. .
Politik in Deutschland
Schlagzeilen Themen Mobil iPad Blogs Investigativ Hefte
 
Fotocommunity
Fotocommunity

Treffpunkt für ambitionierte Amateurfotografie. Bilder hochladen und bewerten, sich mit anderen Austauschen. mehr...

Weblogs bei stern.de
Weblogs bei stern.de

Die Online-Tagebücher bei stern.de: Freie Autoren schreiben hier persönlich, direkt und eigenständig. mehr...

Information und Unterhaltung mit Steffen Hallaschka
sternTV - Information und Unterhaltung mit Steffen Hallaschka

Vertiefende Informationen zu der aktuellen und den vergangenen Sendungen von sternTV. mehr...

stern Investigativ
stern Investigativ

Das Recherche-Team des stern. Erfahren Sie mehr über die Recherchespezialisten und ihre Enthüllungen von Terrorismus bis Wettmanipulation. mehr...

 
31. Dezember 2007, 12:29 Uhr

Verfassungsbeschwerde eingereicht

Die Gegner der Massenspeicherung von Internet- und Telefonverbindungsdaten haben beim Bundesverfassungsgericht eine Beschwerde gegen das neue Gesetz eingereicht. Außerdem beantragen die Kritiker, die Datensammlung wegen "offensichtlicher Verfassungswidrigkeit" durch eine einstweilige Anordnung sofort auszusetzen.

Der Berliner Rechtsanwalt Meinhard Starostik trägt einen Karton mit Akten zur Verfassungsbeschwerde gegen die Vorratsdatenspeicherung zum Bundesverfassungsgericht in Karlsruhe© Markus Schreiber/AP

Im Streit um die massenhafte Speicherung von Telefon- und Internetdaten hat nun das Bundesverfassungsgericht in Karlsruhe das Wort. Im Namen von rund 30.000 Gegnern reichten acht Beschwerdeführer am Montag Klage gegen das umstrittene Gesetz ein. "Die verdachtslose Überwachung, so wie sie der Gesetzgeber nun vorsieht, muss das Bundesverfassungsgericht eigentlich ablehnen", sagte der Berliner Rechtsanwalt Meinhard Starostik. Das Gesetz, das zum 1. Januar in Kraft tritt, sei menschenrechtswidrig und damit verfassungswidrig.

Die Kritiker beantragten außerdem, die Datensammlung durch eine einstweilige Anordnung sofort auszusetzen. "Wir hoffen diesbezüglich auf eine schnelle Entscheidung", betonte Starostik. Der Zeitpunkt dafür ist nach Angaben einer Sprecherin des Karlsruher Gerichtes aber noch völlig offen. "Heute wird keine Entscheidung über den Eilantrag mehr fallen", sagte sie. Für die Beschwerde liegen nach Angaben des Arbeitskreises Vorratsdatenspeicherung, der die Beschwerde vor dem obersten Gericht organisiert hatte, Vollmachten von rund 30.000 Bürgern vor. Sie ist damit die größte in der Geschichte der Bundesrepublik.

Das Gesetz zur Überwachung der Telekommunikation und der Speicherung von Daten auf Vorrat war am vergangenen Mittwoch von Bundespräsident Horst Köhler unterzeichnet worden. Um zum Beispiel gegen Terrorverdächtige besser ermitteln zu können, werden Telefon- und Internetverbindungsdaten aller Bürger künftig ein halbes Jahr lang gespeichert und neue Regeln für die Telefonüberwachung eingeführt. Der Arbeitskreis Vorratsdatenspeicherung hält die Maßnahme für "einen gravierenden Eingriff in die Grundwerteordnung des Rechtsstaates". Eine freie Gesellschaft benötige "überwachungsfreie Räume", sagte Sprecher Ricardo Cristof Remmert- Fontes.

Grünen-Chefin Claudia Roth und weitere Grünen-Mitglieder schlossen sich der Klage des Arbeitskreises an. "Der Raubbau an unserem Rechtsstaat durch Schäuble, Zypries und Co. muss verhindert, die Bürgerrechte müssen unter den Bedingungen des digitalen Zeitalters gestärkt werden", hieß es in einer Mitteilung. Mehrere FDP-Politiker haben ebenfalls Beschwerden gegen die Datenspeicherung angekündigt oder bereits in Karlsruhe eingereicht. Sie hätten dafür "die volle Rückendeckung der Partei", sagte ein Sprecher am Montag in Berlin.

