. .
Panorama-Nachrichten
Schlagzeilen Themen Mobil iPad Blogs Investigativ Hefte
 
Fotocommunity
Fotocommunity

Treffpunkt für ambitionierte Amateurfotografie. Bilder hochladen und bewerten, sich mit anderen Austauschen. mehr...

Weblogs bei stern.de
Weblogs bei stern.de

Die Online-Tagebücher bei stern.de: Freie Autoren schreiben hier persönlich, direkt und eigenständig. mehr...

Information und Unterhaltung mit Steffen Hallaschka
sternTV - Information und Unterhaltung mit Steffen Hallaschka

Vertiefende Informationen zu der aktuellen und den vergangenen Sendungen von sternTV. mehr...

stern Investigativ
stern Investigativ

Das Recherche-Team des stern. Erfahren Sie mehr über die Recherchespezialisten und ihre Enthüllungen von Terrorismus bis Wettmanipulation. mehr...

 
28. April 2008, 11:46 Uhr

Polizei ermittelt gegen Schäfer

Nach dem ICE-Unglück in einem Tunnel bei Fulda wird gegen den Besitzer der Schafherde ermittelt - ihm wird ein fahrlässiger Eingriff in den Bahnverkehr vorgeworfen. Untersuchungen laufen auch gegen einen Lokführer des Tunnel-Rettungszuges. Er soll betrunken gewesen sein.

Die Bundespolizei hat gegen Schäfer Norbert Werner ein Strafverfahren eingeleitet© Boris Roessler/DPA

Nach dem Zusammenstoß eines ICE mit einer Schafherde in Deutschlands längstem Eisenbahntunnel bei Fulda ermittelt die Staatsanwaltschaft gegen den Halter der Tiere. Dabei gehe es um den Verdacht des fahrlässigen Eingriffs in den Bahnverkehr, sagte ein Sprecher der Behörde am Montag in Fulda. Bei dem Unglück, bei dem der ICE von Hamburg nach München mit Tempo 220 in die Schafherde gerast und entgleist war, wurden am Samstagabend 19 Menschen verletzt.

Die Ermittlungen konzentrierten sich auf die Frage, wie und warum die Schafherde auf die Gleise gekommen sei, berichtete eine Sprecherin der Bundespolizeidirektion in Koblenz. Bahnchef Hartmut Mehdorn kündigte unterdessen an, die Tunneleingangssicherungen, die an sich sicher seien, würden noch einmal angesehen. Nach Einschätzung des Bundesverkehrsministeriums wäre eine allgemeine Einzäunung der Zuggleise zur Verhinderung von Bahnunfällen "nicht sinnvoll".

Der Landwirt hat sich nach Ansicht des Schafzüchterverbands Hessen nichts vorzuwerfen. "Irgendjemand muss die Tiere von der Weide hoch zur Bahnlinie getrieben haben", sagte Landeschef Reinhard Heintz. Die Schafweide, aus der die Tiere ausgebrochen sind, liegt etwa 500 Meter unterhalb der Bahnlinie und wird von Elektrozäunen und einen Bach eingegrenzt. "Es war alles richtig abgesichert. Das ist ein vorbildlicher Betrieb für Hessen. Alles nach Vorschrift." Heintz appellierte an die Bahn, mit Zäunen für mehr Sicherheit an dem fast elf Kilometer langen Landrückentunnel zu sorgen. Der Schäfer, von dessen Herde bei dem Unfall mindestens 20 Tiere getötet wurden, habe dies schon vor zehn Jahren beantragt, sagte Rothhämel. Dies sei aber aus Kostengründen abgelehnt worden.

Bahn-Chef Mehdorn sagte in Berlin: "Es darf nie wieder passieren, und dafür werden wir sorgen." Das Unfall-Management am Ort habe funktioniert, auch wenn ein "verrückter" Vorfall wie eine Schafherde im Tunnel eigentlich kaum zu erwarten gewesen sei. "Gott sei Dank ist niemand schwer zu Schaden gekommen." Die Tunnel und die Bahn seien grundsätzlich sicher.

