Ein Biss in den Apfel oder ein kleiner Schluck Milch genügt, und der Körper spielt verrückt: Betroffene leiden unter Kopfschmerzen, Erbrechen oder Atemnot, manche erleiden sogar einen Schock. Doch nicht jede Unverträglichkeit ist eine Allergie.

Allergiker vertragen heimische Obstsorten besser als neue Züchtungen© Streusel/Photocase.com
Nahrungsmittelallergien gehören zu den häufigsten allergischen Erkrankungen im Kindesalter. Aber auch bei Erwachsenen gewinnen sie an Bedeutung: Immer mehr Pollenallergiker vertragen aufgrund von Kreuzreaktionen auch viele Lebensmittel nicht mehr. Allerdings glauben zehnmal so viele Menschen, an einer Nahrungsmittelallergie zu leiden, als es tatsächlich der Fall ist.
Nicht alle bilden sich ihre Symptome ein. Eine ganze Reihe von Unverträglichkeiten wird fälschlich als Allergie angesehen, zum Beispiel die Milchzucker- oder die Gluten-Unverträglichkeit. Diese Reaktionen zählen zu den allergieähnlichen Erkrankungen, auch Pseudoallergie genannt.
Bei einer echten Allergie ist das Immunsystem beteiligt: Der Kontakt mit dem Auslöser hat den Körper - irrtümlich - sensibilisiert und Antikörper bilden lassen. Kommt es zu einem erneuten Kontakt mit dem Nahrungsmittel, werden die Beschwerden sofort ausgelöst. Typischerweise reichen schon kleine Mengen aus, um die Symptome immer wieder hervorzurufen. Die Beschwerden, die Nahrungsmittelallergiker haben können, sind sehr vielfältig und reichen von Hautquaddeln und Hautrötung über Schnupfen, Atemnot, Erbrechen und Durchfall, Kopfschmerzen bis hin zu schweren Kreislaufbeschwerden und einem lebensbedrohlichen allergischen Schock.
Nahrungsmittelallergien machen sich oft schon in den ersten Lebensmonaten und -jahren bemerkbar. Werden der Darm und das Immunsystem von kleinen Kindern relativ früh mit fremden Eiweißen konfrontiert, kann sich bei erblich vorbelasteten Kindern eine Allergie entwickeln. "Das noch unreife Immunsystem ist gerade dabei zu lernen, welche Eiweiße zum eigenen Körper gehören und welche schädlich sind und abgewehrt werden müssen. Kommen in diesem Prozess zu früh große Eiweißmoleküle ins Spiel, stuft der kindliche Darm die Proteine fälschlicherweise als gefährlich ein und entwickelt dagegen eventuell IgE-Antikörper", erklärt der Allergologe Thomas Werfel aus Hannover. Bei Erwachsenen sind es vor allem die Heuschnupfengeplagten, die auch auf Nahrungsmittel reagieren. Sie vertragen dann keine Nahrungsmittel mit ähnlichen Strukturen wie die Pollen. Dazu zählen vier bis fünf Prozent der Erwachsenen. Eine behandlungsbedürftige Kreuzallergie mit stärkeren Beschwerden als dem typischen Kribbeln im Mund haben aber nur zwei bis drei Prozent.
Die echten IgE-vermittelten Nahrungsmittelallergien sind an die sogenannte Atopie gekoppelt. Jeder dritte aus der Bevölkerung ist Atopiker und erblich vorbelastet. Das heißt, er besitzt ein höheres Risiko, eine Allergie zu entwickeln. Gewöhnlich werden bei den Atopien nur Heuschnupfen, Asthma und Neurodermitis genannt, die Nahrungsmittelallergien aber oft vergessen. Sie sind zwar sehr heterogen, gehören jedoch zu den atopischen Erkrankungen.