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5. Februar 2010, 15:02 Uhr

Absturz beim Neustart-Versuch

Auf der Münchener Sicherheitskonferenz wird deutlich, wie sehr sich die USA und die EU voneinander entfernt haben. Die Neustart-Euphorie des vergangenen Jahres ist der Enttäuschung gewichen. Von Katja Gloger

 
Barack Obama, München, Sicherheitskonferenz, China, EU, USA, Gipfel

Ein Bild aus besseren Tagen: Hillary Clinton und ihr berühmter Neustart-Knopf© Fabrice Coffrini/DPA

Ach, das waren noch Zeiten. Damals, vor einem Jahr, als alle in Hoffnung schwelgten. Gerade war Barack Obama ins Weiße Haus gezogen, jetzt würde Amerika endlich wieder zum Freund der Welt. Die Emissäre des neuen Präsidenten flogen aus, um die Botschaft von neuer Kooperation zu verbreiten. Engagement war angesagt, ein neues Miteinander. Außenministerin Hillary Clinton nahm gar einen dicken, roten Knopf mit. "Reset" stand da drauf. Neustart.

Damals schickte Obama auch seinen Vizepräsidenten Joe, "The Sheriff" Biden nach Deutschland. Bei der hochkarätigen Sicherheitskonferenz in München vergangenes Jahr warb er mit seinem strahlenden Lächeln und klaren Worten für eine neue Außenpolitik, für eine "Verantwortungspartnerschaft". Dieses Konzept sollte die Prinzipien ausdrücken, an die sich Obamas Regierung künftig halten wolle: gemeinsame Ziele - geteilte Pflichten. Nehmen - und geben. "Deliver" sagen die Amerikaner dazu, liefern.

Kaum jemandem fiel damals auf, dass Barack Obama in seiner Amtsantrittsrede die Europäische Union noch nicht einmal erwähnte. Dass es drei Tage dauerte, bis der neue Präsident überhaupt einmal mit einem europäischen Staatschef telefonierte. Und der hieß nicht Angela Merkel.

Immer wieder den Neustartknopf gedrückt

Seitdem wurde zwar immer wieder irgendwie auf den Neustartknopf gedrückt, aber in Wahrheit haben sich Europa und die USA in den vergangenen Monaten ziemlich entfremdet. Man ist enttäuscht, genervt, sauer. Obamamania – das war gestern.

Zunehmend macht sich in den europäischen Hauptstädten das Gefühl breit, der Mann im Weißen Haus könne zwar gut reden, aber nicht viel mehr. Viel Stil, wenig Substanz. Schönwettergerede eben, von globaler Führungsmacht nur noch wenig zu sehen. Ein Manager des Niedergangs: Im Nahen Osten scheint Frieden ferner denn je, der Iran werkelt mit Hochdruck an der Bombe, die Klimakonferenz war eine Katastrophe. "Die USA können nicht führen", empörte sich der deutsche Umweltminister Norbert Röttgen öffentlich. So was hatte man sich noch nicht einmal Bush gegenüber getraut. Zumindest nicht öffentlich.

Enttäuschung auf Gegenseitigkeit

Die Enttäuschung beruht auf Gegenseitigkeit. In seiner Rede zur Lage der Nation Ende Januar setzte Obama innenpolitische Prioritäten: Jobs und Schuldenbekämpfung. In diesem Jahr stehen wichtige Zwischenwahlen an, eine katastrophale Niederlage seiner Demokraten will Obama nicht riskieren. Die Botschaft war daher: Amerika hat mit sich selbst zu tun. Und tut, was es für richtig hält.

Wie eine Ohrfeige traf die europäischen Staatschefs dann vor wenigen Tagen die kurze Nachricht, Obama werde nicht am EU-USA-Gipfel teilnehmen. Keine Zeit, Terminprobleme, hieß es knapp. So was hatte sich noch nicht einmal George W. Bush getraut.

