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12. Januar 2010, 13:03 Uhr

Der Westerwelle-Bändiger

Er ist der schwarze Zuchtmeister, der Mann, der der FDP die Steuerflausen austreiben soll: Finanzminister Schäuble. Freunde macht er sich so keine - aber ihm geht's ohnehin längst um mehr. Von Hans Peter Schütz

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Der starke Mann im Kabinett: Finanzminister Wolfgang Schäuble© JOHN MACDOUGALL/AFP

Wer wäre der stärkste Mann im schwarz-gelben Kabinett, träten die Minister zum Armdrücken an? Man ist sehr versucht zu antworten: Der Rainer Brüderle, weil der am meisten Masse an den Tisch mitbringt. Oder der sportive Freiherr zu Guttenberg, noch mit juvenilen Kräften ausgestattet.

Der beste Sieger-Tip wäre jedoch: Wolfgang Schäuble. In seinem letzten Sylt-Urlaub ließ er sich zum Spaß auf einer Party Schulter- und Oberarmmuskeln abtasten. Eisenhart. Der Mann im Rollstuhl muss sich nach dem Attentat vor 19 Jahren tagtäglich trainieren, um von der Stelle zu kommen. Geschoben zu werden, hasst er. Dieser Schäuble ist allerdings auch auf politischer Ebene der stärkste Mann der schwarz-gelben Regierung. Wenn Angela Merkel, Horst Seehofer und Guido Westerwelle am Sonntag im Kanzleramt zusammensitzen, um für die Koalition Wege aus der Krise zu suchen, sitzt er indirekt mit am Tisch. Und das Führungs-Trio weiß auch genau, was mit Schäuble nicht geht: Eine Steuerreform 2011, die die Staatskasse 20 Milliarden kostet. Die CDU steht inzwischen fast geschlossen zu ihrem Finanzminister. Die CSU nimmt gerade die Kurve zu ihm. Nur die Liberalen wollen von ihren Steuerplänen nicht lassen.

Schäubles Botschaft lautet: So nicht!

Fast tagtäglich teilt Schäuble jedoch der FDP mit: So nicht! Das Projekt Steuersenkung muss verschoben werden. Schnörkellos warnt er auch die Bürger: Versprecht euch nicht zu viel von der kommenden Steuerreform - egal, was die FDP verspricht. Vom FDP-Vorschlag eines Stufentarifs hält er wenig bis nichts. Die Steuerreform, so sagt er intern gerne, steht zwar im Koalitionsvertrag. Wie sie aber umzusetzen sei, das entscheide sich am Tisch des Finanzministers.

Viele dürften sich wundern, weshalb Angela Merkel einen Politiker an die Spitze des Schlüsselressorts Staatsfinanzen geholt hat, das über ihren Erfolg und Misserfolg in den nächsten vier Jahren entscheidet. Schließlich hätte Schäuble vielfach Grund, ihr im Rückblick auf die gemeinsamen politischen Zeiten böse zu sein. Sie hat in ihrem Schachspiel um die Macht an seinem Sturz als CDU-Chef und Fraktionsvorsitzender der CDU/CSU mitgewirkt, weil sie wusste, dass er im Getümmel um Kohls Schwarzgeldaffäre im Bundestag einmal nicht bei der Wahrheit geblieben war. Damit brachte sie ihn um seine letzte Chance, doch noch Kanzler zu werden. Sie benutzte ihn geradezu intrigant als Spielmaterial im Poker um das Amt des Bundespräsidenten. Sie hintertrieb seine Kandidatur als Spitzenkandidat der Berliner CDU fürs Amt des Regierenden Bürgermeisters.

Doch die Machtphysikerin Merkel weiß auch, was die wichtigste Eigenschaft des Mannes ist, den sie so oft als Bauernopfer gedemütigt hat: Er kann bis zur Selbstbeschädigung loyal sein, auch gegenüber Partnern, die - wie einst Helmut Kohl - diesen Charakterzug rücksichtslos zum eigenen Vorteil ausbeuten. Einen besseren Minister hätte Merkel also fürs Finanzressort nicht finden können. Von der Sachkunde her betrachtet sowieso nicht. Als junger Mann hat er selbst in der Steuerverwaltung gearbeitet, als Oberregierungsrat. Kein Politiker kann zudem einen vielfältigeren politischen Ämterweg vorweisen. Fraktionschef, Parteivorsitzender, Kanzleramtsminister, zweimal Innenminister. Die so genannten Petersberger Beschlüsse, mit denen die CDU schon einmal in den 90er Jahren eine große Steuerreform wagen wollte, stammen aus Schäubles Kopf.

