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153 Tore "Lewandowski der 2. Liga": Simon Terodde stellt 34 Jahre alten Tore-Rekord ein

Simon Terodde von Schalke 04 klatscht in die Hände
Geriet nicht in Ekstase: Simon Terodde nach dem 3:0-Heimsieg des FC Schalke gegen Ingolstadt, bei dem er den ewigen Torrerekord der 2. Liga einstellte.
© Bernd Thissen / DPA
In der Bundesliga kam er nicht so recht an, doch in der 2. Liga ist er überragend: Simon Terodde von Schalke 04 hat den Torrekord der 2. Liga eingestellt. Er ist damit so etwas wie der Robert Lewandowski der 2. Liga. Auch der Bayern-Star hatte kürzlich erst einen "ewigen" Torrekord geknackt.

Im Fußball-Unterhaus ist er die derzeit größte Attraktion, für den FC Schalke die Hoffnung auf den Wiederaufstieg. Binnen weniger Wochen ist Neuzugang Simon Terodde beim zuletzt leidgeprüften Revierclub zu einer Kultfigur aufgestiegen. Nun ist dem 33 Jahre alten Angreifer zudem ein Ehrenplatz in den Zweitliga-Annalen sicher.

Es war die 77. Minute im Heimspiel gegen den FC Ingolstadt am Sonntag, als Dominick Drexler den Ball auf den völlig frei stehenden Terodde passte. Der musste nur noch zum historischen Treffer einschieben. Mit dem Tor zum 3:0 ist der Stürmer der Knappen mit dem bisherigen Rekordschützen Dieter Schatzschneider gleichgezogen, der von 1978 bis 1987 für Hannover 96 und Fortuna Köln traf und traf. 153 Tore stehen nun für beide zu Buche – und es gibt wenige Zweifel daran, dass Terodde im Laufe der Saison eine neue Bestmarke aufstellen.

Simon Terodde schießt fast alle Schalker Tore

Noch-Rekordhalter Schatzschneider kann den Verlust des über 34 Jahre alten Rekordes verschmerzen. "Simon ist ein guter Junge", sagte die 63 Jahre alte Vereinslegende von Hannover 96 in einem NDR-Interview. Schmunzelnd fügte er an: "Ich hoffe natürlich, dass Schalke aufsteigt. Nicht, dass er noch ein Jahr 2. Liga spielt, dann ist er bei 200 Toren. Das ist dann ein Rekord, der nie mehr zu knacken ist."

Die ablösefreie Verpflichtung des ehemaligen HSV-Profis Terodde in diesem Sommer erwies sich für den finanziell angeschlagenen Bundesliga-Absteiger aus Gelsenkirchen als Glücksgriff. Imposante elf der 15 bisherigen Saisontreffer des Teams gehen auf sein Konto. Dass es neben Terodde mit Marius Bülter (3), Dominick Drexler (1) und Thomas Ouwejan (1) nur drei weitere Torschützen gibt, stimmt Trainer Dimitrios Grammozis allerdings nachdenklich: "Es geht um das große Ganze. Ein Terodde reicht nicht. Ich wünsche mir mehr Torschützen."

Schalke-Legende empfiehlt Terodde für Flick

Dennoch hätte der Coach sicher nichts dagegen, wenn Terodde zum vierten Mal nach 2016 (für den VfL Bochum), 2017 (für den VfB Stuttgart) und 2019 (für den 1.FC Köln) Zweitliga-Torschützenkönig würde. Den großen Torhunger des Routiniers beschrieb er unlängst in schon fast poetischen Worten: "Simon braucht das Geräusch des Netzes."

Der einstige Schalker Mittelstürmer Klaus Fischer – mit 268 Treffern immer noch Nummer 3 der ewigen Bundesliga-Toschützenliste – empfahl Terodde kürzlich gar für die Nationalmannschaft. "Das müsste doch möglich sein. Bei der Euro in diesem Jahr haben acht Viertelfinalisten einen festen Mittelstürmer in ihrer Stammelf gehabt", sagte der WM-Zweite von 1982 den "Ruhr Nachrichten". Dass der Hochgelobte seine weitaus meisten Treffer in der 2. Liga erzielte und sich im Fußball-Oberhaus meistens schwertat, sieht Fischer nicht als Hinderungsgrund: "Hätte Simon in der Bundesliga in einer Spitzenmannschaft gespielt, hätte er seine Tore gemacht, weil er gute Vorbereiter braucht", glaubt Fischer.

"Wir brauchen Simon zu 100 Prozent"

Dennoch ist es kaum vorstellbar, dass Bundestrainer Hansi Flick der Empfehlung folgen wird. Doch allein der Vorschlag Fischers ist Ausdruck der großen Wertschätzung, die Terodde auf Schalke genießt. Der im nur gut 50 Kilometer von Gelsenkirchen entfernten Bocholt geborene Profi hat die DNA des Clubs vom ersten Tag an verinnerlicht. "Man sieht, dass er sich sehr wohlfühlt auf Schalke. Er ist mit ganzem Herzen dabei, schon seit dem ersten Gespräch, das ich vor seiner Verpflichtung mit ihm hatte", lobte Grammozis.

Ähnlich wie der Coach der Königsblauen hofft auch Sportvorstand Peter Knäbel, dass die Tore von Terodde dem Traditionsclub aus dem Ruhrpott den Weg zurück in die Bundesliga ebnen. Nicht zuletzt deshalb kann er dem Vorstoß von Fischer wenig abgewinnen: "Wir brauchen Simon hier zu 100 Prozent. Ich denke, dass wir in Deutschland genügend Stürmer haben, die es verdienen, in der Nationalmannschaft zu spielen."

So dominant wie Lewandowski in der Bundesliga

Spätestens mit dem Knacken des Uralt-Rekordes von Dieter Schatzschneider ist Terodde zu einer Art "Robert Lewandowski der 2. Liga geworden". Der schier unstillbare Torhunger eint die beiden Stürmer ebenso wie die Treffsicherheit – wenn auch auf unterschiedlichen Ebenen. Erst im vergangenen Jahr hat auch Bayern-Superstar Lewandowski einen Uralt-Rekord geknackt. Er übertraf den Torrekord von 40 Treffern in einer Saison, den Gerd Müller 1972 aufgestellt hatte, um ein Tor. Um Müller auch den ewigen Torrekord der Bundesliga zu entreißen, braucht Lewandowski noch rund 80 Tore.

dho DPA

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