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4. August 2011, 14:18 Uhr

Die Mafia hält die Welt auf Trab

Nicht die großen politischen Gegensätze, sondern die Mafia organisiert die Konflikte im Norden Kosovos. Weil die Kriminellen um ihre illegalen Einnahmen fürchten, zetteln sie immer wieder Gewalt an und halten damit die Welt auf Trab

Erhard Bühler hat in seinem einen Jahr an der Spitze der internationalen Schutztruppe KFOR ein Thema gebetsmühlenartig vorgetragen: Die Mafia steuert im Norden Kosovos alles und jeden und zettelt nach Belieben gewaltsame Konflikte an. Dabei arbeiteten Albaner und Serben prächtig zusammen, hat der General herausgefunden: Diese "kriminellen Strukturen haben das wirkliche Sagen".

Angriff auf Grenzübergang war Werk von Kriminellen

Nach Darstellung des Kommandeurs handelt es sich um extremistische gewaltbereite Kräfte, die bewaffnet sind. Sie seien auch für die zahlreichen Straßenblockaden der wichtigsten Transitrouten verantwortlich. Sie bezahlten die Serben sogar dafür, dass sie möglichst zahlreich diese Barrikaden "verteidigen". Auch das Niederbrennen des Grenzübergangs Jarinje vor einer Woche war danach das Werk dieser gut organisierten Kriminellen.

Die Aufklärung der KFOR-Truppe hatte herausgefunden, wer sich unter die serbischen Demonstranten gemischt hat. Mit dabei seien Angehörige rechtsradikaler Organisation wie der "Serbischen Nationalbewegung 1389" und der "Vaterländischen Bewegung Obraz (Ehrgefühl)", extremistische und äußerst gewaltbereite Fußballrowdys sowie Mitarbeiter verschiedener Geheimdienste. Viele in dieser hochbrisanten Mischung seien bewaffnet.

Florierender Schmuggel und lahmende Justiz

Etwa 55.000 Serben und 10.000 Albaner leben in Nordkosovo. Eine nicht näher bekannte Zahl von ihnen gehört den kriminellen Netzwerken an. Die leben in dem fast gesetzfreien Raum prächtig vom Schmuggel, verdienen das große Geld und haben kein Interesse an einer Änderung der Situation. Die schätzungsweise paar tausend Mafiosi halten mit ihrer Gewaltstrategie die Welt auf Trab: Von der EU bis zum UN-Sicherheitsrat.

Weil Serbien die Region mit der serbischen Mehrheit weiter als sein Territorium beansprucht, pumpt die Belgrader Regierung jährlich etwa 200 Millionen Euro in diesen Raum. Weil es praktisch keine Produktion gibt, hängt die Region ausschließlich am Tropf des "Mutterlandes". Dabei bleibt die Kontrolle dieses Geldflusses im Dunkeln. Weil es abgesehen von einer Handvoll EU-Richter kein Justizsystem gibt, gilt Nordkosovo als über weite Strecken rechtsfreier Raum.

Geschmuggelt wird vor allem Treibstoff, der hier deutlich billiger ist als in Serbien oder im Rest von Kosovo, aber auch Baumaterial, Medikamente, Drogen und Waffen. Die Autos fahren ohne Nummernschilder, eine öffentliche Verwaltung gibt es nur in Ansätzen, Rechnungen für Wasser oder Strom bleiben unbezahlt.

Politische Grauzone Nordkosovo

Dass das kriminelle Milieu blüht, geht auf die Parallelstrukturen dort zurück: Weder die Kosovo-Regierung in Pristina noch ihr serbisches Gegenüber in Belgrad haben hier ausschließlichen Einfluss. Diese politische Grauzone erlaubt jede Machenschaft. Schätzungsweise nur 20 Prozent aller aus Serbien eingeführten Waren werden verzollt, obwohl die große Menge davon weiter in den Süden Kosovos transportiert wird. Die Einheimischen witzeln über "den größten Duty Free-Shop Europas".

Dieser Mafiasumpf hätte schon längst trockengelegt werden müssen, beklagt General Bühler immer wieder. Dafür wäre die hochgerüstete EU-Rechtsstaatsmission (EULEX) mit ihrer Spezialpolizei, ihren Juristen und Verwaltungsexperten bestens geeignet. Doch seit Jahren ist von dieser mit jährlich 100 Millionen Euro teuersten EU-Auslandsmission fast nichts zu bemerken.

Grenzkonflikt im Kosovo
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Grenzkonflikt im Kosovo Angriff mit Äxten und Molotowcocktails
Thomas Brey/DPA
 
 
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