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7. Januar 2010, 15:36 Uhr

"Ich bin hier nicht als Tourist in kurzen Hosen"

Für Guido Westerwelle ist die Tür für einen EU-Beitritt der Türkei noch längst nicht zugeschlagen. Der Außenminister - unter kritischer Beobachtung der CSU stehend - machte sich für fortgesetzte Verhandlungen stark. Natürlich spreche er für die gesamte Regierung.

Westerwelle, Türkei, EU-Beitritt

Gut gelaunt: Außenminister Guido Westerwelle bei seinem Staatsbesuch in der Türkei© Arno Burgi/DPA

Guido Westerwelle hat von der Türkei für eine Vollmitgliedschaft in der Europäischen Union weitere Reformen verlangt. Bei seinem ersten Besuch in Ankara ermunterte der Bundesaußenminister die türkische Regierung am Donnerstag insbesondere zu einer weiteren demokratischen Öffnung. Zugleich versicherte er, dass es innerhalb der schwarz-gelben Koalition noch keine Festlegung für oder gegen einen EU-Beitritt der Türkei gebe.

In einer Rede vor türkischen Diplomaten machte Westerwelle aber auch deutlich, dass er die Türkei gegenwärtig noch nicht für EU-reif hält. "Wir alle wissen, dass Meinungs-, Presse- und Religionsfreiheit tragende Säulen unserer europäischen Wertegemeinschaft sind." Das "Reformwerk der Türkei auf ihrem Weg nach Europa" sei "noch unvollendet". Der FDP-Chef appellierte an seinen Gastgeber, damit fortzufahren.

Die bereits seit 2005 laufenden Beitrittsverhandlungen zwischen EU und Türkei kommen nur noch sehr schleppend voran. Das Thema ist auch innerhalb der Bundesregierung umstritten, weshalb Äußerungen Westerwelles auf seiner Dienstreise Anlass zu weiteren Koalitionsstreitigkeiten geben könnten. Innerhalb der CDU/CSU mehren sich die Stimmen, anstelle der Mitgliedschaft nur noch eine "privilegierte Partnerschaft" anzubieten. Auch Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) macht sich dafür stark.

CSU warnt vor "Geheimabsprachen"

So forderte Generalsekretär Alexander Dobrindt auf der CSU-Klausurtagung in Wildbad Kreuth den Außenminister auf, der Türkei während seines Besuches keine Versprechungen für einen EU-Beitritt zu machen. "Ich kann ihm nur raten, mit der Türkei nicht wieder Geheimabsprachen wie in Polen zu treffen, wo wir dann nachher in der Koalition wochenlang die Scherben zusammenkehren müssen", sagte Dobrindt unter Anspielung auf die Personalie Erika Steinbach.

Westerwelle verwies in Ankara auf den schwarz-gelben Koalitionsvertrag, wonach die Beitrittsverhandlungen "ergebnisoffen" geführt würden. Auf die Frage, ob er damit für die gesamte Bundesregierung spreche, entgegnete er: "Ich bin hier nicht als Tourist in kurzen Hosen unterwegs, sondern als deutscher Außenminister. Das, was ich sage, zählt." Eine klare Absage erteilte er Forderungen, die Verhandlungen schon abzubrechen. Mehrfach betonte der FDP-Chef, dass die Vereinbarungen zwischen EU und Ankara eingehalten werden müssten. Der türkische Außenminister Ahmut Davutoglu sagte weitere Anstrengungen zu, um einen EU-Beitritt möglich zu machen. "Wir wollen sämtliche Reformen erfüllen. Alles, was dieser Prozess erfordert, werden wir tun. Ganz voran mit Deutschland." Ebenso wie Westerwelle plädierte auch er für einen "strategischen Dialog" zwischen Ankara und Berlin. In Deutschland leben mehr als 2,7 Millionen Menschen mit türkischen Wurzeln.

Zypern-Frage ist für Westerwelle entscheidend

Als "Schlüssel" für Fortschritte in den Beitrittsverhandlungen bezeichnete Westerwelle die Zypern-Frage. Die Türkei müsse das sogenannte Ankara-Protokoll auch auf Zypern anwenden. Bisher weigert sich die Regierung, die eigenen Häfen und Flughäfen auch für Schiffe und Flugzeuge aus Zypern zu öffnen. Begründet wird dies mit der Weigerung der EU, den seit 1974 von türkischen Truppen besetzten Nordteil der Insel als Staat anzuerkennen.

