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8. Juli 2010, 16:40 Uhr

Dirk Niebel - mit Mütze und Chuzpe

Mit schmissigen Marketingformeln kündigte Dirk Niebel, FDP, eine Fusion der deutschen Entwicklungshilfe-Organisationen an. Doch eigentlich ging es ihm um Werbung in eigener Sache. Von Christoph Cöln

Entwicklungspolitik, FDP, Dirk Niebel, Heidemarie Wieczorek-Zeul, Sascha Raabe, Ute Koczy, Ulrich Post, Welthungerhilfe, SPD, Grüne, GTZ, Inwent, DED

Mützenmann: Entwicklungshilfeminister Dirk Niebel, FDP© Marcel Mettelsiefen/EPA

Nicht mal ein Jahr ist Dirk Niebel jetzt im Amt. Seitdem hat er bereits die größtmögliche Menge Porzellan zerschlagen. Bei seinem Amtsantritt schwadronierte er darüber, dass sich Entwicklungspolitik überflüssig machen müsse. Die bis 2015 anvisierte Aufstockung des Entwicklungs-Etats auf 0,7% des Bruttosozialprodukts hält er, wie er sagt, für "ziemlich sportlich". Und erst kürzlich erregte er während einer Auslands-Reise wieder Aufsehen als er mit seinem flotten Landser-Käppi durch Afrika lief.

Man muss wissen: Niebel war mal Fallschirmjäger, die Bundeswehr hat ihn geprägt. Er liebt klare Ansagen. In den vier Jahren als FDP-Generalsekretär konnte er dieses Hobby ausleben, in schöner Regelmäßigkeit ritt er verbale Attacken gegen die damalige Bundesregierung. Von Entwicklungspolitik hatte Niebel keine Ahnung. Bis zu seinem Amtsantritt. Jetzt behauptet der Entwicklungsminister kess, er habe in nur acht Monaten mehr geschafft als seine Vorgängerin in acht Jahren.

Die kleine Lösung

Um das unter Beweis zu stellen trat Niebel am Mittwoch in Berlin vor die Presse und stellte die Pläne für eine entwicklungspolitische Strukturreform vor. Dabei warb er vor allem: für sich selbst. Künftig werden die drei großen deutschen Entwicklungshilfe-Organisationen GTZ (Gesellschaft für technische Zusammenarbeit), DED (Deutscher Entwicklungsdienst) und Inwent unter einem Dach arbeiten. Das soll die Effizienz erhöhen. War es bisher so, dass bei den Verhandlungen im Ausland immer mehrere deutsche Institutionen am Tisch saßen, soll Deutschland nun mit einer Stimme sprechen. Es soll eine richtige Fusion sein, Doppelstrukturen werden zusammengelegt, materielle Kürzungen soll es trotzdem nicht geben. Die neu entstehende Organisation heißt Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ). Niebel fand, das sei ein "riesengroßer Tag für die Entwicklungspolitik". Und er prophezeite weiter: "Die Mitarbeiter werden heute vor Freude auf den Dächern tanzen." Wie Mitarbeiter das eben machen, wenn ihr Unternehmen auf den Kopf gestellt wird.

Tatsächlich setzt die schwarz-gelbe Regierungskoalition damit eine Reform um, an der sich sowohl Rot-Grün als auch die Große Koalition vergeblich versucht hatten. Allerdings plante Niebels Vorgängerin Heidemarie Wieczorek-Zeul, SPD, die große Lösung. Sie wollte nicht nur die Organisationen der technischen Zusammenarbeit fusionieren, sondern auch die finanzielle Entwicklungsförderung, angesiedelt bei der Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW), integrieren. Das scheiterte zum einen an der Finanzkrise, zum anderen am Unwillen des damaligen Wirtschaftsministers Karl-Theodor zu Guttenberg. Zu Guttenberg hätte der Elefantenhochzeit seinen Segen geben müssen, weigerte sich aber, weil die Große Koalition schon in den letzten Zügen lag. Was Niebel nun als großen Wurf verkauft, ist in Wirklichkeit also nur die längst überfällige Minimallösung.

