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23. Januar 2009, 08:25 Uhr

Goldene Geschäfte mit dem wilden Leben

Krise? Die Motorradmarke Harley-Davidson kennt dieses Wort nicht. Diese Bikes sind in Deutschland Kult - bei Männern im besten Alter und mit besten Einkommen. Und sie werden nicht allein zum Fahren gekauft. Von Peter Ilg

Harley-Davidson, Bikes, Kult, Custom

Marissa Miller wirbt für den Kult auf Rädern© Harley Davidson

Harley-Davidson, das sind zwei Zylinder, viel Chrom und ohrenbetäubender Lärm. Die Kultmotorräder aus Amerika stehen noch immer für den Traum vom wilden Leben wie im Film "Easy Rider". Einen Traum, den sich - Krise hin, Krise her – immer mehr Deutsche erfüllen.

Eigentlich verlief die Saison 2008 für die Motorradindustrie in Deutschland schlecht. Der Absatz von Krafträdern ging in den ersten neun Monaten des Jahres gegenüber dem Vergleichszeitraum 2007 um 7,4 Prozent zurück. Nur Harley-Davidson konnte durchstarten. Von Januar bis September wurden 20 Prozent mehr Harleys an den Biker gebracht als im gleichen Zeitraum 2007. Nach BMW, Honda, Suzuki und Yamaha belegt der frühere Nischenanbieter Harley-Davidson nun Platz fünf im Ranking der am meisten verkauften Maschinen in Deutschland. Bernhard Gneithing, Marketing Direktor bei Harley-Davidson in Deutschland, kennt den Grund für den Erfolg der Marke: "Unsere Motorräder sind mehr Weltanschauung als Transportgerät."

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Kuhrt auf dem stählernen Jungbrunnen© Peter Ilg

Jungbrunnen in der Lebensmitte

Einer der Harley-Fans ist der Geschäftsführer der Kölnmesse, Oliver P. Kuhrt. Der 46-jährige gesteht: "In mir schlummerte der Wunsch, die Jugend aufleben zu lassen, und ich wollte als Motorradfahrer die europaweit größte Motorradmesse Intermot nach Köln zurückholen", begründet er den Kauf seiner Softail Deluxe. Das berufliche Kalkül ist aufgegangen. Die Messe war nach München abgewandert und findet nun wieder in Köln statt. Seine Softail präsentierte der Manager an Ostern seiner Frau. Dass Kuhrts bessere Hälfte über den dem Metall gewordenen Jugendtraum des Ehemannes nicht sonderlich glücklich war, hat Kuhrt nicht überrascht: "Wir haben zwei Töchter, zwei und drei Jahre alt. Und wenn sich der Vater in seiner Freizeit aufs Motorrad setzt, trägt das nicht gerade zur Euphorie bei. Die Gattin denkt da zuerst an die Gefahren auf zwei Rädern."

Weil eine Harley-Davidson aber eher für gemütliches Cruisen als Rasen gebaut wird, war die dicke Luft rasch verflogen. "Inzwischen ist meine Frau sogar schon einige Male mitgefahren", freut sich Kurth. Im Image der Motorradmarke "Harley" schwingt immer der Rockerkult mit, in Wirklichkeit ist eine Harley aber alles andere als ein "Bad Bike". Im Vergleich mit dem Kult um extreme Hochgeschwindigkeitsmotorräder steht ihr gemütliches Blubbern für risikoarme Freizeitgestaltung.