"Es hat immer wieder Überlegungen gegeben, Hochgeschwindigkeitsstrecken einzuzäunen", sagte ein Sprecher des Bundesverkehrsministeriums. Davon habe man aber abgesehen - "nicht nur weil dann mehr als 10 000 Kilometer Strecke für IC- und ICE-Züge abgeriegelt werden müssten", sagte der Sprecher. Vielmehr könnten sich solche Zäune im Falle eines Unglücks als sehr hinderlich erweisen, wenn zum Beispiel nach einem Zugunfall auf der freien Strecke die Rettungskräfte vor einer etwaigen Evakuierung von Fahrgästen zunächst erst die Zäune beseitigen müssten.

Der Verkehrswissenschaftler Helmut Holzapfel forderte eine bessere Sicherung von Eisenbahntunneln. Der Ingenieur und Professor aus Kassel, betonte in einem Gespräch mit der Deutschen Presse- Agentur dpa: "Genauso wie Weichen oder Brückenpfeiler sind Tunnel neuralgische Punkte. Und entsprechend muss man sie auch sichern, besser als bisher."

Bei den Ermittlungen, an denen auch das Eisenbahnbundesamt beteiligt ist, werde auch routinemäßig untersucht, ob die Weiche im Tunnel oder ein Signal Einfluss auf den Unfallhergang hatten, berichtete die Bundespolizei. Vor dem Unglück ist nach Aussagen von Zeugen bereits ein Zug aus Süden mit einem Schaf kollidiert. Diese Hinweise würden genauso überprüft wie die Frage, ob der Lokführer des ICE noch hätte gewarnt werden können.

Am Unfallort waren unterdessen Arbeiter der Bahn damit beschäftigt, mit Kranwagen die demolierten Waggons zu bergen. Am Abend sollte damit begonnen werden, den hinteren Triebkopf aus der Röhre zu ziehen. Der Sachschaden betrage "viele Millionen Euro". Die Strecke bleibt auch in den nächsten Tagen für die Bergungs- und Reparaturarbeiten gesperrt. Die Fahrgäste müssten bei der Fahrt zwischen Hamburg und München mit rund 30 Minuten Verspätung rechnen.

Vier der 19 Verletzten befanden sich am Montag noch zur Behandlung in Fuldaer Krankenhäusern, wie das Landratsamt mitteilte. Einer der beiden Lokführer des Würzburger Tunnel-Rettungszuges soll während des Einsatzes bei dem ICE-Unglück nahe Fulda betrunken gewesen sein. Die Bundespolizei ermittle wegen des Verdachts der Gefährdung des Bahnverkehrs, sagte Bundespolizeisprecher Winfried Felbinger in Würzburg und bestätigte damit einen Bericht der "Main-Post".

Unfallort
Bedienungsanleitung für die Karte: Pfeilsymbole = Karte verschieben;
Plus- und Minussymbole = Kartenausschnitt vergrößern/verkleinern.
"Karte" = Straßenkartenansicht;
"Satellit" = Luftbildaufnahme;
"Hybrid" = Luftbild mit eingezeichneten Straßen
AP/DPA
 
 
KOMMENTARE (10 von 12)
 
