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10. Juni 2009, 09:48 Uhr

Die SPD ist high

Nach Jahren der Depression erleben die Sozialdemokraten wieder eine Phase, in der sie mit Hochgefühl auf ihre Partei blicken können. Immer besser gelingt es der SPD, Angela Merkel in die Ecke zu drücken. Und mit der Forderung nach Staatshilfen für Opel sammelt die Partei Sympathiepunkte. Von Sebastian Christ

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SPD, Angela Merkel, Krise, Andrea Nahles, Hubertus Heil, Olaf Scholz

Nach Jahren der Depression schöpft die SPD endlich wieder Hoffnung© Franka Bruns/AP

Man muss Hubertus Heil in diesen Tagen ganz genau zuhören: Welch ruhiger Tonfall. Diese Beherrschtheit. Und nicht das winzigste Anzeichen dafür, dass er sich über die derzeitige Situation freut. Seine Sprache will sagen: Wenigstens wir kümmern uns noch um Deutschland. "Die Nervosität in der Union darf in diesen Tagen nicht zum Stillstand führen", erklärte Heil am Montag mit beinahe schulmeisterlichem Habitus. "Es ist nicht zu leugnen, dass die Koalition in den vergangenen Wochen nicht vorwärts gekommen ist, weil einige Fragen in der Union nicht geklärt sind." Es ist ein bizarres Schauspiel: Redet da der Generalsekretär eben jener SPD, die vor Wochen noch in den Umfragen bei 22 Prozent dümpelte?

Ja, das tut er. Heil spricht mit dem Selbstbewusstsein eines Politikers, dessen Partei gerade das bisher Schlimmste überstanden hat. Nachdem die SPD seit der Ära Kurt Beck die schwerste Krise ihrer jüngeren Geschichte durchlebt hat, ist nun die Union dran. Bundeskanzlerin Angela Merkel liegt mit den Konservativen in ihrer eigenen Partei über Kreuz, ihr laufen die Wirtschaftsliberalen davon. Und als ob das noch nicht genug wäre, muss sie sich mit Horst Seehofer herum plagen. Der CSU-Chef markiert zur Zeit den starken Mann und zerschlägt mit jeder Bewegung mehr Porzellan. Man vermisst Profil bei Merkel. Was fällt der Kanzlerin dazu ein? Bei Anne Will sagte sie am Sonntag zu den Richtungskämpfen in der Union: "Mal bin ich konservativ, mal liberal und mal christlich-sozial".

Die Kanzlerin wird abgewatscht

In der eigenen Partei hat sie in den vergangenen Wochen schon genug auf die rechte Backe bekommen. Jetzt hält sie der SPD auch noch die linke Wange hin. Die Sozialdemokraten wittern Morgenluft, weil es Merkel immer noch nicht gelingt, die Union auf einen einheitlichen Kurs einzuschwören. Kritik gibt es etwa im Konflikt um die Jobcenter. Die CDU/CSU-Bundestagsfraktion hatte den von Olaf Scholz (SPD) erarbeiteten Gesetzesvorschlag zurückgewiesen - obwohl daran auch der nordrhein-westfälische Ministerpräsident Jürgen Rüttgers (CDU) mitgearbeitet hatte. Heil sagte am Montag: "Wir haben noch die Hoffnung, dass es in diesem Bereich nicht das letzte Wort ist."

Ein Satz, der nicht ohne Hintergedanken ist. Schließlich haben die Sozialdemokraten auch ein machtpolitisches Interesse daran, dass die Reibereien in der Union weiter gehen. So muss man wohl auch den Nachsatz des SPD-Generalsekretärs verstehen: "Es geht nicht um Streit um des Streites Willen, es geht um Verantwortung." Frei weitergedacht: Jene Verantwortung, die das sozialdemokratische Lager im Herbst zurückerobern will. Die Regierungsverantwortung.

Opel-Rettung wirkt wie Kraftfutter für die SPD

So muss man wohl auch die Haltung der SPD in der Opel-Frage verstehen. Obwohl allen Beteiligten klar ist, dass eine Hilfsaktion für den angeschlagenen Autobauer wenn überhaupt nur schwer möglich sein wird - allein schon aufgrund der Struktur des Mutterkonzerns General Motors - wollen sich die Sozialdemokraten als Retter in der Not positionieren. Das passt gut zur schon verloren geglaubten linken Kompetenz der Partei. Außerdem macht es den übrig gebliebenen Parteimitglieder Glauben, dass sie in diesem Konflikt auf der richtigen Seite des Absperrgitters stehen. Partei-Vize Andrea Nahles beispielsweise plädiert weiterhin für eine staatliche Beteiligung, obwohl dies zahlreiche Unions-Politiker ablehnen. Nahles sagte der Berliner Zeitung: "Eine europäische Opel AG darf nicht scheitern, weil der Staat sich nicht hinter Opel stellt." An die Union gewandt, betonte sie: "Mit markttheoretischen Prinzipienreitereien ist niemandem geholfen." Ähnlich äußerte sich auch Arbeitsminister Olaf Scholz.