Solide und zuverlässig

Zusätzlich sitzt man auf einem der zuverlässigsten Zweiräder der ganzen Welt. Ein Dauertest der Fachzeitschrift "Motorrad" hat das Vorurteil widerlegt, eine Harley-Davidson sei ein Schrauber-Motorrad, dessen Technologie sehr anfällig und unzuverlässig ist. Ursprünglich waren die Harleys grundsolide und fast unzerstörbar, daher sind sie auch weltweit bei der Polizei im Einsatz. "Unseren schlechten Ruf haben wir uns in den 1970er Jahren eingehandelt, als Harley-Davidson dem Mischkonzern AMF angehörte, der sich mit Motorrädern nicht auskennt", sagt Marketingmann Gneithing. "Seit 1981 ist die Marke wieder eigenständig, und die Qualität steigt seitdem permanent an." Ihren Höhepunkt erreichte sie im 50.000-Kilometer-Dauertest von "Motorrad". Hier erzielte eine Road King das beste Ergebnis aller Dauertests und setzte sich vor die Mitbewerber in Sachen Verschleiß, Zuverlässigkeit und ganz besonders bei der Fahrfreude.

Wertanlage "Motorrad"

Ein Lied, dass auch Oliver P. Kuhrt anstimmt: "Es gibt nichts schöneres, als mit offenem Visier durchs bergische Land zu cruisen und die Stimmung mit allen Sinnen aufzunehmen", schwärmt er. Seit er selbst auf einer Harley-Davidson unterwegs ist,hat er mitbekommen, wie viele Bekannte dieselbe Marke fahren. "Durch die Maschine rutscht man in eine Gemeinschaft rein, mit der man vorher nichts zu tun hatte oder sie nicht wahr nahm. Plötzlich steht man vor einem Geschäftskollegen oder einem Nachbarn und staunt: Ach, Sie fahren auch eine?" Für Kuhrt war es die einzig richtige Entscheidung, eine Harley-Davidson zu kaufen. Seine Alternative wären Aktien gewesen. "Das Geld wäre jetzt futsch. Wenn ich aber meine Maschine ordentlich pflege, steigt sie sogar im Wert." Auch darin unterscheidet sich das Kult-Bike deutlich von anderen Motorrädern.

Harley-Davidson-International Die weltweite Wirtschaftsflaute bremst auch den legendären Motorrad-Hersteller Harley-Davidson aus. Im vierten Quartal fiel der Umsatz um 6,8 Prozent auf 1,29 Milliarden Dollar. Der weltweite Absatz von Harley-Motorrädern ging um 13,1 Prozent zurück. Nach den US-Bürgern sollen sich nun auch die Verbraucher in Europa bei den teuren Maschinen spürbar zurückhalten.

Von Peter Ilg
 
 
KOMMENTARE (10 von 11)
 
