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Borussia Dortmund: Lucien Favre entfacht mit missverständlichen Aussagen eine Trainer-Debatte

Lucien Favre sorgt mit missverständlichen Aussagen nach der Niederlage gegen die Bayern für Rätselraten - mal wieder. Dann rudert er zurück. Dennoch hat der BVB jetzt eine Trainer-Debatte.

Da wirke er noch entspannt: BVB-Trainer Lucien Favre vor dem Spiel gegen Bayern München

Da wirke er noch entspannt: BVB-Trainer Lucien Favre vor dem Spiel gegen Bayern München

DPA

Kaum war die schmerzhafte Niederlage gegen die Bayern im Meisterkampf besiegelt, pflegte Lucien Favre seinen Ruf für unerwartete Alleingänge. Das missverständliche "Sky"-Interview des Coaches unmittelbar nach dem schmerzlichen 0:1 (0:1) im Spitzenspiel gegen den FC Bayern entfachte wilde Spekulationen über seine Zukunft bei Borussia Dortmund. Vielerorts wurden die Aussagen als Kapitulation und Indiz für einen vorzeitigen Abschied gewertet. Auf die Frage, ob er Sorge vor einer neuerlichen Diskussion habe, kein Titel-Trainer zu sein, reagierte der Schweizer unwirsch: "Das sagt man hier seit Monaten. Ich lese nicht die Zeitung, aber ich weiß, wie es geht. Ich werde darüber sprechen in ein paar Wochen."

Bei einem Grübler wie Favre stimmen solche Aussagen nachdenklich, selbst wenn er sich nach ersten Aussagen eines Vereinssprechers falsch verstanden fühlt. Schließlich ist sein spektakulärer Abgang in Mönchengladbach im September 2015, als er die dortige Borussia nach sechs Pflichtspiel-Niederlagen zum Saisonstart überraschend und gegen den Willen der Vereinsführung verließ, noch in bester Erinnerung.

Lucien Favre rudert einen Tag später zurück

Zwar ruderte Favre einen Tag später zurück und korrigierte seine Aussagen: "An Aufgeben denke ich überhaupt nicht. Gestern waren wir alle enttäuscht, meine Worte im Interview direkt nach dem Spiel scheinen aber vielfach falsch verstanden worden zu sein", sagte er. Und weiter: "Was ich nur auf entsprechende Fragen hatte antworten wollen, war: Jetzt ist nicht die Zeit, um die Saison zu bilanzieren. Warum auch? Schon am Sonntag in Paderborn müssen wir wieder eine Top-Leistung schaffen. Darauf müssen wir uns konzentrieren, auf nichts anderes."

Dennoch hat der BVB nun eine Trainerdiskussion im Haus. Sie wurde sofort angeheizt durch Experten wie Lothar Matthäus, der fröhlich darauf los spekulierte und Gerüchte anheizte: "Ich habe mir gleich gedacht: Lucien Favre weg, Niko Kovac kommt. Das war mein erster Gedanke nach der Aussage gerade eben. Wahrscheinlich sucht Dortmund ab Sommer einen neuen Trainer."

Der BVB verspielt seine Meister-Ambitionen

Der Weltmeister von 1990 war nicht der einzige, der an ein nahes Ende der bisher knapp zweijährigen Amtszeit von Favre beim Revierklub glaubt. Die "Bild" sprang sofort auf und verwies auf angeblich monatelange Kontakte der BVB-Bosse zum ehemaligen Bayern-Coach Kovac, der besser "ins Malocher-Land Ruhrgebiet passe" als der vertraglich noch bis 2021 an die Borussia gebundene Schweizer.

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Diese von Favre selbst verursachte Debatte dürfte die Borussia nun bis zum Saisonende verfolgen. Nach dem Achtelfinal-Aus in der Champions League und im DFB-Pokal sowie dem 0:1 gegen die nun um sieben Punkte enteilten Bayern geht der mit großen Ambitionen in die Saison gestartete Revierklub wohl erneut leer aus. "Ich denke, damit sind alle anderen Mannschaften außer Bayern raus. Jetzt entscheiden nur noch die Bayern, ob sie es machen oder nicht"", kommentierte Abwehrchef Mats Hummels die folgenschwere erste Heimniederlage der Saison.

tis / Heinz Büse und Klaus Bergmann / DPA

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