Wenn's ums Geld geht ...

"Sicher ist diese kleine Lösung wichtig, aber sie geht nicht an den Kern des Problems", sagt die entwicklungspolitische Fraktionsprecherin der Grünen, Ute Koczy zu stern.de. "Es ist nicht die weitestgehende Reform, die nötig wäre, um wirklich zu einem einheitlichen Auftreten gegenüber den Partnerländern zu kommen." Weil es eben weiterhin so sein wird, dass auf deutscher Seite technische und finanzielle Entwicklungshilfe getrennt voneinander agieren. Eine "One-Face-To-One-Customer"-Politik, wie der Minister das in schönstem Marketingdeutsch nennt, sieht anders aus. Zumal er die baldige Integration beider Bereiche ausschließt. "Das wäre ein zu komplexes Vorhaben", so Niebel. Für Sascha Raabe, entwicklungspolitischer Sprecher der SPD-Fraktion, ist das eine Unterlassungssünde. "Es ist grober Unfug, wenn man die KfW auf Dauer nicht in dieses neue Konzept integriert. Das schadet dem internationalen Ansehen Deutschlands. Wir werden dafür von der OECD kritisiert." Tatsächlich ist Deutschland das einzige Land weltweit, dass sich diese Trennung entwicklungspolitischer Infrastruktur leistet.

Und auch bei der finanziellen Ausstattung der Entwicklungshilfe sieht es im bundesdeutschen Haushalt mau aus. Finanzminister Wolfgang Schäuble, CDU, bekräftigte, dass das 0,7%-Ziel wohl nicht erreichen werde. Es herrscht Sparzwang allerorten und zwischen den Ressorts tobt der Verteilungskampf. Das Entwicklungsministerium, das in enger Abstimmung mit dem Finanz- und Wirtschaftsministerium operiert, hat da schlechte Karten. Das sieht auch Ulrich Post, entwicklungspolitischer Sprecher der Welthungerhilfe, so: "Niebel hat wohl erwartet, dass die Handlungsspielräume, die er im BMZ hat, größer sind, als sie es tatsächlich sind", sagte er stern.de.

Wohltätigkeit oder Außenwirtschaftsförderung?

Aber Niebel sieht die Entwicklungspolitik ohnehin nicht als Wohltätigkeitsbetrieb, sondern als Möglichkeit, dem eigenen Land Gutes zu tun. Wenn aus dem entwicklungspolitischen Engagement seines Ministeriums ein Joint Venture für die deutsche Wirtschaft entstehe, begrüße er das, sagte der Minister in Berlin. "Das zu fördern gehört sogar zu meinen genuinen Aufgaben." Ulrich Post von der Welthungerhilfe sieht das anders: "Was mich stört ist, dass Niebel den deutschen Nutzen der Entwicklungspolitik zu sehr in den Vordergrund stellt. Das BMZ ist aber kein Ministerium für Außenwirtschaftsförderung." Post sagt, die deutsche Entwicklungspolitik müsse sich wieder mehr zum Anwalt der Armen machen.

Doch Niebel betreibt Entwicklungspolitik lieber so, wie er auch seine bisherigen Jobs gemacht hat: mit viel Eigenlob und seiner Bundeswehr-Mütze. Er trägt die aus Überzeugung. Das passt nicht immer so gut. Einer, der mit ihm auf Reisen geht, drückt es so aus: "Es zeugt nicht gerade von Feingefühl, wenn er mit dieser Mütze in Kambodscha auf den Killing Fields rumläuft."

Von Christoph Cöln
 
 
KOMMENTARE (10 von 10)
 
hotte_m (09.07.2010, 09:02 Uhr)
schön,
nicht nur auszusehen wie eine Schiessbudenfigur !
@admin
nun aber schnell löschen!!!
Administrator (09.07.2010, 08:28 Uhr)
@zivilcourage
Das Schreiben in Großbuchstaben wird online gemeinhin als Schreien interpretiert. Ihre Meinung können Sie gern sagen - aber sachlich formuliert.
Kroko (08.07.2010, 23:30 Uhr)
Niebel
täte besser daran, weiter Fallschirme zu jagen...
Ich wette, er kriegt keinen einzigen..,9
gruß
zivilcourage (08.07.2010, 20:32 Uhr)
@administrator
... sie haben ich schreien gehoert ...?

wow !!!

