30. Dezember 2012, 08:47 Uhr

Saudi-Arabien will noch mehr deutsche Panzer

Die Bundesregierung hat laut einem Zeitungsbericht grünes Licht für einem weiteren Waffendeal mit Saudi-Arabien gegeben. Der Golfstaat ist an bis zu 100 ABC-Spürpanzern vom Typ "Dingo 2" interessiert.

Panzer, Saudi-Arabien, Deutschland, Waffenhandel, Bundessicherheitsrat, Merkel, Waffendeal, Waffen, Dingo,

Saudi-Arabien will langfristig bis zu 100 ABC-Spürpanzer vom Typ Dingo 2 erwerben. Es die dritte Anfrage des Golfstaats innerhalb kurzer Zeit nach deutschen Rüstungsgütern.©

Saudi-Arabien soll laut einem Zeitungsbericht Interesse an einem weiteren Rüstungsgeschäft mit Deutschland angemeldet haben. Riad wolle für 100 Millionen Euro zunächst 30 ABC-Spürpanzer vom Typ "Dingo 2" kaufen und sei langfristig an bis zu 100 Modellen interessiert, berichtet die "Bild am Sonntag". Der geheim tagende Bundessicherheitsrat habe seine Zustimmung signalisiert und damit den Weg für Verhandlungen der Hersteller mit den Saudis freigemacht, das Geschäft aber noch nicht endgültig genehmigt.

Rüstungsgeschäfte mit dem autoritär geführten Land sind wegen der dortigen Menschenrechtsverletzungen höchst umstritten. Erst Anfang des Monats hatte ein "Spiegel"-Bericht über eine Anfrage Saudi-Arabiens nach mehreren hundert Radpanzern "Boxer" für Aufregung gesorgt. Nach einem früheren Bericht des Magazins ist Riad auch an bis zu 200 Kampfpanzern "Leopard" interessiert. Die Bundesregierung äußert sich zu solchen Berichten üblicherweise nicht.

Panzer zum Schutz vor Angriff aus Iran

Die zur Aufklärung atomarer, biologischer und chemischer Angriffe (ABC) ausgerüsteten "Dingos" sollten die 36 Spürpanzer vom Typ "Fuchs" ersetzen, die Thyssen 1991 an Saudi-Arabien geliefert habe, berichtet die "BamS". Mit dem Kauf wolle sich Riad auch auf einen befürchteten Angriff durch den Iran vorbereiten. Für die Verhandlungen habe das zuständige Bundesamt für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle (BAFA) einen positiven Vorbescheid an den Hersteller Krauss Maffei Wegmann geschickt, der den Spürpanzer mit der Firma Bruker Daltonik aus Leipzig produziere. Die Verhandlungen mit dem saudischen Verteidigungsministerium stünden nun kurz vor dem Abschluss.

Das zuständige Bundeswirtschaftsministerium habe auf Anfrage der Zeitung lediglich mitgeteilt, dass "die Bundesregierung grundsätzlich keine Angaben zu Voranfragen über die Genehmigungsfähigkeit bestimmter Ausfuhrvorhaben macht".

Für Merkel sind Saudis "Stabilitätsfaktor"

Trotz massiver Kritik der Opposition hatte Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) sich erst Anfang des Monats zu Rüstungsgeschäften mit Ländern wie Saudi-Arabien bekannt. Aus Sicht der Bundesregierung sei das Königreich ein "Stabilitätsfaktor", hatte sie Regierungssprecher Steffen Seibert erklären lassen.

Im vergangenen Jahr wurden Kriegswaffen im Wert von 30 Millionen Euro aus Deutschland nach Saudi-Arabien exportiert. Genehmigt wurden sogar Ausfuhren für 140 Millionen Euro. Dazu gehören unter anderem Bodenstationen für unbemannte Fluggeräte, Kampfflugzeug-Teile und Munition etwa für Granatwerfer, Haubitzen oder Mörser. Solche Geschäfte werden bislang erst mit monatelanger Verzögerung im Rüstungsexportbericht der Bundesregierung veröffentlicht.

kng/DPA
 
 
MEHR ZUM ARTIKEL
Rüstungsgeschäfte Grüne warnen Regierung vor Saudi-Deal

Ein mögliches neues Rüstungsgeschäft mit Saudi-Arabien erregt die Grünen. Parteichefin Roth sieht bei Kanzlerin Merkel einen Paradigmenwechsel in der Außenpolitik - hin zu Waffen und Militär.

Fragwürdiger Waffendeal Saudi-Arabien will deutsche "Boxer"-Panzer kaufen

Wirbel um möglichen Waffendeal mit Saudi-Arabien: Ein deutscher Radpanzer soll laut "Spiegel" die "Königliche Garde" aufrüsten. Pikant: Die Fahrzeuge könnten auch bei Aufständen zum Einsatz kommen.

Deutsches Engagement in Saudi-Arabien Panzer, Polizisten, Probleme

Deutscher Problempartner Saudi-Arabien: Der Panzerdeal trifft auf breite Ablehnung bei den Bürgern und auch eine weitere Allianz mit den Saudis sorgt nach stern-Recherchen für Ärger.

Aufrüstung auf See China bestückt U-Boote mit Atomwaffen

Im Reich der Mitte wird aufgerüstet: US-Experten zufolge ist China innerhalb der nächsten zwei Jahre in der Lage, seine Unterseeflotte mit Atomsprengkörpern auszurüsten.

 
 
 
stern - jetzt im Handel
stern (22/2013)
Hoffen oder handeln?