Seite 1: Der Westerwelle-Bändiger
Seite 2: Rücktrittsgedanken sind ihm fremd
 
 
KOMMENTARE (8 von 8)
 
klostermann (14.01.2010, 13:14 Uhr)
Wer bändigt wen und wie?
Ein Bundesfinanzminister vermag sehr vieles. Aber, ich denke, zum Bändigen gehören zwei: einer, der bändigt und einer, der sich bändigen lässt.
Für die Traditionsbataillone aus den Kirchen, dard die Kirchensteuer steuermindernd bei Lohn- und EK-Steuer abgezogen werden. Kostet 4,5 Mrd. ?; Agrarsubventionen um mindestens 5 Mrd ? überhöht (EU, plus Bund plus Länder); dann Dinge wie Flugbenzin voll versteuern, Beamtenprivilegien ausmerzen usw. Es
wären dann noch 20-30 weitere Brocken aufzulisten, die der Union sehr weh täten.
FDP könnte ohne weiteres die Gegenfinanzierung für deutliches Steuer-Minus aufzeigen. Very easy.
Union würde dann der Kaffee nicht mehr schmecken.
Überhaupt: Was sucht dieser fachfremde bürger- und freiheitsabbauende Ex-Innenminister im Finanzressort? Keinerlei Fachkompetenz! Nur ruppige Art und Wichtigtuer-Kotz!!
nightmare_online (14.01.2010, 09:30 Uhr)
Chaos und Dilettantismus
Heute steht im Handelsblatt

http://www.handelsblatt.com/politik/deutschland/merkel-interview-ich-stelle-die-steuerreform-nicht-infrage;2512324

ein Interview von Merkel, in dem sie sagt das die Steuersenkungen kommen werden. Währenddessen verkündet ihr Finanzminister, das genau dies nicht passieren wird.
Was für einen Chaotenhaufen habt ihr da an die Regierung gewählt, liebe Mitbürger?
sauluspaulus (12.01.2010, 19:17 Uhr)
@saulus
ja, saulus ist schon besetzt, eben so paulus.
nehmen sie es als hommage an den geehrten herrn ackermann...
Johann58 (12.01.2010, 16:44 Uhr)
@tempelhofer
man wird den Verdacht nicht los, dass Sie nicht einen einzigen Artikel im Stern ueberhaupt gelesen habe. Sie sehen eine Ueberschrift und kommentieren mit Copy und Paste irgendeinen Text, der nicht mit dem Inhalt des Artikels zu tun hat sondern lediglich eine stereotype Kritik am Stern. Ihre Kommentare lassen sich auf 0 Buchstaben begrenzen; Einfach nichts schreiben.
Sonnenstrahl (12.01.2010, 16:34 Uhr)
Informationen, die Ihnen die Augen öffnen!
Das Tischtuch scheint zerrissen: Vier CDU-Granden haben Angela Merkel den Scheidebrief geschrieben. Was freilich niemand erfährt: Das Ganze ist ein abgekartetes Spiel. Merkel war nicht einmal offizielle Kanzlerkandidatin der Union für die Bundestagwahl 2009. Ein Versprechen an den Wähler, dass sie nach der Wahl Kanzlerin bleiben würde, gab es daher nicht. Im Hintergrund wartet bereits die Nr. 2 in der Union, der Schwarze Riese Roland Koch. Beschrieben wird die Operation in zwei neuen Büchern von Gerhard Wisnewski: Dem neuen Kritischen Jahresrückblick auf das Jahr 2009 und in »Drahtzieher der Macht« über die Globalisten-Konferenz der Bilderberger, an der Roland Koch 2009 teilnahm.
http://info.kopp-verlag.de/news/koch-neuer-bundeskanzler-neue-wisnewski-buecher-beschreiben-szenario-fuer-sturz-von-merkel.html
saulus (12.01.2010, 16:27 Uhr)
Der schwarze Sheriff Schäuble
Genau deswegen wurde Schäuble ja zum Finanzminister gemacht. Einer muß dem Volk ja verkünden, dass aus den vollmundigen Vorwahl-Steuersenkungsversprechen nun leider nichts wird. Jedenfalls gibt es keine Steuerentlastungen für das arbeitende Volk. Manager und Banker bekommen natürlich was sie als Leistungsträger unserer Gesellschaft verdienen, nämlich den pickeligen Arsch vergoldet. Und dafür ist der alte Haudegen Schäuble wie gemacht, hat ja schon als Innenminister vom Leder gezogen wie ein großer.

@sauluspaulus
Ihr Nickname ist einfach schrecklich!
sauluspaulus (12.01.2010, 15:46 Uhr)
@Tempelhofer
und sie?
sie haben wohl nichts anderes zu tun, als immer und immer wieder diese texte zu kommentieren?!?
aber wahrlich ist dieser artikel nichts inhaltsvoll.
Tempelhofer (12.01.2010, 15:26 Uhr)
@ Stern.de
Es ist schon wirklich erstaunlich, wie Sie ein Nachrichtenblatt ohne Nachrichten machen.

Es reicht völlig aus, einfach Informationen von anderen Zeitungen nachzudrucken, oder bereits seit Tagen bekannte Informationen mit jeweils geänderten Überschriften endlos zu wiederholen.

So können Sie sich ohne irgendwelche Neuigkeit tagelang über Wasser halten. "Schäuble bändigt Westerwelle", dann heisst es "die Westerwelles schlagen zurück", dann kommt "Westerwelle kritisiert Schäuble", anschließend "Schäuble sieht sich Kritik von Westerwelle ausgesetzt", usw. Das hat schon was von einer Soap. Dabei schreiben Sie nur immer das gleiche.

Der tatsächliche Nachrichtenwert Ihrer heutigen Ausgabe liesse sich eigentlich auf max. 100 Wörter begrenzen.
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