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Zucker schädigt schleichend

Unterzuckerung

Zu viel Zucker im Blut heißt: Diabetes. Doch zu wenig Zucker ist auch nicht gesund, denn dann kann der Körper unterzuckern. Als unterzuckert gilt ein Mensch, wenn er weniger als 2,7 Millimol Zucker pro Liter Blut (50 Milligramm pro Deziliter) hat. Das entspricht etwa einer Messerspitze Zucker in einem Liter Blut.

Menschen mit Diabetes können unterzuckern, weil sie vielleicht zu viel Insulin gespritzt haben oder weil sie eine zu hohe Medikamentendosis eingenommen haben. Möglicherweise liegt es auch am Sport: Manche Zuckerkranke bedenken nicht, dass der Körper bei Bewegung - oder auch bei Stress - viel mehr Zuckerenergie verbraucht als normalerweise, und verringern daher ihre Insulindosis nicht.

Wer Medikamente einnimmt, die den Wirkstoff Glibenclamid, Glimepirid oder Repaglinid enthält, kann ebenfalls unterzuckern. Das kommt bei einem Patienten einmal alle ein bis zwei Monate vor. Wenn sich der Harnzuckerstreifen nach einer Hauptmahlzeit nie verfärbt, der Blutzuckertest immer unter 10 Millimol pro Liter (180 Milliliter pro Deziliter) liegt oder der Langzeitwert HbA1c unter 48 Millimol pro Mol (6,5 Prozent), sollten Betroffene mit ihrem Arzt sprechen, ob sie überhaupt noch ein Medikament zur Blutzuckersenkung benötigen.

Wer ausschließlich Diabetestabletten nimmt, die Metformin oder Acarbose enthalten, kann nicht unterzuckern. Für die sogenannten DPP4-Hemmer - Stoffe, deren chemische Namen auf Gliptin enden - sind Unterzuckerungen nur in seltenen Fällen beschrieben.

Anzeichen für Unterzuckerung sind ein pelziges Gefühl um den Mund herum, möglicherweise ein Kribbeln in den Fingern und Lippen, Nervosität und ein zittriges Gefühl. Auch Schweißausbrüche und Herzrasen sind Hinweise, gepaart mit Heißhunger.

Irgendwann ist der Blutzuckerspiegel so niedrig, dass die Gehirnzellen fast keine Energie mehr geliefert bekommen und anfangen, langsam abzuschalten. Dann fällt es schwer, sich zu konzentrieren. Das Sprechen fällt schwer, Betroffene lallen mitunter, verschlucken ganze Wortsilben. Hält die Zuckernot weiter an, folgt Bewusstlosigkeit.

Erste Hilfe: Traubenzucker oder Limonade

Damit Sie nicht umkippen, sollten Sie schnell etwas unternehmen, wenn Sie die Unterzuckerung bemerken. Essen Sie vier kleine Tafeln Traubenzucker oder, noch besser, trinken Sie ein Glas Cola, Limonade oder gezuckerten Fruchtsaft. In Wasser gelöster Zucker gelangt schneller in den Körper.

Im Übrigen sollten Sie bei einer Unterzuckerung keine Light-Produkte zu sich nehmen. Solche Lebensmittel enthalten Süßstoffe oder Zuckeraustauschstoffe, die in diesem Fall nichts nützen. Sie brauchen echten Zucker.

Bei Ohnmacht: den Notarzt rufen!

Wenn ein Zuckerkranker bereits ohnmächtig ist, sollte er nichts mehr zu essen oder zu trinken bekommen: Bewusstlose können nicht mehr schlucken. Eine Zuckerlösung, oder schlimmer noch, ein Stück Traubenzucker kann bei einem tiefen Atemzug in den Kehlkopf oder in die Luftröhre gelangen und später eine Lungenentzündung hervorrufen. Stattdessen sollten Familienmitglieder oder Freunde den Bewusstlosen in die stabile Seitenlage bringen, und, falls nötig, enge Kleidung öffnen, damit er frei atmen kann. Anschließend sofort den Notarzt rufen!

Menschen mit Diabetes Typ 1 sollten zudem stets ein Notfall-Set bei sich tragen. Dazu gehört auch eine Glukagonspritze. Glukagon ist ein Hormon aus der Bauchspeicheldrüse, das den Körper anregt, Zucker aus seinen Speicherdepots freizusetzen. Das hebt den Blutzuckerspiegel wieder an. Glukagon sollte direkt in die Muskeln injiziert werden. Diese Notfallspritze können sich Zuckerkranke im Notfall jedoch nicht mehr selber geben. Daher ist es ratsam, Angehörigen oder Freunden rechtzeitig zu zeigen, wie sie mit einem Notfall-Set umzugehen haben.

Ein Vollrausch ist verboten!

Lebensgefährlich unterzuckern kann auch, wer mehr als zwei Gläser Alkohol trinkt. Wein, Bier und Hochprozentiges lassen zwar zunächst den Blutzuckerspiegel steigen. Doch gleichzeitig beschäftigt der Alkohol die Leber derart, dass sie zu nichts anderem kommt - auch nicht zu ihrer eigentlichen Aufgabe: aus ihren Speichern Zucker zu holen und ihn ins Blut abzugeben.

Weil dem Körper dieser Zucker aus der Leber fehlt, droht Unterzuckerung. Wer zu viel trinkt, riskiert ohnmächtig zu werden und im schlimmsten Fall heftige Krampfanfälle zu bekommen. Vor allem das Gehirn leidet unter dem Zuckermangel. Denn es ernährt sich ausschließlich von Zucker. Fett aus den Reserven des Körpers kann es nicht verbrennen.