herrenloserHund (29.04.2008, 11:50 Uhr)
Schadenersatz...
1.) Natürlich verklagt hier in Deutschland erstmal die Bahn den Schäfer.
Wer bezahlt diesem eigentlich den entstandenen Schaden, nachdem ein ungesichert dahinrasender Zug die Existenz dieses Kleinunternehmers vernichtet hat? Man stelle sich vor, dieser Unfall wäre in den USA passiert - ein Festfressen für die Anwälte!
2.) Dieses Mal waren es nur ein paar "doofe", vielleicht verängstigte Schafe, die den Zug zum Entgleisen brachten. Was für "Doofe" spazieren beim nächsten Mal in einen Tunnel? Suizidgefährdete oder zugedröhnte Kids? Eine Endzeitsekte? Eine Al Quaida-Kommission?
Vorschlag: Damit die Vorstandsgehälter nicht darunter leiden müssen, nehmt doch das erstbeste Geld, das beim Börsengang der Bahn eingenommen wird und kauft für jeden Tunneleingang eine Webcam. Diese Investition amortisiert sich gleich wieder, wenn dieser Satz Webcams (mit entsprechenden Werbebannern) online gestellt wird.
Außerdem könnten manche Eltern dann nachschauen, ob ihre Kinder gerade irgendwelche verbotenen Tunnelstreiche spielen. Oder ob der vermisste und verwirrte Opa gerade auf Abwegen ist.
SchallUndRauch (28.04.2008, 21:30 Uhr)
Danke an die "normalen" Eisenbahner!
Beinahe tragisch, gluecklicherweise nur traurig wegen der Schafe ...danke ich doch sehr den 'normalen' Eisenbahnern die die gewoehnliche Strecke aufrecht erhalten, so dass man in Deutschland trotz des Unfalls dennoch ziemlich puenktlich reisen kann!
Gruss aus Singapur!
Chronixx (28.04.2008, 17:36 Uhr)
@AchazIII
ja genau! die einzige möglichkeit dem verhehrenden fluch des zainer bauern zu bannen ist die sofortige rückkehr zur steinzeit. und mindestens das aufstellen überlebensgroßer steinskulpturen mit dem antlitz des bäuerchens.
fluch? sie sind ja völlig durchgeknallt.
chrx.
AchazIII. (28.04.2008, 15:32 Uhr)
Ach, jetzt lässt Mehdorn hier schon schreiben
Anstatt die Strecken abzusichern verbringen offenbar Bahnbedienstete hier ihre Zeit um Postings zu schreiben.
Wer einen harmlosen Schäfer verklagt, auf dessen Strecken liegt auch weiterhin ein Fluch.
Der Zainer-Bauer war der intelligentesten einer.
STR_EDDS (28.04.2008, 15:19 Uhr)
Der Zainer-Bauer...
...war einfach nur ein Depp. Fluch? So ein Schwachsinn - und das in unserem Jahrhundert.
.
Dass die bahn klagt ist doch verständlich. Wäre die Schafe auf die Ab gerannt und hätten einer Familie das Leben gekostet, wäre der Schäfer auch als erster im Visier. Und keiner würde sich darüber aufregen. Das Unglück hätte auch an jeder anderen Stelle passieren können. Soll man alles Gleiskilometer einzäunen. Zahlen Sie das über Fahrpreis (au - jetzt kommt gleich wieder einer mit Managergehältern)?
.
Bei jedem Sternartikel kommen die immer gleichen abstrusen und hetzenden Forderungen irgendwelcher Experten. Der eine, welcher gestern noch genau wusste, wie man ein Flugzeug landet, urteilt heute von seiner Schreibstube aus, über ICE und Streckensicherung. Leute. Ball flach halten und ab und zu auch mal das Mundwerk. Danke.
Skaf (28.04.2008, 15:18 Uhr)
Bilder
Die Bilder mit den Kadavern mussten wirklich nicht sein. Das ist schon ein bisschen BILD-mäßig.
olli68 (28.04.2008, 15:12 Uhr)
Sicherheit?!
Ohne Zweifel sind die ICE-Strecken zu schlecht gesichert. Es müsste doch möglich sein, wenigstens die neuralgischen Stellen der Hochgeschwindigkeitszüge durch Kameras oder Zäune abzusichern.
