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22. März 2010, 13:49 Uhr

CSU legt eigenes Modell vor - und blitzt ab

Vorstoß der CSU im Streit über die Gesundheitsreform: Bayerns Fachminister Markus Söder hat einen Kompromissvorschlag ohne Kopfpauschale vorgelegt. Ein Treffen mit Gesundheitsminister Philipp Rösler brachte aber keine Annäherung.

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Setzt sich für ein Gesundheitssystem ohne Kopfpauschale ein: Bayerns Gesundheitsminister Markus Söder© Andreas Gebert/DPA

Im Koalitionsstreit über die Einführung einer Kopfpauschale beim Krankenkassenbeitrag geht die CSU jetzt mit einem Alternativvorschlag in die Offensive. Der bayerische Gesundheitsminister Markus Söder will den allgemeinen Beitragssatz von 14,9 auf 14,0 Prozent senken. Zusätzlich sollen die Versicherten einen einkommensabhängigen Zusatzbeitrag von durchschnittlich 1,5 Prozent bezahlen, dessen genaue Höhe von den Kassen selbst festgelegt wird. Im Gegensatz zur einkommensunabhängigen Kopfpauschale sei das sozial gerecht, unbürokratisch und stärke den Wettbewerb zwischen den Kassen, sagte Söder am Montag vor einer CSU-Präsidiumssitzung in München.

Das Bundesgesundheitsministerium reagierte ablehnend. Der parlamentarische Staatssekretär Daniel Bahr (FDP) erklärte: "Mit dem CSU-Konzept kommen milliardenschwere Mehrbelastungen auf die Versicherten zu, ohne dass dadurch die Finanzierung stabiler wird." Die Vorschläge "wurden schon in den Koalitionsverhandlungen abgelehnt". Sie bedeuteten eine Rückkehr zum intransparenten Finanzierungssystem, das bereits die Große Koalition nicht mehr haben wollte. Ein Treffen Söders mit Bundesgesundheitsminister Philipp Rösler (FDP) brachte auch keine Annäherung. "Es war ein sehr höfliches Gespräch", sagte Söder nach der Begegnung am Montag in Berlin. Beide Seiten hätten ihre gegensätzlichen Standpunkte ausgetauscht.

CSU-Modell basiert laut Söder auf Koalitionsvertrag

Noch zuvor erläuterte eine Sprecherin Röslers, das Konzept sei "ein Debattenbeitrag von mehreren", zur Lösung der Probleme aber auf den ersten Blick nicht geeignet. Die Einnahmen der Krankenkassen blieben damit auch künftig von den Einkommen abhängig und damit konjunkturanfällig. Söder entgegnete, die von der FDP angestrebte Kopfpauschale mit steuerfinanziertem Sozialausgleich sei bürokratisch und sozial ungerecht. "Ich halte es für falsch, 80 Millionen Deutsche zu Versuchskaninchen zu machen", meinte er. Das CSU-Modell dagegen sei keine Radikalkur, sondern baue auf den gewachsenen Strukturen auf.

Arbeitnehmer und Arbeitgeber sollten sich den bundesweit einheitlichen Grundbeitrag von 14 Prozent des Einkommens teilen und in den Gesundheitsfonds einzahlen. Darüber hinaus könnte jede Kasse von den Versicherten allein einen Zusatzbeitrag erheben, der sich nach dem Einkommen bemesse und dessen Gesamtumfang jede Kasse selbst festlege, erklärte Söder. Der individuelle Zusatzbeitrag würde im Durchschnitt bei 1,5 Prozent liegen, sagte er der "Süddeutschen Zeitung". Einen Widerspruch zum Koalitionsvertrag, der einkommensunabhängige Beitragskomponenten vorgibt, sieht Söder nicht. Das CSU-Modell "steht auf der Grundlage des Koalitionsvertrags", betonte er.

Zusatzbeitrag gleich mit dem Gehalt abgebucht

Nach dem Bericht der "Süddeutschen Zeitung" würden nach dem CSU-Modell 90 Prozent der Kassenausgaben von Arbeitnehmern und Arbeitgebern mit dem Grundbeitrag finanziert. Die restlichen zehn Prozent würden die Versicherten allein tragen. Dieser Beitrag würde gleich mit der Gehaltszahlung abgebucht und direkt bei den Kassen landen. "So ändern wir den Gesundheitsfonds, schaffen wieder Wettbewerb und vermeiden die ungerechte Kopfpauschale", erläuterte Söder der Zeitung.

AFP/DPA
 
 
KOMMENTARE (6 von 6)
 
aretana (22.03.2010, 20:26 Uhr)
Wie kann man sowas idiotisches ausdenken!
Ob Kopfpauschale oder Söders Vorschlag,
egal, so jedenfalls werden die Probleme keinesfalls gelöst, im Gegenteil, durch die zu erwartenden Verwaltungskosten muss der Steuerzahler noch tiefer in die Tasche greifen.
Aber.... Hauptsache, die Arbeitgeber werden entlastet.
Anstatt Kosten einzusparen, jeder weiss, wie es gehen kann, ausser den Politikern, werden die Bürger mehr und mehr auseinandergebracht.
Was wir brauchen, ist Solidarität und neue Politiker, die Ahnung davon haben, was sie tun. Bei den Derzeitigen kann man nur verzweifeln.
OttoB (22.03.2010, 20:11 Uhr)
Die Kosten könnten reduziert werden
wenn man etwas wieder zurück nimmt. Die Privatisierungen der Krankenhäuser.
Viele Krankenhäuser werden heute nachdem sie den Kommunen abgekauft wurden von Geldanlegern übernommen die eine hohe Rendite bekommen. Diese überflüssigen Kosten die keinem Kranken,Arzt oder Pflegeperson helfen müssen weg. Gesundheit ist ein Geschenk der Natur und den Kranken ausnehmen ein Verbrechen.
Gesundheit als Geschäft, nein
ganzbaf (22.03.2010, 17:53 Uhr)
Die FDP will heute eine...