Die Türkei ist Nato-Mitglied und gehört auch der Gruppe der 20 wichtigsten Industrie- und Schwellenländer (G-20) an. Außerdem wird sie als Regionalmacht immer einflussreicher. Am Nachmittag traf Westerwelle auch mit Ministerpräsident Recep Tayyip Erdogan zusammen. Auf dem Programm stand auch ein Treffen mit kurdischen Politikern. Ein Gespräch mit Staatschef Abdullah Gül wurde wegen dessen Erkrankung abgesagt. Der Besuch in Ankara ist der Auftakt für Westerwelles bislang längste Auslandsreise. Am Freitag hält er sich in Istanbul auf, einer von Europas Kulturhauptstädten 2010. Anschließend reist er nach Saudi-Arabien und andere Golfstaaten weiter. Am Montag kehrt er nach Berlin zurück.

AFP
 
 
KOMMENTARE (10 von 39)
 
jetrabbit (10.01.2010, 15:16 Uhr)
nichts gegen schwule,
aber in islamischen ländern stehen sie mit hunden auf einer stufe. ein schwuler als aussenminister war wohl die denkbar schlechteste wahl, die man treffen konnte.
kb26919 (09.01.2010, 19:41 Uhr)
EU Beitritt derTuerkei
muss verhindert werden.Die EU hat jetzt schon zu viele Laender die im Grunde nicht Mitglied haetten werden duerfen weil sie die Kriterien nicht haben ,Dazu noch ein orientalisches Land mit einer voellig anderen Kultur und vielen Arbeitslosen wuerde der EU den Rest geben.
Kroko (08.01.2010, 19:42 Uhr)
@WernerMeyer
Sich an die Türkei anbiedernde deutsche Außenminister haben in D einen ähnlichen Status..:)
WernerMeyer (08.01.2010, 18:53 Uhr)
Türkei in der EU ?Unmöglich.
Herrn Westerwelle ist sicherlich bekannt,dass es unmöglich ist für Schwule in der Türkei sich zu outen.

entweder droht der Tod,durch die Familie oder der Ausschluss.

Wäre er nicht der Aussenminister würde ihm niemand in der Türkei die Hand geben.

Schwule sind der absolute Dreck in der
Türkei.
Trallallaa (08.01.2010, 17:28 Uhr)
Wow!
"Aber darauf kommt es nicht an, weil all das dazu gehört. Ich bin nicht das Maß der Dinge, sondern Teil eines Ganzen. Und das ist nun mal bunt. Wer das nicht will, hat Pluralismus nicht verstanden."

Sehr schön gesagt : )
knilch_59 (08.01.2010, 17:08 Uhr)
@tannebaum
Mich nerven Frauen im Schador genauso wie katholische Pinguin-Tanten oder, außerhalb des Karnevals, Männer in Lila Kleidern. Der Gedanke, dass zum Lärmteppich des okumenischen Gebimmels jetzt noch von woanders zum Gebet geleiert wird, ist für mich auch nicht beglückend. Ich mag auch keine zuckenden Tucken, keine Blasmusik und keine bettelnden Zigeuner an meiner Wohnungstür oder in der Fußgängerzone.
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Aber darauf kommt es nicht an, weil all das dazu gehört. Ich bin nicht das Maß der Dinge, sondern Teil eines Ganzen. Und das ist nun mal bunt. Wer das nicht will, hat Pluralismus nicht verstanden.
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Wer glaubt, dass durch eine EU-Vollmitgliedschaft der Türkei Klein-Anatolien nach Klein-Wülferode transferiert wird, hat das Gesamtkonzept von Frieden durch Wohlstand nicht verstanden. Ja, die Türkei wäre ein Riesen-Happen, den Europa verdauen müsste: So bevölkerungsreich wie Frankreich+Spanien+Portugal, natürlich würden sich dann auch politische Gewichte verschieben. Und auch für die Finanzierung ergeben sich riesige Probleme.
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Ich sehe einfach, dass die Zeit noch nicht reif ist für die endgültige Entscheidung. Die Türkei wird sich hierzu noch ein ganzes Stück weiter in unsere Richtung bewegen müssen. Ob man das dort will, werden die Türken zu beantworten haben.
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Mit der Frage, ob wir unsere Wirtschaft auf immerwährendes Wachstum polen müssen, befinde ich mich auf der Basis dessen, was unsere Regierung möchte. Ich könnte mir auch etwas anderes vorstellen, dann müsste aber die Politik hierzu ganz andere Weichen stellen. Aber das wollen ja Super-Angie und Spaß-Guido auch nicht. Also sollten sie offen zugeben, dass sich aus einer EU-Vollmitgliedschaft der Türkei erhebliches Wirtschaftswachstumspotenzial erschließt. Und wenn man das nicht haben möchte, müsste man sagen, wie man es anders machen möchte!
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Aber dieses Rumgeeiere ist typisch Schwarz/Gelb: Grenzenlos unintelligent!
Trallallaa (08.01.2010, 15:49 Uhr)
@tannebaum
"sie wollen mir doch nicht im ernst erzählen, dass homosexuelle in der eu den gleichen gefahren ausgesetzt sind?!"

