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9. August 2009, 08:26 Uhr

Wer uns wirklich regiert

Sie haben mehr Macht als Minister, entscheiden über Banken, Firmen und Milliarden: Ein Beamten-Duo steuert Deutschland fast im Alleingang durch die Krise. Von Andreas Hoffmann

Zoom
Weidmann, Merkel, Asmussen, Steinbrü,ck

Enge Verbindung: Weidmann (r.) und Asmussen beim Empfang des Bankenverbands im Berliner Bode-Museum© Michael Trippel

Kennen Sie eigentlich Jörg Asmussen? Oder Jens Weidmann? Nein? Sollten Sie aber. Denn die beiden gehören zu den derzeit mächtigsten Männern der Republik. Angela Merkel zum Beispiel eröffnet Gesprächsrunden schon mal mit der Bemerkung: "Wo ist der Weidmann? Vorher können wir nicht anfangen." Und wenn Finanzminister Peer Steinbrück einen Fehler gemacht hat, sagt er oft: "Herr Asmussen muss mich korrigieren." Der sitzt fast immer daneben.

Jetzt sitzt Jörg Asmussen, 42, in seinem Büro und schaut tief in eine Tasse Kräutertee. Mächtig? Ach, Macht. Er mag das Wort nicht, sagt er. Klingt ihm zu monströs. "Ich bereite politische Entscheidungen nur vor. Ich treffe sie nicht." Seine Haare sind kurz geschoren, als trüge er eine graue Kappe als Frisur. Er spricht langsam, wägt jedes Wort. Erneuter Blick in die Tasse. "Das ist die Aufgabe des Ministers." Gleich muss Asmussen aufbrechen. Die Kanzlerin wartet.

Krisenmanager? "Ich sehe mich nicht als Krisenmanager", sagt Jens Weidmann. Er spricht laut, was selten geschieht. "Ich bin Beamter, der für Politiker Optionen prüft und vorbereitet." Erst gegen 23 Uhr wird ihn der Fahrer nach Hause bringen, Weidmann, 41, wird einige Hundert Meter vor der Wohnung aussteigen, den Rest laufen und dabei den zurückliegenden Tag durchdenken. Seine Gedanken werden sich, wie an allen Tagen, um Milliarden drehen.

Sie reden sich klein

Peer Steinbrücks Staatssekretär und Angela Merkels Abteilungsleiter Wirtschaft sprechen nicht gern über ihre Rolle in der Wirtschafts- und Finanzkrise - und wenn, dann reden sie sie klein. Dabei gibt es in der Geschichte der Bundesrepublik kein einflussreicheres Beamten-Duo als sie. Die beiden denken vor, was Kanzlerin und Finanzminister exekutieren. Sie können praktisch im Alleingang über das Überleben von Firmen und Finanzinstituten entscheiden und unvorstellbare Summen Steuergeld verteilen: 480 Milliarden Euro zur Bankenrettung im "Lenkungsausschuss" des Sonderfonds Finanzmarktstabilisierung (Soffin); 115 Milliarden Euro, um mithilfe eines staatlichen Bürgschaftsprogramms Unternehmen vor der Pleite zu bewahren.

Opel, Hypo Real Estate (HRE), Arcandor, Commerzbank, Bad Banks - überall haben die beiden im Hintergrund die Fäden gezogen.

"Asmussen und Weidmann haben mehr Macht als Minister", sagt die Grünen-Finanzpolitikerin Christine Scheel.

Ein kleines Schattenkabinett

Die zwei Beamten regieren insgeheim ein kleines Schattenkabinett, das während der Krise in einer Nische der Macht entstanden ist, unbehelligt von der Öffentlichkeit, kaum kontrolliert vom Bundestag. Walther Otremba gehört noch dazu, 57, Staatssekretär im Wirtschaftsministerium. Ihre Macht tarnen sie, um sie zu erhalten - schließlich möchte kein Spitzenpolitiker als Beamtenmarionette gelten. Nach Fehlern droht ihnen allenfalls der politische Ruhestand, finanziell meist gut gepolstert.

Asmussen, Weidmann, Otremba denken ähnlich. Reden ähnlich. Entscheiden ähnlich. Dabei gehört Otremba der CDU an, Asmussen der SPD, Weidmann ist parteilos. "Wir kloppen uns überhaupt nicht. Wir diskutieren Sachpunkte", sagt Otremba.

Wichtigster Helfer des Trios ist Axel Weber, 52, Bundesbankchef. Er besitzt genaueste Informationen über die Finanzmärkte. Sitzt oft im echten Kabinett dabei. Und leitet Sätze zuweilen ein mit: "Ich und die Bundeskanzlerin …"

Gefunden in ... Stern Stern
Ausgabe 32/2009

Seite 1: Wer uns wirklich regiert
Seite 2: Brandstifter zum Feuerlöschen
Seite 3: Die Banker mögen Asmussen
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