "Es ist 2019. Aber anstatt vorwärts zu gehen, gehen wir rückwärts", schrieb der 26-Jährige auf Instagram. Er forderte alle Spieler der Liga auf, "sich zu vereinigen und eine Erklärung abzugeben. Viele Spieler wurden im letzten Monat rassistisch beleidigt ... ich habe es gestern erlebt. Fußball ist ein Spiel, das jedem Spaß macht, und wir sollten keine Form von Diskriminierung akzeptieren, die Schande über unser Spiel bringt", schrieb Lukaku. 

Zudem müssten Social-Media-Plattformen wie Instagram, Twitter und Facebook besser mit den Fußballclubs zusammenarbeiten, "da man jeden Tag zumindest einen rassistischen Kommentar unter einem Beitrag einer farbigen Person sieht. Darauf weisen wir seit Jahren hin - und nichts passiert."

Fans von Inter Mailand schreiben Lukaku

Womöglich hatte er sich Solidarität nicht nur von farbigen Profis, sondern auch von möglichst vielen Fans erwartet. Nun haben die Inter-Fans der Mailänder Nordkurve mit einem offenen Brief an Lukaku geantwortet. "Ciao Romelu, wir schreiben Dir im Namen von Curva Nord, ja, die Jungs, die Dich bei Deiner Ankunft in Mailand begrüßt haben. Es tut uns wirklich leid, dass Du dachtest, das, was in Cagliari passiert ist, sei rassistisch. Du musst verstehen, dass Italien nicht wie viele andere nordeuropäische Länder ist, in denen Rassismus ein echtes Problem ist. Wir verstehen, dass es Dir rassistisch vorkommen kann, aber so ist es nicht."

Weiter heißt es in dem Brief: "In Italien benutzen wir einige 'Wege' nur, um 'unseren Teams zu helfen' und zu versuchen, unsere Gegner nervös zu machen, nicht wegen Rassismus, sondern um sie zu verwirren. Wir sind eine multiethnische Fanorganisation und haben immer Spieler von überall her begrüßt. Allerdings sind wir in der Vergangenheit immer so mit den Spielern anderer Teams umgegangen und werden es wahrscheinlich auch in Zukunft tun. Wir sind nicht rassistisch und auch nicht die Cagliari-Fans."

Fans von Inter Mailand erklären Lukaku Rassismus

Weiter erklären die Fans, dass Lukaku Rassismus falsch definiert und so bei der "Unterdrückung aller Fußballfans" hilft: "Wenn Sie erklären, dass Rassismus ein Problem ist, das in Italien zu bekämpfen ist, helfen Sie nur bei der Unterdrückung aller Fußballfans, einschließlich uns, und Sie tragen dazu bei, ein Problem zu schaffen, das nicht wirklich da ist, nicht so, wie es in anderen Ländern wahrgenommen wird."

Der Brief endet mit dem Satz: "Italienische Fans sind vielleicht nicht perfekt und wir können Ihre Frustration über diese Ausdrücke verstehen, aber sie sind definitiv nicht als Rassisten gedacht." 

Quellen: "L'urlo della nord" auf Facebook, Romelu Lukaku auf Instagram, CNN, 11 Freunde.


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