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Neunte Etappe: Winokurow siegt - Beloki schwer gestürzt

Tour-Drama auf der letzten Alpen-Etappe: Während der Telekom-Profi Alexander Winokurow zum Sieg fuhr stürzte Beloki schwer und zog sich vermutlich einen Beckenbruch zu.

Lance Armstrong hat heute die Alpen trotz einer unfreiwilligen Querfeldeinfahrt im Gelben Trikot verlassen. Doch scheint der vierfache Toursieger den Nimbus der Unantastbarkeit verloren zu haben. Diesen Eindruck hinterließ der Spitzenreiter der 90. Tour de France auf den ersten drei Berg-Etappen, auf denen Jan Ullrich nur am Vortag in L' Alpe d'Huez 1:24 Minuten auf den Texaner einbüßte. Seine Magenprobleme schienen heute vergessen.

Auf der 9. Tour-Etappe am französischen Nationalfeiertag über 184,5 Km von Bourg d'Oisans nach Gap feierte der Telekom-Profi Alexander Winokurow (Kasachstan) seinen ersten Etappenerfolg im Alleingang - 36 Sekunden vor Paolo Bettini, Armstrong und Ullrich. Im Gesamtklassement rückte er auf Rang zwei (21 Sekunden hinter Armstrong) und kam damit seinem vorhaben, in Paris aufs Treppchen zu kommen, einen Schritt näher.

Schwerer Sturz für Beloki

Auf der Verfolgung von Winokurow war der Vorjahres-Zweite Joseba Beloki (Spanien) unmittelbar vor Armstrong in einer Kurve schwer gestürzt. Der Texaner konnte mit Mühe ausweichen und fuhr in Querfeldein-Manier über ein Feld in einem großen Bogen wieder auf die Strecke. Beloki wurde mit Verdacht auf Beckenbruch ins Krankenhaus gebracht. Durch diese ungewöhnliche Unterbrechung in der Verfolgung drohte Winokurow, vor der Tour Gewinner der Tour de Suisse, am Ende keine Gefahr mehr auf dem Weg ins glühend heiße Gap. "Das war von mir ein Überlebensreflex, über das Feld zu fahren", sagte Armstrong. "Ich hatte Panik."

Der 26-jährige Jörg Jaksche, im dritten Jahr bei Once, setzte heute seine Topleistungen bei der Jubiläums-Tour fort. Als zweitbester deutscher hinter Ullrich rangiert er zwar nicht mehr unter den Top-Ten, weil er mehrere Minuten beim gestürzten Team-Kollegen Beloki am Straßenrand stehen blieb, stand auf der 9. Etappe aber oft im Mittelpunkt. Auf der letzten Alpen-Etappe wurde er von seinem Teamchef Manolo Saiz schon früh zum Attackieren auf die Reise geschickt und fuhr dabei eine Zeit lang - zumindest virtuell - im Gelben Trikot.

Aus der Armstrong-Gruppe attackiert

"Was ich heute geleistet habe, war sicher ganz gut. Aber das mit Beloki ist ein Schock für unser Team. Das trifft uns tief", sagte Jaksche, der seine Chancen um einen Spitzenplatz einbüsste. "Auf solch einen Erfolg bei der Tour habe ich lange warten müssen - ich bin glücklich", freute sich Winokurow, der 10 km vor dem Ziel aus der Armstrong-Gruppe heraus attackiert hatte.

Auf der ersten von vier Steigungen hatte der Ansbacher zusammen mit Ullrich-Helfer Aitor Garmendia (Spanien) und anderen eine Spitzengruppe gebildet. Auf dem 2.360 Meter hohen Izoard hatte die Gruppe schon nach der Hälfte der Gesamt-Distanz so viel Vorsprung, dass Jaksche, der sich in der Höhe von St. Moritz auf die Tour vorbereitete, theoretisch an der Spitze lag. 52 Kilometer vor dem Ziel hatte die Gruppe einen Vorsprung von 6:15 Minuten auf das Hauptfeld, an dessen Spitze Armstrongs US-Postal-Mannschaft auf das Tempo drückte. Das führte fast zum Erfolg aus Armstrong-Sicht. Die Ausreißer fielen schließlich zurück. Dann schlug die Stunde von Winokurow.

Armstrong: "Ich bin nicht mehr so stark"

"In Gelb gegen alle", hatte heute die "L'Equipe" getitelt und damit die Situation des vierfachen Toursiegers Armstrong beschrieben, der sich auf der "Königsetappe" nach L'Alpe d'Huez einer Allianz von Gegnern wie noch nie gegenüber sah. Dabei machte der Texaner nicht mehr den souveränen und unantastbaren Eindruck der vergangenen Jahre und hatte selbst zugegeben: "Ich bin nicht mehr so stark wie sonst und hätte mir vorher nicht träumen lassen, so zu leiden wie heute."

Auf dem Weg zum fünften Sieg in Folge verlief der Tourstart für den geheilten Krebspatienten nicht unbedingt planmäßig: Zu Beginn der Tour quälte er sich mit Magenproblemen und laborierte weiter an Rückenproblemen, die ein Sturz bei der Tour-Generalprobe Dauphiné Libéré verursacht hatte.

Ergebnis, 9. Etappe, Bourg d'Oisans - Gap (184,5 km):

1. Alexander Winokurow (Kasachstan) 5:02:00 Stunden
2. Paolo Bettini (Italien) + 0:36 Sekunden
3. Iban Mayo (Spanien)
4. Lance Armstrong (USA)
5. Jan Ullrich (Scherzingen/Schweiz)
6. Ivan Basso (Italien)
7. Georg Totschnig (Österreich)
8. Francisco Mancebo (Spanien)
9. Heimar Zubeldia (Spanien)
10. Tyler Hamilton (USA)

Gesamtwertung, nach der 9. Etappe:

1. Lance Armstrong (USA) 40:15:26 Stunden
2. Alexander Winokurow (Kasachstan) + 0:21 Minuten
3. Iban Mayo (Spanien) + 1:02
4. Francisco Mancebo (Spanien) + 1:37
5. Tyler Hamilton (USA) + 1:52
6. Jan Ullrich (Scherzingen/Schweiz) + 2:10
7. Ivan Basso (Italien) + 2:25
8. Roberto Heras (Spanien) + 2:28
9. Heimar Zubeldia (Spanien) + 3:25
10. Denis Menchow (Russland) + 3:45
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18. Jörg Jaksche (Ansbach) + 7:05

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