Mit der neuen Regelung setzt die Bundesregierung eine EU- Richtlinie um. Das Berliner Gesetz gehe aber viel weiter, monieren die Gegner. Jeder Bürger werde ausnahmslos und ohne Grund wie ein potenzieller Straftäter behandelt. Zu klären sei in Zukunft auch, ob diese Richtlinie nicht in ganz Europa gestoppt werden müsse, sagte Remmert-Fontes. Sollte sich das Karlsruher Gericht wegen der europäischen Dimension dieser rechtlichen Frage für nicht zuständig erklären, "muss dieses Problem dem Europäischen Gerichtshof vorgelegt werden", forderte Anwalt Starostik. Bislang dürfen Daten ohne Verdacht auf eine Straftat in Deutschland nur für Abrechnungszwecke oder mit Zustimmung der Kunden gespeichert werden.

Mehrere hundert Demonstranten protestierten am Montag in Hamburg mit einem symbolischen Trauerzug gegen das Gesetz. Nach Angaben der Polizei verlief die Kundgebung friedlich. "Wir trauern um die Privatsphäre", stand auf einem Transparent. Dazu trugen die Teilnehmer einen Sarg durch die Innenstadt.

Hintergrund Kern der Gesetzesnovelle sind zwei umstrittene Neuerungen:

Datenspeicherung: Das Gesetz sorgt für die Umsetzung einer EU- Richtlinie zur sogenannten Vorratsdatenspeicherung. Telekommunikationsfirmen müssen für ein halbes Jahr Rufnummer, Uhrzeit und Datum einer Verbindung speichern, bei Handys auch den Standort zu Gesprächsbeginn. Genau so gespeichert werden Verbindungsdaten zu SMS-Kurznachrichten, der Internet-Nutzung und E- Mails. Die Inhalte selbst werden nicht aufgezeichnet. Polizei und Staatsanwaltschaft können die Daten nur zur Aufklärung konkreter Straftaten und aufgrund einer Richterentscheidung verlangen.

Telefonüberwachung: Das Gesetz regelt auch die Telekommunikationsüberwachung neu, die auf schwere Straftaten begrenzt wird. So soll der Grundrechtsschutz bei heimlichen Ermittlungsmaßnahmen gestärkt werden. Nach Abschluss der Überwachung müssen Betroffene benachrichtigt werden. Einen absoluten Schutz vor Überwachung haben Strafverteidiger, Seelsorger und Abgeordnete. Andere Gruppen wie Ärzte, Journalisten und die übrigen Anwälte erhalten jedoch nur einen relativen Schutz.

DPA/AP
 
 
KOMMENTARE (10 von 24)
 