Der größte Witz - den Schäfer für das Vorkommnis verantwortlich zu machen: Wenn schon dessen (eventuelle) leichte Fahrlässigkeit eine der beinahe größten anzunehmenden Eisenbahnunfälle in der Geschichte verursachen konnte - wie leicht hätten es dann potentielle Terroristen oder auch "nur" verirrte Jugendliche, einen solchen Unfall zu provozieren...
Darüber hinaus ist ein Rätsel, warum es keine Warnungen gegeben hat, wenn Minuten vorher ein Zug in Gegenrichtung schon einige Schafe überfahren hat.
Man muss kein Prophet sein, um ein katastrophales Eisenbahnunglück vorauszuahnen.
AchazIII. (28.04.2008, 15:00 Uhr)
Auf Deutschland liegt ein Fluch des Zainer-Bauern
Der Zainer-Bauer betrieb seinen Hof am Haff im Emsland.
Er prophezeite schon vor Jahrzehnten, dass die Missachtung des Bauernstandes und die Vergötzung der modernen Technik böse enden wird.
Der Zainer-Bauer betrieb ein Droschkenunternehmen, das durch die moderne Technik wie ICE seiner Grundlage entzogen wurde. Daruauf hin stieß der Zainer-Baer einen Fluch aus, bekannt als der berühmte Fluch des Zainer-Bauern.
Die Folgen sehen wir Tag für Tag.
Auf Deutschland liegt ein Fluch.
andreas_n (28.04.2008, 14:18 Uhr)
bahn klagt
irgendwie logisch, dass jetzt der schäfer von der bahn verklagt wird. wenn man allerdings liest, dass (mal unabhängig davon durch wessen schuld die herde überhaupt in den tunnel kamen) kurz zuvor bereits ein schaf vom in der gegenrichtung fahrenden ice erfasst wurde, der deswegen verspätung hatte und dennoch nicht der andere anfahrende zug gewarnt wurde (was ja problemlos innerhalb weniger sekunden oder wenigstens minuten hätte passieren müssen), kann man sich vorstellen, was das für ein sauladen bei der bahn sein muss. jeder halbwegs denkende mensch wird zu der schlussfolgerung in der lage sein, dass sich in der nähe des einen zuerst getöteten tieres mit hoher wahrscheinlichkeit noch andere befinden.
Tyndal (28.04.2008, 14:08 Uhr)
eine Frage der Zeit
... bis so etwas passiert. Jetzt waren es Schafe, als nächstes könnte eine Rotte Wildschweine die Ursache sein. Oder Kinder, die Höhlenforscher spielen. Bei jedem noch so kurzen Tunnel auf der Autobahn herrscht Tempo 100 oder noch langsamer - beim längsten Eisenbahntunnel darf ein Zug mit Tempo 200 rein- und durchbrettern, obwohl dieser nicht gegen unbefugtes Betreten gesichert ist. Aber bevor nicht die angesprochene Gruppe Kinder ihr Leben verliert, wird wohl nicht viel passieren. Schade für die Schafe, da sehen sie schon das schnell näher kommende Licht am Ende des Tunnels und dann bringt es doch nur Unheil...
MEHR ZUM ARTIKEL
Zugunglück IC bei Tempo 200 entgleist

Ein Intercity ist auf dem Weg von Salzburg nach Frankfurt nahe München entgleist. Ein Gegenstand auf den Schienen soll Ursache des Unglücks sein. Vier Menschen wurden verletzt, darunter wohl auch eine schwangere Frau. mehr...

Schweiz ICE kollidiert mit Lokzug

Am Freitagmorgen ist im schweizerischen Thun ein ICE mit einer Lokomotive zusammengeprallt. Die Wagen sind entgleist, die Fahrgäste konnten sich in Sicherheit bringen, acht Reisende sind leicht verletzt. mehr...

Zugunglück Entgleister ICE entgeht knapp der Katastrophe

Ein mit rund 100 Passagieren besetzter ICE ist am Donnerstagmorgen auf der Strecke Basel - Freiburg entgleist. Dabei wurde ein Mann schwer verletzt, es soll jedoch keine Toten gegeben haben. mehr...

MEHR ZUM THEMA
powered by wefind WeFind
 
Leser werben Leser

Jetzt den stern empfehlen und attraktive Prämie sichern!

 
 
 
 
 
stern - jetzt im Handel
stern (23/2012)
Rettet die Liebe