Durch die Apps hat Apple seine eigene Internetwelt erschaffen, und allein der Konzern aus Kalifornien bestimmt deren Gesetze. Mehr als 70 Prozent des Online-Musikmarkts kontrolliert das Unternehmen bereits in den USA, mit dem iPad will Jobs nun auch das Zukunftsgeschäft mit Büchern und Zeitungen, Videos und Software unter seine Regie bringen - und selbstverständlich an allen Inhalten kräftig mitverdienen.
Erstaunliche 7,7 Millarden Dollar operativen Gewinn hat Apple im vergangenen Geschäftsjahr eingefahren und damit trotz weltweiter Rezession um 22 Prozent zugelegt, sagenhafte 40 Millarden Dollar hat die Firma auf der hohen Kante, genug, um nahezu jedes gewünschte Unternehmen zu kaufen.
Innerhalb von zehn Jahren hat der einstige Nischenanbieter seinen Marktwert nahezu verzehnfacht. Jobs, der freundlich-geniale Herr im schwarzen Rollkragenpullover, wird langsam übermächtig. Und unheimlich. "Apple nimmt mit dem iPad den ganzen Markt der Unterhaltung und Information ins Visier", warnt der Unternehmensgründer, Buchautor und Experte für soziale Netzwerke, Ibrahim Evsan. "Wer Apple unterschätzt, verliert schnell den Anschluss an die digitale Welt."
Für Apple ist die Wandlung vom Kultkonzern zur monopolähnlichen Machtmaschine selbst nicht ganz ungefährlich. Maßstab und Mahnung zugleich ist ausgerechnet der inzwischen geradezu verhasste Rivale Google.
Das rasante Wachstum der vergangenen Jahre und vor allem das scheinbar unstillbare Verlangen nach persönlichen Daten aller Art machten aus der sympathischen Suchmaschine in den Augen vieler Internetnutzer eine gierige Informationskrake, die sich anschickt, unsere ganz private Welt zu beherrschen. "Don't be evil - sei nicht böse" lautet das zuletzt oft angezweifelte Credo der Google-Gründer Sergey Brin und Larry Page. Mittlerweile fragen sich die Ersten: Wie böse könnte Apple werden?
Ende Januar bei der Vorstellung des iPad gab Steve Jobs persönlich schon mal einen Vorgeschmack. Wie üblich zelebrierte der Großmeister im voll besetzten Yerba Buena Center in San Francisco die Produktneuheit wie eine Messe in schwarzem Rolli, Jeans und Turnschuhen.
Früher pflegte er die mit Spannung erwartete Neuerung mit einem Augenzwinkern an den Schluss seines Auftritts zu stellen. "One more thing", da wäre noch eine Kleinigkeit. Nicht so diesmal.
Ohne Vorgeplänkel kommt der Boss zur Sache. Das iPad sei ein "wirklich magisches und revolutionäres Produkt". Und wie selbstverständlich reklamiert er den Führungsanspruch in der Branche für Apple: "Gemessen am Umsatz sind wir der größte Hersteller mobiler Geräte weltweit", verkündet er.
Hinter ihm auf der Leinwand erscheint das Apfel-Logo, die Signets von Nokia , Samsung und Sony verblassen. Unrecht hat er nicht, aber das Understatement ist weg. In den vergangenen fünf Jahren hat Apple seinen Umsatz auf rund 50 Millarden Dollar mehr als verfünffacht und den einstigen Branchenpionier Sony weit hinter sich gelassen.