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15. Dezember 2009, 13:47 Uhr

Staatsanwalt kritisiert Mannichl

Auch ein Jahr nach der Messerattacke auf den damaligen Passauer Polizeichef Alois Mannichl ist der Fall unaufgeklärt und mysteriös. Nun kritisiert Oberstaatsanwalt Helmut Walch im Gespräch mit stern.de Mannichl erstmals öffentlich - wegen seiner Kollegenschelte und zahlreicher Widersprüche. Von Rudolf Lambrecht und Klaus Wiendl

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Steht jetzt selbst in der Kritik: Passaus Polizeichef Alois Mannichl© Matthias Schrader/AP

Es war ziemlich genau vor einem Jahr: Am Abend des 13. Dezember 2008 stach ein Unbekannter den damaligen Passauer Polizeichef Alois Mannichl nieder - vor dessen Haus im Vorort Fürstenzell. Mannichl sei lebensgefährlich verletzt worden, hieß es damals. Neonazis hätten sich gerächt für Mannichls unerschrockenes, entschlossenes Auftreten. Der Mann war ein Held, ein Aufschrei ging durch das Land, der bayerische Innenminister eilte an Mannichls Krankenbett, eine Sonderkommission (Soko) ermittelte.

"Es ist der Zeitpunkt gekommen, sich zu wehren"

Allein: Die Fahnder fingen sie nicht, die Täter, die vermeintlichen Neonazis. Sie fingen überhaupt keinen Täter. Und der Fall wurde immer mysteriöser. Hinweise führten ins Nichts, Theorien, mal mehr mal weniger abstrus, schossen ins Kraut. Der Täter käme aus Mannichls familiärem Umfeld, wurde zeitweilig spekuliert, dann wurde überlegt, ob sich der Polizist den Messerstich selbst habe zufügen können, dann wurde alles wieder verworfen - und die Ermittler sahen sich erheblichen Vorwürfen - auch von Seiten Alois Mannichls - ausgesetzt, sie hätten bei dem Fall geschlampt. Erst am Wochenende erneuerte der 53-Jährige im Interview seine Kritik, die Ermittler hätten es versäumt, unter seinen Fingernägeln nach DNA-Spuren des Täters zu suchen. Auf diese Vorwürfe hat der Passauer Oberstaatsanwalt Helmut Walch nun reagiert. "Es ist der Zeitpunkt gekommen, sich zu wehren gegen den Vorwurf von Herrn Mannichl, die Ermittlungsbehörden hätten falsche Angaben gemacht und er sei deshalb in der Öffentlichkeit ins Zwielicht geraten. Es muss auch mal gesagt werden, dass sich Herr Mannichl bei seinen Vernehmungen nicht widerspruchsfrei verhalten hat", sagte Walch zu stern.de. Es ist die erste öffentliche Äußerung des Staatsanwalts, in der er direkt Bezug nimmt auf die Vorwürfe Mannichls, der mittlerweile zum leitenden Polizeidirektor und Chef der Verbrechensbekämpfung für den gesamten Bezirk Niederbayern befördert worden ist.

Schon länger ist bekannt, dass Mannichl sich immer wieder in Widersprüche verwickelte. Einer dieser Widersprüche betrifft die vermutliche Tatwaffe. Ein Küchenmesser, das Mannichl nach seiner Aussage Tage vor der Tat selbst in der Nähe der Eingangstür seines Hauses abgelegt hatte. Die Ermittler rätseln: Macht es Sinn, dass ein Täter in Tötungsabsicht zu Mannichl kommt und dann ein Messer benutzt, das er zufällig am Tatort findet? Oberstaatsanwalt Walch, der die Ermittlungen führt, nennt nun stern.de erstmals Details: "In den ersten Anhörungen und Vernehmungen hat Herr Mannichl gesagt, dass in Vorbereitung des Adventfestes Tische vor seinem Haus standen, auf denen Lebkuchen lagen." Da sei ein kleiner Junge vorbeigekommen, den er nicht gekannt habe. Der habe um einen Lebkuchen gebeten. Daraufhin habe Mannichl gesagt: "Der ist doch viel zu groß für dich, warte, ich hole ein Messer und schneide dir den Lebkuchen ab. Als er zurückgekommen sei, habe der Junge schon den ganzen Lebkuchen aufgegessen gehabt. Herr Mannichl habe dann das Messer bei den Lebkuchen auf dem Tisch liegen gelassen. So seine erste Einlassung. Die hat er auch in weiteren Vernehmungen wiederholt.

"Das sind unterschiedliche Einlassungen"

In einer Vernehmung im Januar habe Mannichl dann aber von dem Jungen nichts mehr erwähnt, so Walch, sondern angegeben, "dass ihm während des Festes ein schlampig abgebrochener Lebkuchen aufgefallen sei, worüber er sich geärgert habe. Dann habe er ein Messer aus dem Haus geholt, damit in Zukunft die Lebkuchen glatt abgeschnitten werden können. Das Messer habe er dann auf den Tisch gelegt. Beim Aufräumen sei alles ins Haus getragen worden, nur das Messer nicht. Das habe er auf das Fensterbrett gelegt."

"Zu dem Jungen lieferte Herr Mannichl keinerlei Beschreibung", so Walch. "Wir haben natürlich versucht, den Jungen zu finden. Das war dann aber hinfällig, als Herr Mannichl Anfang Januar das mit dem Jungen nicht mehr wiederholte. Das sind unterschiedliche Einlassungen."

Attentat auf den Passauer Polizeichef Der 53-Jährige Mannichl, seit Juni Niederbayerns ranghöchster Kriminalpolizist, war am 13. Dezember 2008 an der Tür seines Wohnhauses in Fürstenzell bei Passau niedergestochen worden. Der ehemalige Polizeichef beschrieb den Täter als kräftig und mit Glatze oder kurzem Haar.

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