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2. März 2010, 15:43 Uhr

CSU verhaut sich selbst

Jetzt hob' i aber die Faxen dicke: Nach Wochen ungebetener Tipps aus München ist den Berliner CSU-Bundestagsabgeordneten der Kragen geplatzt. Das "Störfeuer" in der Gesundheitspolitik müsse aufhören. Bayerns Gesundheitsminister Markus Söder ging sofort zum Gegenangriff über.

Söder, Friedrich, Kopfpauschale, Gesundheitspolitik, Zoff, Streit, Seehofer, Rösler

Will keine Querschüsse aus München mehr: CSU-Landesgruppenchef Hans-Peter Friedrich© Jörg Koch/DDP

Der Streit über die künftige Gesundheitspolitik spaltet nun sogar die CSU selbst. Deren Landesgruppe im Bundestag zeigte sich am Dienstag massiv verärgert über immer neue Querschüsse der Partei aus München. "Wir sind gemeinsam der Auffassung, dass das Störfeuer, das nicht dazu dient, Dinge voranzubringen und Probleme zu lösen, eingestellt werden muss", sagte Landesgruppenchef Hans-Peter Friedrich in Berlin. Die destruktiven Äußerungen von "nicht zuständigen Politikern aus dem Süden des Landes" seien unerfreulich, weil sie das Klima in der Koalition belasteten.

In ungewöhnlicher Schärfe betonte Friedrich, die Vertretung bayerischer Interessen sei nicht nur Aufgabe von Landesministern. Auch die Parlamentarier in Berlin seien vom bayerischen Volk gewählt. "Wir verlangen Respekt vor unserer Arbeit, aber auch vor unseren Koalitionspartnern CDU und FDP", sagte Friedrich. Die vom Bundeskabinett eingesetzte Kommission zur Gesundheitsreform solle nun erst einmal ihre Arbeit erledigen.

Berliner CSU verteidigt Rösler

Bereits in der Sitzung der Landesgruppe hatte es am Montagabend heftigen Unmut über den Konfrontationskurs aus München gegeben. Wer für eine bürgerliche Politik stehe, müsse auch ein bürgerliches Erscheinungsbild an den Tag legen, hieß es.

Den von der CSU stark unter Beschuss genommenen Bundesgesundheitsminister Philipp Rösler vom Koalitionspartner FDP lobte Friedrich demonstrativ als "jungen, guten, hoffnungsvollen Gesundheitsminister". Gemeinsam wolle man verhindern, dass die steigenden Gesundheitskosten zu höheren Arbeitskosten führten. Über die konkrete Ausgestaltung werde man sich in der Koalition und in der Kommission auseinandersetzen. Der Ausbruch des CSU-Landesgruppenchefs bezieht sich vor allem auf wiederholte Attacken des bayerischen Gesundheitsministers Markus Söder sowie von Landessozialministerin Christine Haderthauer gegen die im Koalitionsvertrag angepeilte einkommensunabhängige Finanzierung der Krankenversicherung. Söder hatte zudem die Kommission der Regierung als Unsinn gebrandmarkt.

Söder fordert mehr Unterstützung ein

Die Kritik Friedrichs trifft aber auch CSU-Chef Horst Seehofer, der sich zur Verärgerung der FDP mehrfach in die Debatte eingebracht und gegen die Kopfpauschale gewettert hatte. Vergangene Woche hatte Seehofer seine Haltung mit eigenen Zahlen untermauert. Demnach müsste eine solche Pauschale jeden Versicherten 145 Euro kosten und würde dennoch 21 Milliarden Euro aus Steuermitteln erfordern.

Söder ließ die Kritik indes nicht lange auf sich sitzen. Friedrich sei "bisher noch nicht so in den Tiefen der Gesundheitspolitik verankert", sagte Söder am Dienstag in München und forderte von den CSU-Abgeordneten dringend mehr Aktivität. Bayern habe zur Gesundheitspolitik ein Dutzend Vorschläge gemacht. "Es wäre eine tolle Sache, wenn wir von der Landesgruppe noch stärker unterstützt würden. Da kann man wirklich noch zulegen", sagte der bayerische Gesundheitsminister.

Er rechtfertigte auch seine strikte Ablehnung der Kopfpauschale. "80 Prozent der Deutschen sind gegen die Kopfpauschale", sagte der CSU-Politiker. Ohne erkennbaren Nutzen Milliarden umzuverteilen und damit jeden zweiten Kassenpatienten zum Sozialempfänger zu machen, sei unvorstellbar. "Eine Volkspartei kann nicht gegen das Volk agieren", sagte Söder. Hier wäre es schön, "wenn wir mehr konstruktive Unterstützung bekämen von den zuständigen Bundespolitikern".

AFP/DPA
 
 
KOMMENTARE (10 von 38)
 
Prologo (03.03.2010, 20:36 Uhr)
Herr Admin, den Atrikel heute von Kinkel und Schütz..
kann man nicht aufrufen, da kommt immer der Münte Artikel.
Administrator (03.03.2010, 14:34 Uhr)
@ Bernhardo
Liebe User,
Ihr Beitrag war leider off-topic und wurde entsprechend unserer Hausordnung gelöscht.

Herzliche Grüße,
Ihre stern.de-Admins
Prologo (03.03.2010, 14:08 Uhr)
@Johann58
Danke für die Info. Stimmt, Selbständige zahlen 100% Sozialversicherung und das geht hoch ins Geld, wenn man später eine gute Staatsrente haben will. Ich bin bei Ihren Kommentaren nur über die Beitragsbemessungsgrenze gestolpert, weil diese ja für Selbständige nicht gültig ist, und Sie darüber kommentiert haben. Was natürlich ok ist, auch eine Meinung zu lesen, die ihn in der Sache nicht direkt betrifft. Ich schreibe meine Kommentare nicht mehr für meine Person betreffend, sondern für meine Kinder (22 und 30 Jahre alt) weil die ja noch Jahre hier leben müssen. Falls sie nich tauswandern.