Doch will ich. Siehe knilch. Erklären Sie mir doch mal in wie fern Bulgarien oder Rumänien "westlicher" ist als die Türkei?

Wenn man immer nur schwarz sehen will, wie sie das tun, dann ist sicher kein Platz mehr für eine andere Farbe, zudem ist das alles seeehr vage und voller Klischees. Meinen Sie türkenfeindlichkeit macht schwulenfeindlichkeit wieder wett?

Aber Back to Topic.

Fakt ist: Die "priviligierte Partnerschaft" ist Nonsens, die gibt es schon und sie nützt mehr der Eu, wie der Türkei. Ich denke der Türke würde für die Produktion von Textilien für H&M, Zara, C&A etc.pp, auch mal gerne mehr verdienen wie 500 ? im Monat.

Mal im allgemeinen:
Wenn es "gut fürs Geschäft" ist, dann werden Themen wie "Menschenrechte" auch schon mal außen vor gelassen, siehe China, da hab ich noch keine Klagen seitens der Politiker gehört.
tannebaum (08.01.2010, 15:49 Uhr)
@knilch
soso, wir brauchen also länder, denen wir unsere waren immer weiter verkaufen können, weil wir einzig auf ewiges wachstum eingestellt sind...

ein überleben mit purer eigenversorgung und drosselung des exports und des produktionsausstosses ist also definitiv unmöglich?

gut, dann brauchen wir weiterhin gierige banken, die das alles vorfinanzieren, noch reicher werden und damit auf immer neuen märkten weiter spekulieren...

diese spirale dreht sich ja nun seit ewigkeiten und selbst china macht nun mit. was ist denn wohl in 50 jahren, wenn auch jeder chinese und inder mindestens ein auto, drei fernseher und fünf computer besitzt?


und zur türkei:
deren weg steht längst fest. die frage ist nur, wie hoch die bedrohung ist, wenn innerhalb der eu die grenzen geöffnet werden.
für mich steht fest, dass der krieg sich dort rund um irak & afghansitan sich ausweiten wird. und im zweifel werden die türken nicht auf der seite der eu stehen... was dann aber durch die offenen grenzen laufen könnte, ist der albtraum aller menschen. und das wissen die politiker, die diese entwicklungen seit 20 jahren verfolgen.

bisher hat sich deutschland freikaufen können. ob hamas oder plo. ob "kritischer" dialog mit dem iran oder verweigerung im irak - bisher ging es für uns gut aus.

wären die kofferbomben hochgegangen oder hätte die sauerländer-gruppe erfolg gehabt, wir hätten heute ganz andere stimmen in diesem land.


knilch_59 (08.01.2010, 14:58 Uhr)
@tannebaum
Das mit dem Schwulencafé ist ein denkbar schlechtes Beispiel: Hierbei sind zwei Dimensionen unterschiedlich zu bewerten: die Akzeptanz der Bevölkerung und die staatliche Genehmigungspraxis. Ich möchte nicht wissen, wie das in Altötting oder Tschenstochau (Polen) gesehen wird.
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Ja, es gibt in der Türkei stark islamistische Tendenzen, aber die staatliche Ordnung ist (noch) laizistisch aufgebaut. Mit einem Zuschlagen der Tür zur EU ist relativ klar, welchen Weg die Türkei gehen wird.
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Unsere Wirtschaft braucht die Kaufkraft der Länder, deren Bevölkerung noch wächst. Die Türkei ist eins dieser Länder.
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Wir sollten uns lieber mehr überlegen, wie wir die Türkei näher an Europa binden können, als nach Ausreden zu suchen, um sie abzudrängen! Privilegierte Partnerschaft ist keine Alternative!
tannebaum (08.01.2010, 14:14 Uhr)
@Trallallaa
sie wollen mir doch nicht im ernst erzählen, dass homosexuelle in der eu den gleichen gefahren ausgesetzt sind?!

geben sie mal bei google die begriffe "schwul" "türkei" und "übergriffe" ein. lesen sie die ersten artikel und sagen mir dann, dass passiert in paris, london, berlin oder madrid auch jeden tag!
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