Die Union sieht sich immer mehr in die Defensive gedrängt. Zum einen hängen an Opel mittel- und unmittelbar etwa 60.000 Jobs in Deutschland, zum anderen haben auch Landesfürsten wie etwa der hessische Ministerpräsident Roland Koch (CDU) ein Interesse an einer Opel-Rettung. Wohl auch deshalb versuchte die Kanzlerin, bei Anne Will optimistischer als bisher zu klingen. "Wir werden als Staat helfen. Das ist ganz klar", sagte Merkel. Allerdings musste sie mit Blick auf die SPD-Forderung nach einer staatlichen Beteiligung auch feststellen: "Die Absicht haben wir zurzeit nicht. Aber ich sehe auch gar nicht die Notwendigkeit."

Punktsieg für die SPD. Wie lange das neue Selbstbewusstsein der Sozialdemokraten aber anhalten wird - das ist ungewiss. Noch immer liegt die SPD in Umfragen bei Werten, die dafür geeignet sind, bei älteren Parteimitgliedern einen erhöhten Doppelherz-Konsum auszulösen. Spätestens die Europawahl wird zur Nagelprobe im Superwahljahr. Wenn es den Strategen im Willy-Brandt-Haus bis dahin nicht gelingt, das neue Hochgefühl in Wählersympathie umzuwandeln, dann droht ein neuer Depressionsschub für die heiße Wahlkampfphase im Sommer.

Von Sebastian Christ
KOMMENTARE (10 von 30)
 