unheilig (02.01.2008, 12:58 Uhr)
@hevosenkuva
Sag hast du das jetzt ernst gemeint,das wir froh sein sollten das es die atombombe gibt?frag mal in hiroshima und nagasaki ob da einer froh ist,das es diese bombe gibt?echt nicht zu fassen wie viele tote gab es damals bei dem ersten abwurf der a-bombe und du schreibst sollen froh sein,dadurch ist die welt sicherer.noch sicherer wäre eine welt ohne waffen.in hiroshima und nagasaki sterben noch heute menschen an krebs.bevor du so ein scheiss hier hinschreibst,solltest dir mal berichte ansehen darüber.boa deine meinung über das 3. reich möcht ich garnicht wissen.
hevosenkuva (01.01.2008, 19:34 Uhr)
Frohes neues Datenjahr!
Auch die Atombombe war nur ein weiterer Schritt, eine Weiterentwicklung, einfach eine stärkere Bombe. An der grundsätzlichen Wirkung (Zerstörung) hat sich nichts geändert. Wo ist der Unterschied, ob man nun 1000 kleine Bomben wirft oder eine große? Bomben wurden schon immer geworfen. Und mit der Erfindung der Atombombe und der Demonstration ihrer Möglichkeiten in Hiroshima und Nagasaki ist die Welt sicherer geworden. Eine Welt ohne die Bombe wäre nicht auszudenken. Und wenn die Amerikaner sie nicht zuerst entwickelt und eingesetzt hätten, dann wäre es jemand anders gewesen, zum Beispiel Pakistan vielleicht, und die Welt wäre nicht so sicher wie sie heute ist. Wir sollten dankbar sein für alle Maßnahmen und Waffen, die die Welt für uns alle in der Ersten, Zweiten und Dritten Welt sicherer machen.
Sublucem (01.01.2008, 15:31 Uhr)
Flucht als Lösungsmöglichkeit?
Mit Verlaub, die Idee, den Andersdenkenden das Auswandern nahelegen zu wollen ist doch recht infantil - damit wird nichts gelöst. Wenn man an etwas glaubt, muss man eben dafür kämpfen, sonst kann man sich Politik auch sparen. Und gerade die Demokratie in der wir alle leben setzt einen Kampf schlichtweg voraus, keine Flucht.
Wer das nicht gelernt hat, sollte dringendst diesen Passus unserer rechtsstaatlichen Ordnung nachschlagen. Für den, wiederum, ist eine schrittweise Einengung der mühsam erworbenen Freiheiten aber auch eine höchstverdiente Wohltat ;)
kralli19 (01.01.2008, 14:50 Uhr)
@ hevosenkuva
Difitale Unterschrift richt in dem Falle nicht, man muss auch eine schriftliche Vollmacht ausdrucken, unterschreiben und hinschicken. Habs im übrigen auch gemacht.
Im übrigen denke ich, das FortyTwo von ihnen gepostete Links nicht lesen wird, weil er´s a) nicht will oder b) eigentlich schon weiß. Er will das ganze nur verharmlosen.
@ FortyTwo
Es geht darum, das ab jetzt pauschal ALLE unter Generalverdacht stehen und ALLE Daten gespeichert werden, sprich eMail, Telefon, Handy, INet usw. Wenn sie wirklich noch daran glauben, diese Daten werden nur nach Treu und Glauben von ehrlichen Staatsdienern verwendet, glauben sie wahrscheinlich auch noch an den Weihnachtsmann.
Im übrigen interessiert es mich einen Scheißdreck, wie der Datenschutz in anderen Ländern gehandhabt wird, schließlich lebe ich hier. Es ist diese Verfassung, und mein Freundes- & Familienkreis, der mich mit diesem Land verbindet. Wenn´s ihnen hier zu lasch ist mit Terrorabwehr und Datenmißbrauch, wandern sie doch aus.
FortyTwo (01.01.2008, 14:26 Uhr)
Dann wandert doch alle aus
Hmm, wohin nur?! Als ob Deutschland hier der große Überwachungsstaat ist. Bevor hier der Zeigefinger erhoben wird, sollte man erst einmal über den Tellerrand schauen, und sich ein Bild machen, wie das Thema Datenschutz in den anderen großen Industrienationen gehandhabt wird.
FortyTwo (01.01.2008, 14:22 Uhr)
@hevosenkuva
Wo ist das Problem? Es wurde doch festgestellt, dass der Erlass rechtswidrig war. Unser Rechtsstaat funktioniert, wenn er auch nicht fehlerfrei ist, aber die Kontrollmechanismen scheinen ja zu greifen.
Und wie gesagt: die Datenherausgabe hat früher einen richterlichen Beschluss vorausgesetzt und daran hat sich mit dem neuen Gesetzt nichts geändert - warum also jetzt erst die großangelegten Proteste?!