Knuffiman (25.01.2009, 11:36 Uhr)
Halodri73
klar, jedem wie ers mag. ist aber eine sache der grundeinstellung zum thema.
der eine bewegt sich schon immer auf 2 rädern in der allen bekannten reihenfolge - fahrrad-mofa-krad- und dann motorrad und es gehört zum leben, oder der andere machts weils schick ist. typus eisdielen-cruiser mit fransenjacke und ray ban. ist für mich ein unterschied
StefanKomarek (23.01.2009, 16:13 Uhr)
Ja, was denn nu?
Stern online:
Goldene Geschäfte mit dem wilden Leben
Krise? Die Motorradmarke Harley-Davidson kennt dieses Wort nicht.
Spiegel online:
Harley-Davidson streicht 1100 Jobs
Desaströse Bilanz für Harley-Davidson: Der Gewinn des Chopper-Bauers hat sich im Winterquartal 2008 mehr als halbiert. Jetzt will das Unternehmen kräftig sparen - und Arbeitsplätze abbauen.
Und was schreibt der Focus? Ksnn msn nicht mal vorher recherchieren? Dazu gehören weniger die Werbeprospekte als die Bilanzen.
leimspanien (23.01.2009, 15:20 Uhr)
jeder hat ja recht
allerdings, stelle mal deine Enduro ins Wohnzimmer,was Du dann mit deiner Holden Erleben wirst.???
DerDa (23.01.2009, 12:59 Uhr)
würg
"Sie kaufen nicht das Motorrad, sondern das drumher rum." (oder so ähnlich ein werbeslogan von HD) ;-) jau es lebe der Massen individualismus (was ein Wort) GRÖÖÖHHHLL isch schmeiß misch wesch!!!
acitapple (23.01.2009, 11:45 Uhr)
freiheit ?
sorry, aber seit wann ist die freiheit auf 2 rädern den harley vorbehalten ??? gerade solche artikel fördern dieses klischee aus einer zeit, in der es noch nicht viele unterschiedliche motorradtypen gab. viel blingbling und bumbum... schön zum geradeaus fahren, aber sonst? aus fahraktiver sicht nicht gerade die krönung des motorradbaus. für mich bedeutet diese "freiheit" eben auch, vor feldwegen usw. nicht kapitulieren zu müssen. daher sehe ich die enduros als freiheitswerkzeug - nur meine persönliche meinung.
aber nicht falsch verstehen, jedem das seine. mag ja sein, dass der zahnarzt auf seiner harley vorm eiscafe schon die grosse freiheit spürt. egal welches mopped, es ist auf jeden fall eine schöne abwechslung zum alltag, nicht wahr. und schön aussehen tun die harleys ja, das kann man ihnen nicht nehmen.
emeinung (23.01.2009, 10:54 Uhr)
Die Sache mit der Freiheit...
Wer eine HD fahren will, soll eine fahren, ich gönne es jedem, ob arm oder reich! Für mich selbst sind diese Maschinen nix, ich bin kein Harley- oder Chopper-Typ, die besondere Freiheit des Bikers kann ich auch auf meiner normalen Straßenmaschine genießen, die hat nicht der HD-Fahrer allein! Die Harleys sind schön anzusehen, verleihen vielleicht auch ein andersartiges Fahr-Feeling, aber sportlich sind sie gerade nicht. Auf mich wirken sie eher wie Altherrendampfer.
Halodri73 (23.01.2009, 09:44 Uhr)
@all
Warum ist es uns nicht egal, wer sonst noch eine Harley fährt? Wieso soll der Zahnarzt seinen sterilen Jugendtraum nicht fahren? Ein Porsche gefällt mir ja auch obwohl ein Haufen Schwachköpfe einen fahren.
Ich fahre lieber lasende Leisschüsseln, aber einfach, weil mir Harleys nicht gefallen. Ich gönne jedem seine Maschine, auch wenns ne uralte Tomcat ist ( war jetzt nur geraten@knuffimann).
Grade wir Biker sollten tolerant sein, auch gegenüber dem Anwalt auf der Harley...
( auch wenn - zugegeben - lästern schöner ist!)
leimspanien (23.01.2009, 09:42 Uhr)
34 Jahre Harley - Davidson
bin mit 5 verschiedenen Harley,s seit 1974 insgesamt ueber 250.000 Kilometer in Europa und in den Suedstaaten der USA gefahren.Ich habe jeden Kilometer genossen.Mit Pauschalreisen haette ich keine Chance gehabt, auch nur annaehernd soviele Menschen und Laender kennen zu lernen.Meine Frau war die meisste Zeit mit ihrer Sportster mit dabei.
Klaus Leim,Ehrenpraesident H-DCD e.V
Dylan1941 (23.01.2009, 09:33 Uhr)
Für Anwälte,Zahnärzte und weitere wilde Typen
Mit Kult hat das Bike für mich schon seit 15 Jahren nix mehr zu tun.
Im Gegensatz zu manch BMW Tourer der durch ganz Europa fährt, knattern bei HD gerne Zahnärzte & Anwälte im piekfeinen und sauberen Lederdress mit klinisch sauberen Mopeds zum nächsten Eiscafe um dort vor anderen Ihre Freiheit mit einer HD zu genießen !
Knuffiman (23.01.2009, 09:18 Uhr)
jo,
kann ich nachvollziehen leide mit ihnen. eigentlich wäre dieses jahr zu meinem 50ten, nach 21 jahren mit meiner GPZ, eine angedacht gewesen.
hatte ich ich mir sehr lange schon vorgenommen, aber ich kann mich mit diesem umfeld beim besten willen nicht mehr identifizieren.
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