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27. September 2011, 10:27 Uhr

Geteiltes Echo auf Bahrs Vorschlag

Tausende Menschen in Deutschland warten auf Spenderorgane. Ein Thema mit denen sich die deutschen Bürger bisher viel zu wenig auseinandergesetzt haben. Kaum ein anderes EU-Land hat längere Wartelisten. Ein Vorschlag von Bundesgesundheitsminister Daniel Bahr soll das endlich ändern.

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Bundesgesundheitsminister Daniel Bahr will, dass sich die Deutschen mehr mit dem Thema Organspende beschäftigen© Herbert Knosowski/DPA

In der Diskussion um die Neuregelung der Organspende zeichnet sich eine mögliche Kompromisslösung ab. Um mehr Menschen als Organspender zu gewinnen, will Bundesgesundheitsminister Daniel Bahr (FDP) alle Versicherten von den Krankenkassen zu ihrer Spendenbereitschaft befragen lassen, wie es am Montag in Berlin hieß. Bahr betonte zugleich, dass niemand zu einer Entscheidung gezwungen werde.

Über die Organspenden wird in Deutschland seit langem kontrovers diskutiert. Derzeit gilt in Deutschland die Zustimmungslösung, wonach ein Mensch schon zu Lebzeiten einer Organspende zugestimmt haben muss oder Angehörige eines Hirntoten Ja sagen müssen.

"Jeder der sich selbst nicht mit dem Thema Organspende auseinandersetzt, legt die Entscheidung in die Hände seiner Angehörigen", sagte Bahr in Berlin. Um die Organspendebereitschaft zu erhöhen, müssten die Menschen einfach mehr informiert werden. Ein Änderungsantrag von Bahr zum Transplantationsgesetz sieht vor, dass die Kassen die Versicherten deshalb künftig bei der Ausgabe der neuen elektronischen Gesundheitskarte über die Organspende informieren sollen. Jeder Bürger solle die Möglichkeit erhalten, sich für oder gegen die Organspende zu entscheiden oder die Entscheidung auf später zu verschieben, sagte eine Ministeriumssprecherin. Bahr betonte aber, es solle "keinen Zwang zum Ausfüllen geben".

Nicht auf die "Faulheit der Bürger" setzen

Die Fraktionschefs von Union und SPD, Volker Kauder und Frank-Walter Steinmeier, hatten vor einiger Zeit vorgeschlagen, die Zahl der gespendeten Organe zu erhöhen, indem jeder Bürger mehrfach in seinem Leben nach seiner Bereitschaft dazu gefragt werde, beispielsweise bei der Ausgabe des Passes oder Führerscheins. Bahr hatte daraufhin betont, es dürfe keinen Zwang zur Entscheidung geben. Auch eine sogenannte Widerspruchslösung lehnt der Gesundheitsminister ab. Diese setze "auf die Faulheit der Menschen". Bei der Widerspruchslösung wird grundsätzlich eine Spendenbereitschaft vorausgesetzt, der ein Bürger aktiv widersprechen muss.

Die gesundheitspolitische Sprecherin der Linksfraktion im Bundestag, Martina Bunge, erklärte zu den Vorschlägen von Bahr, es spreche grundsätzlich "nichts dagegen, die Krankenkassen in die Befragung zur Organspende einzubeziehen". Die Information über die Bereitschaft zur Organspende sollte aber auf der bisherigen Versichertenkarte gespeichert werden, da erst gut zehn Prozent der Versicherten eine elektronische Gesundheitskarte hätten.

Stiftungen kritiseren Bahrs Vorschlag

Die Patientenschutzorganisation Deutsche Hospiz Stiftung kritisierte das Eintreten Bahrs für die sogenannte Erklärungslösung bei der Organspende als "fahrlässig". Bisher sei völlig offen, "wie Selbstbestimmung ohne umfassende Information möglich" sein solle, erklärte Vorstand Eugen Brysch.

In Deutschland warten rund 12.000 schwer kranke Menschen auf ein Spenderorgan. Alle acht Stunden stirbt nach Angaben der Deutschen Stiftung Organtransplantation (DSO) ein auf der Warteliste aufgeführter Mensch.

ono/AFP
 
 
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