Pankefuchs (25.03.2009, 19:43 Uhr)
Wichtige Frage....
.... bitte schnell beantworten!!!
Wo kommt man an die Drogen ran, um solchen Unsinn zu schreiben???
Wird sowas etwa bezahlt? Wenn ja, von wem?
STERN ade!
kasino (24.03.2009, 17:31 Uhr)
Vorwärts immer - rückwärts nimmer
Die linksradikale Kampfpresse versucht die SPD gezielt hochzuschreiben vor dem Wahltermin. Leider wird das eigentliche Ziel von Genosse Sauerland und Genosse Dummschwätzer vergessen: Errichtung einer Linksfront nach der Bundestagswahl (sie machen das nur noch nicht, da Helmut Schmidt noch lebt), aber alle Linken könnnen sich freuen in naher Zukunft wird die SPD eine Linksfront errichten.
Ich bin mir auch ziemlich sicher, dass die Menschen in Deutschland genau wie 2005 wieder SPD wählen werden bei der Bundestagswahl. Man muß eben den Menschen nur Honig ums Maul schmieren, alles bleibt wie immer, jede Reform verboten - eben getreu dem Motto von Erich Honecker Vorwärts immer- rückwärts nimmer.
Ich hoffe und wünsche mir jeden Tag, dass die SPD eines Tages so vergreist wie die SED und dann ....
sind sie endlich weg die blöden A...
sedanon (24.03.2009, 15:52 Uhr)
Ausblenden der Realität + Unfähigkeit + Egozentrik = Stärke a la "Stern"?
Sorry Stern, dieser Artikel ging voll in die Hose!
Was uns der Stern als Stärke und das Wiedererwachen des Riesens SPD verkaufen möchte ist schlicht die Ausblendung der Realität seitens der SPD (und des Stern ?) und des Kreisens der SPD um sich selbst.
Die SPD geht derzeit, verdientermaßen, an den Schröderschen Altlasten (Reformen und "aktive" Politiker) kaputt.
Die Agitation der SPD, also lautstark , jedoch nur Proforma, gegen ihre ureigensten Reformen auf die Barrikaden zu steigen, als Stärke verkaufen zu wollen, grenzt schon an Ver...äppelung des Lesers.
.
Es mag ja im Interesse des Stern zu liegen, dem Meuchelmörder der Sozialen Marktwirtschaft, also der SPD, wieder in den Sattel zu helfen, um wieder in den Genuß zu kommen, als alleinigen Zentralorgan der SPD zu gelten - mit kritischem und objektivem Journalismus hat dies aber rein gar nichts zu tun.
boletus07 (24.03.2009, 15:45 Uhr)
S(ozialabbau)Partei Deutschlands abstrafen
Die können noch so viel Zuversicht schauspielern. Der Wähler wird diese Partei, die in unvergleichlicher Weise ihre Klientel betrogen hat, abstrafen. Bleibt nur zu hoffen, dass die sich bei 18% wieder finden. Mehr haben Wählerbetrüger nicht verdient.
Nursery (24.03.2009, 13:52 Uhr)
Völliger Unsinn
Die sogenannte Stärke der SPD ist die Unfähigkeit der CDU.Dabei ist beiden nicht mehr zu helfen.Die SPD hat sich doch nach Schröder nicht einmal Programmtisch erneuert.Und Müntefering komentierend zu Hartz4:Das ist so und ist auch gut so"Na wunderbar ,man kann der SPD nur empfehlen nach der nächsten Wahl in die Opposition zu gehen.Um sich einfach mal zu fragen, wohin will ich eigentlich und was will ich eigentlich?
Caroline-NL (24.03.2009, 13:00 Uhr)
Artikel passt besser ins SPD Zentralorgan "vorwärts"
Alleine der Fall Tauss wird schon dafür sorgen, daß sich die Hochgefühle der SPD in Grenzen halten werden. Ob OPEL gerettet wird, ist noch lange nicht sicher. Der CSU Wirtschaftsminister wird da ein gehöriges Wort mitzureden haben. Da die CSU momentan immer das Gegenteil von dem fordert, was die SPD verlangt, ist zu hoffen, daß nicht weitere Milliarden in eine Autofirma gepumpt werden, die sich selbst in Zeiten des Autobooms künstlich arm gerechnet hat.
nightmare_online (24.03.2009, 10:56 Uhr)
@Watschdog39
Na Sie sind ja wieder niedlich heute.
Innenpolitik ist nun gerade der Bereich, den man jedem Dödel auf der Strasse, also auch der SPD eher anvertrauen kann als der CDU. Was sich die CDU-Innenminister von Zimmermann bis Schäuble auf diesem Gebiet im letzten Vierteljahrhundert geleistet haben, legt nahe, das man - zum Schutz der Demokratie in diesem Land - per Gesetz der CDU verbieten sollte, diesen Posten zu besetzen!
Watschdog39 (24.03.2009, 10:20 Uhr)
Gehört der Stern
auch zum Medienverbund der SPD eigenen Verlage???
Journalisten sollen die Wahrheit berichten, nicht Meinung machen!!
Verschweigen einer Tatsache ist auch eine Lüge!!!!
Wer von der SPD ist denn z.B. kompetent genug um ein Amt in der Innenpolitik zu führen?
Scholz? Gabriel? Steinmeier? Ypsilanti? *g*
Populismus und Dilettantismus; von nichts eine Ahnung, aber das Maul groß aufreißen. Wie so manche Kommentare vom Stern, wo sich Jungspunde ihre ersten Sporen verdienen.
JanvanHelsing (24.03.2009, 09:17 Uhr)
Aber 16 Jahre Kohl
waren gut für D-land??
--
Wenn CDU Politiker nach Amiland fliegen wg. OPEL ist das kein Wahlkampfgetöse???
--
Wer hat denn den Rententopf leergefördert mit sinnfreien Projekten im Osten???
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Wer hat denn den Solizuschlag eingeführt, weil das Geld aus der Rentenkasse nicht gereicht hat ???
---
Schon vergessen???
--
Es war die Koalition aus CDU/CSU und FDP.
--
na noch Alternativen zum wählen ???
nightmare_online (24.03.2009, 08:40 Uhr)
Mir scheint ...
es handelt sich um "gefühlte" Zuwächse und um "gefühlte" Sympathie. Die Umfragen (nicht nur bei Forsa) geben jedenfalls nichts von dem her, was der Autor beschreibt. Und woher sollte der Zuwachs der sPD auch kommen? Der Bürger hat die Politik dieser Partei in den letzten 10 Jahren am eigenen Leibe erfahren. Das einzige was der SPD Wähler zutreiben könnte, ist die Drohung, die Marktradikalen von der FDP könnten an die Regierung kommen.
Nur: eine Alternative existiert nicht. Bei den Wahlen im Herbst entscheidet der Bürger NICHT über die Frage wer Bundeskanzler wird, sondern ausschliesslich über die Frage, wer Aussenminister wird. Und die Alternativen sind erbärmlich.
In Abwandlung eines Spruches von Volker Pispers: Wenn jemand sich mit einer Pistole vor mich stellt und fragt "Westerwelle oder Steinmeier?", dann sag ich: "Schiess doch!"
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