Lesen Sie auf der nächsten Seite: Warum Obama nicht abgesagt hat, und welche Macht wirklich wichtig ist

Seite 1: Absturz beim Neustart-Versuch
Seite 2: Das Treffen war nur "Zeitverschwendung"
 
 
KOMMENTARE (10 von 15)
 
SpringbokCT (06.02.2010, 02:57 Uhr)
> Katja Gloger
Kompliment, eine schöne Frau!
brigitteramsau (06.02.2010, 01:16 Uhr)
...und es fluestern die Kriegsminister.
Mobilmachung gegen den Iran. Tja in Muenchen haben ja schon in der Vergangheit fuer Deutschland tragische Entwicklungen begonnen.

Normalerweise wuerde man die Anwesenden alle dem ICJ in Den Haag zur Verfuegung stellen.
chatahootchee (05.02.2010, 19:08 Uhr)
NA ENDLICH,
da sind sie wieder, die US-Basher. Am Anfang sah es ja noch nach einer Diskussion aus, aber jetzt?
Freunde von jetrabbit und Co., macht's gut und schoenes Wochenende auch.
s.t.e.f.a.n (05.02.2010, 18:12 Uhr)
Kontinentaldrift schuld?!
"Auf der Münchener Sicherheitskonferenz wird deutlich, wie sehr sich die USA und die EU voneinander entfernt haben"

Konkret: 2,5 bis 3,6 Zentimeter pro Jahr

Ein großer Teil Asiens wird immer wichtiger und muss sich dann auch seiner weltpolitischen Verantwortung bewusst werden. Deswegen ist es im Moment vermehrt wichtig mit den Chinesen zu reden. Sehe ehrlich gesagt das Wachstum Chinas sehr kritisch. Abgesehen von einer Familie und einem guten Freund aus China, steht das Land für mich für Zocker, die Wertlosigkeit des Einzelnen, Rechtswillkür, Plagiate usw. Vielleicht ändert sich mein Bild, wenn ich China mal selbst erlebe.
Etwas postives bewirkt die Münchner Sicherheitskonferenz jetzt schon. Gefühlt alle Sicherheitskräfte Bayerns treffen sich auf 2km² zwischen Bayerischen Hof und Marienplatz und können sich austauschen.
laketahoe (05.02.2010, 17:43 Uhr)
@chatahotchee
Tut mir leid!

Ich muss Ihnen widersprechen. Wenn man realistische Erwartungen in Obama setzt, dann kann man sicher nicht enttäuscht sein. Oder kennen Sie außer die Veteranen Clinton und Al Gore US Politiker, die sich gleich gut oder besser für sein Amt eigneten.

Für hiesige Begriffe wäre es schon eine Sensation, mal einen Regierungschef zu haben, der mit so viel Geist und Charaketer glänzen kann. Die umfassende Denk- und Konzeptionsleistung erfolgt heute ja ohnehin auch in den USA durch ganze Spezialistenstäbe. Aber einen Präsident zu haben, der selbst auch einen scharfen Verstand hat und Humanist reinsten Wassers ist, das können wir uns glaube ich gar nicht vorstellen, bei all den Nasen, die hier rumgurken.

Wenn Sie die Großbaustelle USA betrachten, die G. W. Bush hinterlassen hat, dann können Sie ein Jahr danach, mitten in der Wirtschaftskrise wohl kaum verlangen, dass sich bereits alle Baustellen im Stadium der Beseitigung befinden.....
chatahootchee (05.02.2010, 17:28 Uhr)
@LAKETAHOE
Noch einmal da man mich hier irgendwo 'rausgeschmissen hat: Ich moechte Ihnen ja Recht geben in Sachen Praesident und lahme EU. Aber auch hier in den USA ist der gute Mann auf die Nase gefallen. Ich wuerde es gerne sehen, wenn die USA eine Fuehrung in der Welt uebernehmen, aber mit guter Fuehrung im eigenen Lande. Und da muessen andere Leute ran, bei Republikanern und Demokraten. Es kann einfach nicht sein, dass dieser unerfahrene Jung-Praesident vorgefuehrt wird: von den Chinesen in Kopenhagen, vom Iran im Mittleren Osten, und einer Nancy im eigenen Haus.
laketahoe (05.02.2010, 17:00 Uhr)
Zu klug, um sich als Centerfold von Merkel und Co. für deren Beliebtheit und Bedeutung ausnutzen zu lassen...
Ich sehe die EU ähnlich lahm, wie Obama das ganz offenbar tut. Hätte4 an seiner Stelle auch keine Lust, für Küsschen- und Fototermine irgendwohin zu reisen, wenn dann in ganz entscheidenden Fragen doch jeder tut, was er seiner Klientel schuldet. Sicher kann auch Obama keine Wunder wirken und muss sich insbesondere zur Zeit innenpolitisch auch mal nach der Decke strecken, aber diesae Art Schoten, wie wir sie von Merkel ständig geliefert bekommen, hat er nicht nötig.