Beleidigung ? - auch sie sollten mal lernen, das kind beim namen zu nennen, dann haetten wir solche typen und gruppierungen nicht, die das land kaputt machen - das nennt man zivilcourage . sie haben wohl andere vorgaben von ihren eignern

sie tragen dazu bei. als deutscher bin ich beleidigt und beschaemt ....

sie solltensich mal auf hintergruende und wahrheiten zu diesen typen fokussieren wie es der stern mal frueher, vor bertelsmann, getan hat
Zorro01 (08.07.2010, 18:48 Uhr)
Dirk Niebel ist überflüssig
Sein Ministerium auch.

Seine Partei sowieso.

Warum lösen wir das Ministerium nicht einfach auf, wie von der FDP höchstselbst vor der Wahl gefordert, und bauen mit seinem beachtlichen Etat ein paar schöne Kindergärten, Schulen und Universitäten, und zwar hier in Schland.

Den Verlust der vielen Dankesbriefe aus China und anderen bedürftigen Regionen dieser Welt werden wir natürlich schmerzlich zu verkraften haben.

Dirk Niebel weiß das natürlich auch.
Sein Problem jedoch ist: er wird dann keinen Sessel mehr haben.

Zum reinpupsen.
Tomatstern (08.07.2010, 18:28 Uhr)
Immer am falschen Ort - Niebel's Ego-Tour
Niebel zeigt bei seiner Ego-Tour immer den latenten Drang und Hang zum Militarismus.
Irgendwie bekommen die FDP Minister auch ihre eigene Ressort-Zuordung nicht gebacken.
Westerwelle, spielt zwischendurch Finanz- und Wirtschaftsminister und Niebel tummelt sich auf dem Spielplatz vom Graf.
Nicht einmal das Klientel der FDP hat dafür Verständnis und straft den Haufen mit unter 5% ab.
Die FDP ist zu einem Verein der Selbstdarsteller verkommen und der Steuerzahler kommt dafür auf.
Ach ja Rösler - der spielt Ankündigungsminister - denn gemessen an seinen eigenen Worten müsste der ja schon längst wieder seinen eigen Sessel geräumt haben.
meriva (08.07.2010, 18:24 Uhr)
Verlogen!
Dieser Mensch wollte vor seiner Wahl das Entwicklungsministerium abschaffen (Ausgaben!), weil es unnötig sei. Jetzt ist er selbst der Minister und verursacht mehr Kosten als vorher. Was doch Karrieregeilheit alles schafft!
undueberhaupt (08.07.2010, 17:42 Uhr)
Fallschirmjäger bei der Bundeswehr
Da kenne ich noch einen, der war noch ein Zahn schärfer als der jetzige Entwicklungsminister. Man hat denjenigen auch nahegelegt aus der Freien Demokratischen Partei aus zutreten, was er auch tat. Danach ist er beim Fallschirmsprung
tödlich abgestürzt.
Administrator (08.07.2010, 17:37 Uhr)
@zivilcourage
Schreien + Beleidigungen = Löschung des Kommentars. Bitte argumentieren Sie sachlich.
audio001 (08.07.2010, 16:51 Uhr)
Irgendjemand hat ihn ja zum Minister gemacht!
Wenn man sich als unbedarfter Bürger die Vita von Herr Niebel anschaut, fragt man sich schon, welche berufliche Erfahrung (die aus einer Tätigkeit als Arbeitsvermittler beim Arbeitsamt Heidelberg?) ihn qualifizieren, eine Behörde mit 600 MitarbeiterInnen und einem Etat von 5,814 Milliarden Euro zu führen?
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