MfG,
T.
tannebaum (03.03.2010, 11:21 Uhr)
warum das geld weg ist...
...die pharmaindustrie hat immer gut verdient. auch dann, als seehofer selbst noch gesundheitsminister war (hat er sicher nur vergessen).

dennoch klappen sich zwischen 1975 und heute immense löcher auf. da war die wiedervereinigung, aber vor allem die drastische zunahme von nichteinzahlern. langzeitarbeitslose, dauersozialamtsbesucher und vor allem auch nicht vermittelbare, da schlecht ausgebildete migranten haben sehr, sehr stark zugenommen.
fehlende bildungspolitik, aber gleichzeitige noch schlimmere familienpolitik (weil man armut mit kindervielfalt bekämpfen kann und sich eben nicht bilden und dann arbeiten muss) haben ein desaster in den kassen verursacht.

die fingerzeigerei auf beamte, die einzahlen sollen odergar die reichen (mal wieder) ist unsinnig. denn es hilft nur kurzfristig und ist reiner populismus.

denn selbst wenn wir ale reichen enteignen würden und deren privatvermögen einziehen, dann reichte dieses nicht mal für die sozialausgaben für ein jahr!!!!
und enteignen wir auch deren güter, immobilien und firmen, so würde die wirtschaft völlig zerbrechen.

es ist also hirnrissig, dass uns die reichen retten oder anders auch an allem schuld sind. schuld ist jeder einzelen selbst, der sich und seine bildung und damit sein fortkommen verhindert hat.

die reichen und beamten können besser beteiligt werden, aber das ganze system ist nur rettbar, wenn andere ebenfalls umdenken. und geanu daran kranken alle unsere sozialsysteme. jeder meint, der andere muss was machen. aber nie er selbst...
tannebaum (03.03.2010, 11:13 Uhr)
@Josh67
es gibt keine knappen kassen?
nu ist aber gut!

Bitte-sachlich (03.03.2010, 10:52 Uhr)
Warum gibt es diesen Zwist in der CSU?
Ich habe dafür nur eine Erklärung. Es geht dabei nicht darum, was der Bürger als Reform nötig hat oder wovon der einzelne CSU-ler politisch überzeugt ist, sondern wie die CSU vor dem Wählervotum zu retten ist.

Ich bin dabei der Dumme, denn ich kann beim besten Willen nicht einschätzen, ob ich mir die Kopfpauschale nun wünschen sollte oder nicht ...
Johann58 (03.03.2010, 04:30 Uhr)
@Prologo
spaet, bzw. frueh in Deutschland.

Ich musste mal ein wenig Fernsehen und eine Flasche Wein koepfen. Ausserdem hat es heute hier geschneit, was ungewohnlich ist. ich bin seit mehr als 20 Jahren selbststaendig und habe natuerlich das Projekt als selbststaendiger Unternehmer abgewickelt. Der Beitragssatz fuer die Krankenversicherung (Ersatzkannenmitglied) lag ueber dem Hoechstsatz der Gesetzlichen Krankenversicherung. Mit Krankentagegeld und mit einem Nettogewinn oberhalb der Beitragsbemessungsgreze liegt man immer ueber dem Hoechstsdatz fuer Angestellte, auch wnn mal Montae dabei sind in denen keine Einnahmen da sind. Warscheinlich koennen sich manche auch nicht vorstellen, dass man als Selbststaendiger sowohl die Krankenkasse wie die Rentencversicherung voll zahlen muss, da gibt es keinen Arbeitgeberanteil. Ich habe auch ganz normal in die Rentenversicherung eingezahlt, bis zu 48% Einkommensteuer bezahlt und den hoechsten Gewerbesteuerhebesatz gehabt, den man haben kann. Leider durch meinen damaligen Wohnort bedingt. Ich schreibe bewusst keine absoluten Zahlen weil die warscheinlich kein Mensch verstehen kann. Es war jedenfalls nicht so viel, dass man neidisch sein muesste. Aber es war ein schoenes Stueck.
Prologo (03.03.2010, 02:18 Uhr)
@Johann 58
Ich hoffe, Sie haben mein Posting nicht mißvertanden, weil ich nichts mehr von Ihnen lesen kann.

Ich wollte nur die Fakten zu dem Thema genauer ausloten, um Mißvertändnisse zu vermeiden. Ich hoffe, bald wieder was von Ihnen zu hören, äh lesen.

MfG,
T.
Prologo (03.03.2010, 00:28 Uhr)
@brigitteramsau, Richtig.....

..... und eine Beitragsbemessungsgrenze gibts für die Rente gibts in der Schweiz auch nicht.

Und alle müssen einzahlen.

Und auch die Beiträge sind niedriger wie bei uns.

MfG,
T.
brigitteramsau (03.03.2010, 00:19 Uhr)
Die Kopf-Pauschale wuerde Sinn machen.
Allerdings nur wenn aehnlich wie in der Schweiz alle Buerger versicherungspflichtig waeren und das mit oder ohne Arbeitsverhaeltnis. Familienhilfe oder Arbeitgeber Beitrag gibt es in der Schweiz auch nicht, trotzdem ist die KV billiger.

Gute Nacht Deutschland und viel Glueck mit diesen "Eliten".
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