Alleine wenn man beachtet, wie sich Merkel aus einem internationalen Banken-Boni-Beschränkungsprogramm herausgewunden hat, versteht man Obama gut. Mal ganz davon abgesehen löst ein Gerichtsbeschluss, der es nunmehr auch in den USA Parteien erlaubt, größere Geldspenden von Unternehmen anzunehmen, bei Obama Abwehr und Entsetzen aus, bei Merkel sicher nur helles Entzücken.

Wer hier jetzt schon Obama angreift, der müsste eigentlich täglich vor Schmerzen schreien, die man bekommt, wenn man all die Merkels und andere ausgewiesene Vordenker Europas rumwerkeln sieht.

Obama hat von dem, das bei Merkel absolute Mangelware ist, für drei tolle Personen genug: Hirn, Herz, Charakter!
SLCentral (05.02.2010, 16:41 Uhr)
Natürlich der böse Obama,
Er ist einfach nicht hart genug. Es muss was geschehen, dass Europa unter Anleitung der USA wieder was zu sagen hat in der Welt. Obama ist nicht konsequent genug.

1. Wo bleiben die Atombombe auf China, weil die jetzt wirtschaftlich aufsteigen und die Frechheit besitzen mitreden zu wollen.

2. Warum werden in Pakistan keine klare Ansagen gemacht. Jeder Moslem ist verdächtigt und gefährlich für die Weltgemeinschaft.

3. Warum erlaubt man den Russen, die den kalten Krieg verloren haben eine eigene Meinung zu haben. Die sollen ganz ruhig sein.

4. Und Afrikaner, diese undankbaren Schwarzen haben die ganze Zeit für ihre wertlose Diamanten und Erdrecoursen unsere teuren Lebensmittel wie z.B. eine Schale Reis bekommen besitzen die Frechheit sich der China zuzuwenden.
______________________________

P.S. Als Russlanddeutscher kann die Welt von vielen Perspektiven betrachten. Und meine persönliche Einschätzung ist sehr düster.

Ideologien sind gewichen. Jetzt ist die Welt der persönlichen und nationalen Interessen am Zug - die Welt ist jetzt wie Europa im Jahre 1930.
Und in dieser Welt hat man schlechte Chancen mit militärischen Mitteln und Ultimatuen etwas zu erreichen.

Egal wie der Typ heißt - Obama, Busch, Clinton mit Außenplitik kann man keine Probleme im Inland lösen. Und jede Armee wird aus dem Inland finanziert.
SpringbokCT (05.02.2010, 16:33 Uhr)
> Tempelhofer
Linksnationalismus oder umgedreht??? Antiamerikanismus und Antizionismus strellvertretend für Antiseminismus?

Es begrenzt sich aber nicht auf die beiden Länder, vielleicht lasen Sie heute Morgen den Reisebericht mit dem Titel: "Last Minute nach Little Britain". Da kommt eine Nation nach der anderen dran. Alleine was die letzten Wochen hier über Südafrka abgelassen wurde, spottet jeder Beschreibung.
chatahootchee (05.02.2010, 16:17 Uhr)
MOMENT MAL!
Frau Gloger:"Zunehmend macht sich in den europäischen Hauptstädten das Gefühl breit, der Mann im Weißen Haus könne zwar gut reden, aber nicht viel mehr."
Irgendwie kommt mir das bekannt vor? Habe ich dies nicht schon vor mehr als einem Jahr gesagt?
He, alle Messias-Juenger aufgewacht. Die Welt ohne Obama's Teleprompter sieht anders aus
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Worüber die Mächtigen dieser Erde hinter den Kulissen rangeln, darüber schreibt stern-Autorin Katja Gloger in der Kolumne "Was die Welt bewegt"

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