Grünen-Politiker Kuhn siegt in Stuttgart

21. Oktober 2012, 18:45 Uhr

Die Grünen haben eine weitere CDU-Bastion gestürmt: Fritz Kuhn wird Oberbürgermeister in Stuttgart. Damit kehrt der 57-Jährige zu den Wurzeln seiner langen, politischen Karriere zurück.

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Als erster Grünen-Politiker ist Fritz Kuhn zum Oberbürgermeister einer Landeshauptstadt gewählt worden.©

Für Fritz Kuhn ist es eine Heimkehr: Er gehörte vor mehr als 32 Jahren zu den Gründungsmitgliedern der Grünen in Baden-Württemberg. Vor rund zwölf Jahren verließ der Grünen-Realo Stuttgart, um in der Bundespolitik mitzumischen. Kuhn war Parteichef der Bundes-Grünen und Fraktionschef im Bundestag. Nun beschließt der 57-Jährige seine politische Karriere in Stuttgart - und schreibt als erster grüner Oberbürgermeister einer Landeshauptstadt Geschichte.

Manche sagen, was Winfried Kretschmann vor eineinhalb Jahren im Großen machte, als er erster grüner Ministerpräsident wurde, vollzieht Kuhn nun im Kleinen. Seit fast 40 Jahren war der OB-Posten in Stuttgart eine CDU-Bastion. Bereits Kuhns langjähriger Weggefährte Rezzo Schlauch wollte den Chefsessel 1996 erobern - und lag damals knapp hinter seinem CDU-Konkurrenten Wolfgang Schuster. Kuhn und Schlauch galten damals als "Asterix" und "Obelix".

Kuhn als "Fischers Fritz"

Aus Kuhn wurde dann später "Fischers Fritz" - wegen seiner Nähe zum damaligen Außenminister Joschka Fischer. Kuhn gilt als Vordenker des Realo-Flügels seiner Partei. Zahlreiche Strategiepapiere hat er für sie verfasst. Auf die Frage, ob ein Intellektueller zum Stuttgarter OB-Posten passe, antwortete Kuhn vor einigen Monaten in einem Interview: "Wenn wir das Wort intellektuell einfach als Nachdenken verstehen, dann ist das eine urschwäbische Eigenschaft."

Kuhn, der Philosophie und Germanistik in Tübingen und München studierte, gilt zwar als rhetorisch und intellektuell versiert, aber nicht unbedingt als volksnah. Auf Menschmassen reagiert er zurückhaltend - als Mensch ist er eher ein ernster Typ. In einem Interview der Wochenzeitschrift "Kontext" meinte Kuhn dazu im vergangenen März: "Ich bin nicht cool. Ich bin ein reflektierter, unaufgeregter Typ, der über ein bestimmtes Maß an Bescheidenheit und Gelassenheit verfügt. Lieber nochmal nachdenken und dann sprechen als umgekehrt."

Kuhn versteht sich als Wertkonservativer, der die Bezeichnung "bürgerlich" so definiert: "Wenn man darunter spießig versteht, trifft es auf mich nicht zu. Wenn man darunter den Menschen versteht, der sich in die Belange des Gemeinwesens einmischt, im Sinne eines Citoyen, dann hat das einen anderen Klang. So verstehe ich mich." Damit ist Kuhn offenbar auch im bürgerlichen Lager anschlussfähig.

"Am liebsten Kässpätzle und Risotto"

Als OB wolle er sich im Ernstfall auch mit der grün-roten Landesregierung anlegen, um die Interessen der Stadt zu vertreten, hat er angekündigt. Seine Vision für Stuttgart ist eine Stadt, in der sich Ökonomie, Ökologie und soziale Gerechtigkeit verbinden. "Mit grünen Ideen schwarze Zahlen schreiben", stand auf einem seiner Plakate. Im Streit um das Bahnprojekt Stuttgart 21 will er ausgleichend wirken, das Projekt selbst aber kritisch begleiten.

Im Bundestag war es zuletzt ruhig um den 1955 in Bad Mergentheim geborenen Grünen geworden. Den Posten als Vize-Fraktionschef legte er im Frühjahr nieder, um sich auf die OB-Kandidatur konzentrieren können. Kuhn, der nach wie vor ein Bundestagsmandat innehat, ist verheiratet und hat zwei Söhne. Zu seinen Hobbys sagt er: "Ich treibe regelmäßig Sport (Laufen), lese gerne Romane und koche urschwäbisch und italienisch, am liebsten Kässpätzle und Risotto."

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