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3. September 2007, 12:22 Uhr

Schock auf der Schachtel

Ein Bild sagt mehr als tausend Worte - im Kampf gegen das Rauchen fordern Politiker und die Deutsche Krebshilfe, abschreckende Bilder von Tumoren, Raucherlungen und anderen gesundheitlichen Rauchfolgen auf Zigarettenschachteln zu drucken. Andere Länder tun dies schon längst - mit Erfolg. Von Jens Lubbadeh

Mit abschreckenden Bildern auf den Zigarettenschachteln will die englische Regierung im Herbst 2008 starten© Department of Health UK

Tumoren am Kehlkopf, kaputte Lungen und Herz-OPs - zur Abschreckung vor den Gefahren des Rauchens fordern Politiker und die Deutsche Krebshilfe auch in Deutschland schockierende Bilder auf Zigarettenschachteln zu drucken. SPD-Gesundheitspolitiker Karl Lauterbach, die Gesundheitsstaatssekretärin Marion Caspers-Merk und die die Präsidentin der Deutschen Krebshilfe, Dagmar Schipanski, befürworten diese Maßnahme, die in anderen Ländern schon seit geraumer Zeit oder bald praktiziert wird - so zum Beispiel auch in England. Schipanski sagt der "Neuen Osnabrücker Zeitung", Deutschland solle dem Beispiel Großbritanniens und anderer Länder folgen. Studien hätten ergeben, dass 60 Prozent aller Raucher grundsätzlich bereit seien, das Rauchen aufzugeben. "Wenn dann beispielsweise das Bild eines Tumors den letzten Anstoß gibt, ist dieses Mittel durchaus geeignet", erklärte Schipanski.

Jüngst hatte die britische Regierung beschlossen, ab Herbst 2008 schockierende Bilder auf allen Tabakprodukten abzubilden. Sie zeigen die dramatischen gesundheitlichen Folgen des Rauchens: zum Beispiel von Krebs befallene Lungen, blutige Darstellungen einer Herz-OP, kaputtes Zahnfleisch, ein ekelerregender Halstumor und sterbende Babys.

Erstes EU-Land mit Schockbildern war Belgien

"Mit den drastischen schriftlichen Warnhinweisen auf den Schachteln haben wir bislang schon große Fortschritte erzielt", erklärte der britische Gesundheitsminister Alan Johnson. Die Motive zur Verfügung gestellt hatte die Europäische Kommission. Seit dem 1. Oktober 2004 hat sie ihren Mitgliedsstaaten die Möglichkeit eröffnet, die Bilder auf Tabakprodukten zu verwenden - allerdings nicht verpflichtend. Als erstes EU-Land war Belgien der Direktive der EU gefolgt und hatte 2004 die Bilder eingesetzt, doch zunächst nur auf Zigarettenschachteln. Darauf folgte Irland. Auch Lettland, Portugal, Rumänien und Finnland haben angekündigt, die Motive bald auf Tabakprodukten zu verwenden.

Bei ihren Forderungen berufen sich Lauterbach und Caspers-Merk auf Erfahrungen anderer Länder, in denen die Bilder bereits eingeführt wurden und Studien den Erfolg belegen sollen. Länder, die bildbasierte Warnungen auf Tabakprodukten eingeführt haben sind unter anderem Kanada, Australien, Neuseeland, Brasilien, Chile, Belgien, Schweiz, Hongkong, Indien, Thailand.

Am besten untersucht ist diese Art der Abschreckung in Kanada. Parallel zur Einführung der Abschreckbilder im Jahr 2001 ließ das kanadische Gesundheitsministerium die Resultate mit Studien regelmäßig überprüfen.

Die abschreckende Wirkung der Bilder ist in kanadischen Studien belegt worden© Department of Health UK

Im Detail brachte die jüngste Studie aus dem Jahr 2006 folgende Ergebnisse:

- 71 Prozent der erwachsenen Raucher sagten, dass sie die Warnungen als effektiv empfanden (im Jahr 2001 waren es noch 54 Prozent gewesen).

- 90 Prozent der Kanadier (90 Prozent erwachsende, 93 Prozent jugendliche Raucher) sagen, dass sie die Warnhinweise auf den Packungen wahrgenommen haben. Die Raucher (99 Prozent erwachsen, 98 Prozent jugendliche) betonen fast einstimmig, sich an die Bilder erinnern zu können (vorherige Studien ergaben fast ähnliche Resultate)

- Gefragt nach den Hinweisen, die am stärksten in Erinnerung geblieben sind, wurden folgende Motive am häufigsten genannt: Rauchen ist schädigend für den Embryo während der Schwangerschaft, hat geringes Geburtsgewicht des Fetus zur Folge, verursachtLungenkrebs. Bei den erwachsenen Rauchern war Impotenz und Lungenkrebs am stärksten im Gedächtnis haften geblieben

- Noch nach fünf Jahren konnten sich Raucher an bestimmte Bilder oder Grafiken erinnern. Am häufigsten an geschädigte Lungen, kaputte Zähne und schwangere Frauen mit Zigaretten

- 43 Prozent der Raucher und 40 Prozent der Nichtraucher sagten, dass sie im Zuge der Warnbilder besorgter um die Folgen des Rauchens sind

- 44 Prozent der Raucher sagten, dass ihre Motivation aufzuhören durch die Warnbilder gestiegen sei. 38 Prozent der Raucher, die 2001 versucht hatten, aufzuhören, sagten, die neuen Warnhinweise seien dabei ein Motivationsfaktor gewesen.

Die Raucherquote Kanadas sinkt seit Jahren (rote Balken). Der Prozentsatz jugendlicher Raucher sinkt - nach einem anfänglichen Anstieg - seit 1999 besonders© Health Canada/Canadian Tobacco Use Monitoring Survey

Anteil der Raucher Kanadas in Prozent (rote Balken - Gesamtquote, rosa: 15-19-Jährige, blau: 20-24-Jährige)

Vergleich der Raucher in Kanada 1999 (u) und 2006 (o): Nicht nur ist der Anteil der aktiven Raucher gesunken, auch die Zahl der täglichen Raucher unter den Rauchern ist kleiner geworden© Health Canada/Canadian Tobacco Use Monitoring Survey

Kanada hat eine der niedrigsten Raucherquoten weltweit

Im Gesamtergebnis scheinen sich die Warnhinweise positiv auszuzahlen: Kanada hat mit einer Raucherquote von 19 Prozent eine der niedrigsten weltweit. 2001, Im Jahr der Einführung der Abschreckungsbilder lag sie noch bei 24 Prozent, allerdings sind die Raucherquoten in Kanada seit Jahren rückläufig. Doch auffällig ist der Abfall bei den jugendlichen Rauchern zwischen 15 und 19 Jahren seit 1999. Und auch der Anteil der täglichen Raucher unter den Rauchern ging seit 1999 zurück.

Zum Vergleich die Raucherquoten einiger anderer Länder: USA 20,9 Prozent, Deutschland 27 Prozent, England 25 Prozent, Rumänien 57 Prozent, Türkei 55 Prozent, der EU-Schnitt liegt bei 34 Prozent.

Ob Deutschland dem Beispiel Englands und Kanadas folgt, könnte sich schon bald entscheiden. Nach Angaben der Staatssekretärin Marion Caspers-Merk werden erste Ergebnisse deutscher Wirkungsstudien für den Herbst erwartet. "Wir prüfen die Einführung derartiger Bilder, wenn wissenschaftlich nachgewiesen werden kann, dass diese Strategie erfolgreich ist", sagte die SPD-Politikerin.

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Von Jens Lubbadeh
 
 
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