Am Anfang war BMW. Die Bayern bauten in den 30er Jahren ein Motorrad, R71 genannt. Mehr als 70 Jahre später läuft es immer noch vom Band: In China unter dem Namen "Yangtze" - wie das Original robust und elegant. Äußerlich. Matthias Schepp

Sauber und heile: Unsere vier Maschinen vor der Abfahrt in Peking© Gerd George
Unsere Motorräder verströmen den Charme einer in die Jahre gekommenen Schönheit. Überall, wo wir halten, strömen die Menschen zusammen, um die Chang Jiang, einen Nachbau der BMW R71 zu bewundern. Tatsächlich sind unsere Maschinen in den vergangenen Jahren in China gebaut worden, sie sehen aber immer noch aus wie ihre Vorgänger aus den 30er Jahren: robust und elegant zugleich. Der 26 PS starke Boxermotor hängt in einem Korsett aus schwarzen Eisenrohren, die prächtig mit den verchromten Teilen harmonieren, der Lampeneinfassung, den Auspuffrohren und dem Armaturenrahmen.
Die alte Lady hat Charakter und rückt die Wahrheit über sich selbst nur stückchenweise heraus. Sie gehorcht lange nicht jedem Befehl und wirft mitunter den Fahrer übellaunig vom Hartgummisattel, zum Beispiel in zu schnell gefahrenen Rechtskurven, in denen der Beiwagen plötzlich ohne Vorwarnung abhebt wie ein startendes Flugzeug. Der Ruf der Dame ist denkbar schlecht. Sie zeichne sich durch einen "völligen Mangel an Qualität, krassen Fehlern in den wichtigen Motorteilen und die Verwendung von Metalllegierungen aus, die nicht einmal für die Bierdosenherstellung benutzt werden sollten", urteilt Motorcycle Online.
Trotzdem hat die Schöne in der ganzen Welt viele Liebhaber. Mehrere Millionen Kräder wurden bis heute produziert. Über ihre Vergangenheit schweigt sie sich aber gerne aus. Schließlich schaffte sie es, hintereinander dem Dreigestirn der schrecklichsten Diktatoren des 20. Jahrhunderts zu dienen: Hitler, Stalin und Mao.
Das Roadbook "Rauf auf die Maschine", heißt es vom 5.Juni bis 6. Juli. Peking - Moskau - Berlin, diese Strecke soll auf vier chinesischen CJ 750 zurückgelegt werden, einem Motorrad entwickelt in den dreißiger Jahren. stern.de verfolgt die 23 Etappen dieser Reise hautnah mit. Nach dem Start in Peking informiert ein bebildertes Tagebuch über Fahrt, Pannen und Strapazen von Fahrern und Maschinen.