"einkommensunabhängige Kopfpauschale" und morgen die "einkommensunabhängige Einkommenssteuer" und übermorgen die "vermögensunabhängige Erbschaftssteuer"....

Alles nur sozialistische Gleichmacherei... ;-D
Prologo (22.03.2010, 16:51 Uhr)
Neben all den Unsinn, was der Herr Staatsekretär Daniel Bahr von der FDP gesagt hat, ........

......hat er endlich mal die Wahrheit gesagt!
Das wird Herrn Rösler aber gar nicht gefallen.

Die FDP will eine.......

>Einkommensunabhängige Kopfpauschale<

einführen. Wobei der Arbeitgeber von den zukünftigen Kostensteigerungen befreit ist.

Die zukünftigen Krankenkostensteigerungen muss dann der Arbeitnehmer und Rentner alleine bezahlen. Das ist die Auflösung der Solidargemeinschaft zu Lasten der Gering- und Mittleren Verdiener !!

Mit tarnen und täuschen versucht Herr Rösler über kleine Schritte wieder das Volk zu Gunsten der Lumpenelite zu bescheissen.

Die FDP gehört aus dem Lande gejagt, denn sie zerstört den Sozialen Frieden in allen Belangen, wie Steuer, Gesundheit, und Rente!

MfG,
T.
cerny.sokol (22.03.2010, 15:35 Uhr)
Die gesellschaftliche Entscheidung steht an.
Nehmen wir das Sozialstaatsgebot des Grundgesetzes ernst oder geht es zurück ins "Mittelalter" mit dem Recht "des Stärksten"?
Wollen wir bei Hartz-IV-Sätzen die soziale Teilhabe beachten?
Sollen alle Löhne in der Praxis das Lohnabstandsgebot einhalten oder dürfen sie als Hungerlöhne darunter liegen?
Und in der Gesundheitsversorgung:
Wollen wir einen Standard für alle, dessen Finanzierung sozial gerecht auf alle Schultern verteilt wird?
Zuletzt hat das Bundesverfassungsgericht überdies Genauigkeit bei der Berechnung angemahnt. Schon diesem Ansatz wird die KopfPAUSCHALE nicht gerecht, so dass auch diese höchstwahrscheinlich wieder kassiert werden wird.
Aber das ist eben das derzeitige Problem einer Gesellschaft in der lobbygetriebene Parteien über die Köpfe der Bürger hinweg entscheiden, anstatt die erforderlichen Diskussionen zur Willensbildung in die Gesellschaft hinein zu tragen und die dabei gefundenen Ergebnisse umzusetzen, wie das der eigentliche Sinn der Parteien (nämlich: Sammlung der Willensentscheidungen der Bürger / nicht: Entscheidung anstatt der Bürger) sein sollte.
knilch_59 (22.03.2010, 14:48 Uhr)
Hyperinflation an Geistesstörungen!
Der alte Spruch, blöd - blöder - Söder, hat sich mal wieder bewahrheitet: "Ich halte es für falsch, 80 Millionen Deutsche zu Versuchskaninchen zu machen", meinte der bayerische Gesundheitsminister. Er sollte wissen, dass sich die GKV nur um weniger als 90% der Bevölkerung kümmert, also Rest ca. 70 Mio und er sollte auch wissen, dass von diesen 70 Mio den unteren 15% der Bevölkerung Zuzahlungen deshalb egal sind, weil die ohne Zweifel zum Existenzminimum gehören, so dass deren Zuzahlungen / Eigenbeiträge, oder wie immer man das nennt, doch wieder vom Staat zu zahlen sind. Also zahlt ?die Mitte? jeden Monat gegenüber heute 25 Euro mehr und erwirbt damit die Lizenz für Zuzahlungen, sobald man die Krankenversicherung braucht.
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Aber der Schwachsinn lässt sich mit der Antwort aus dem Gesundheitsministerium noch locker toppen: Zitat:
<Die Einnahmen der Krankenkassen blieben damit auch künftig von den Einkommen abhängig und damit konjunkturanfällig.>
Wo leben die denn? Wenn die Einkommen nicht steigen, aber die Gesundheitskosten, wer bezahlt das dann?
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Ich habe den Eindruck, dass dort zwei Blinde über Farbe geredet haben.
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Wir brauchen eine Finanzierungssystematik im Gesundheitswesen, die insofern zukunftsfest ist, dass auch die zu erwartenden Kostensteigerungen nicht jedes mal wieder in parteipolitische Debatten ausarten. Zumal, wie gesagt, die dortigen Fachleute offensichtliche Vernunftsallergiker sind.
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Die Kopfpauschale löst KEIN Finanzierungsproblem und das weitere Fortschreiten weg von der hälftigen Finanzierung der Sozialbeiträge zwischen Arbeitnehmern und Arbeitgebern auch nicht!
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Derzeit wäre es am Billigsten, den Knallköpfen das Nachdenken zu verbieten und sie stattdessen den Splitt von den Straßen kehren zu lassen!
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