Sublucem (01.01.2008, 13:29 Uhr)
Nichts dazugelernt
Die Errungenschaften von heute sind eine Folge vom einstigen Widerstand. Freiheit bedeutet immer auch Kampf, das ist Fakt und unsere Eltern und wiederum deren Eltern haben sich nicht den Hintern aufgerissen um alles wieder stückchenweise aufzugeben. Die gingen mit dem Erbe wesentlich verantwortungsvoller um.
Ich erinnere nur an die Datenerfassung im Zuge der letzten Volkszählung - das war damals.
.
Heute ist die Welt eine andere. Die Leute lassen sich freiwillig durchleuchten, die Punkte beim nächsten Einkauf sind bitter nötig. Was stört es, wenn der Staat das gleiche macht?
.
Es stört - denn alle Bestrebungen der Vergangenheit zielten darauf ab, die Überwachungsstellen aus Kostengründen zusammenzufassen. Daraufhin benötigt es nur wenige Menschen, die hier und da ein wenig korrupt sind und schon haben wir den Salat. Von den Problemen im Zuge der Machtergreifung seitens nichtdemokratischer Parteien ganz zu schweigen. Und über die letzten Datenpannen auf der Insel braucht auch niemand groß zu reden - in Deutschland geschieht sowas schlicht nicht.
.
Es wird nicht über den Tellerrand hinausgeschaut. Ein Sprung in siedendes Wasser führt zum sofortigen Sprung hinaus - wird aber das Wasser des Badenden stufenweise erhöht wird abgewartet und abgewartet und abgewartet...
.
Der Trick ist, verschiedene Menschengruppen zu unterschiedlichen Zeitpunkten zu bestrafen. Jeder von ihnen denkt maximal in diesen Schablonen. Die Raucher sollen aufstehen - was interessiert da Datenschutz. Daraufhin stehen die Datenschützer auf - was interessiert da schon die Raucher.
Die passivrauchenden Kinder geht unterm Christbaum das Herz und die Lunge auf - die freuen sich tierisch auf eine versuchte und vollständig durchleuchtete Umwelt. Macht aber nichts, nach der achten Chemotherapie bleibt ohnehin keine Spucke mehr zum Bedanken. Den letzten Tropfen hat der Staat dann für seine offensive Kriegsprävention.
.
Na denn, frohe Zukunft. Du bist Deutsch... err.. durchleuchtet ;)
unheilig (01.01.2008, 12:12 Uhr)
hi
und als nächstes werden unsere polizei umbennant in volkspolizei.Schöne neue stasizeit.Frohes neues
Turmfalke (01.01.2008, 11:17 Uhr)
@atride
Weshalb regen sie sich so auf, wenn die Grundrechte auf Ebenen eingeschränkt werden die sie nicht betreffen geht es ihnen doch gar nicht weit und schnell genug dies zu tun.
Ihr Doppelmoral ist zum kotzen !
Aurum (31.12.2007, 22:28 Uhr)
Was bringt es?
In diesem totalitären Staat wird es weiter bergab gehen. Die eigenen Bürger werden bespitzelt und die Ausländer erichten ihren eigenen Staat im Staat. Wo war denn der Verfassungsschutz, als am Wochenende eine Minderheit in Köln demonstrierte? Versagen auf allen Ebenen! Aber Überwachung pur, die Gestapo war ein Karnevalsverein, gegenüber den Machenschaften eines Krüppels!
MEHR ZUM ARTIKEL
Chaos Computer Club Die Laserkanone der Demokratie

Vorratsdatenspeicherung, biometrische Pässe, Schäubles Schnüffeltrojaner - der "Chaos Computer Club" ist 2007 ins Zentrum der politischen Bühne gerückt. Der jüngste Coup: die Verhinderung des Hamburger Wahlstifts. Wer sind diese selbsternannten Bürgerrechtsretter? Ein Hacker-Hausbesuch. mehr...

Bundesrat Telefondaten werden gespeichert

Der Bundesrat hat das umstrittene Gesetz zur Speicherung von Telekommunikationsdaten durchgewunken. Am 1. Januar wird es in Kraft treten, ebenso wie neue Regeln zur Telefonberwachung. Anwälte protestierten vor dem Bundesratsgebäude - und die Opposition hofft auf das Bundesverfassungsgericht. mehr...

PC-Viren Vorsicht, die Wegwerf-Trojaner kommen!

Wenn es nach der Umfrage einer IT-Sicherheitsfirma geht, müssen wir im nächsten Jahr mit massiven Angriffen durch Cyber-Kriminelle rechnen. Erwartet werden modifizierte Trojaner, Daten-Hijacker sowie Spam- und Phishing-Attacken. mehr...

 
Leser werben Leser

Jetzt den stern empfehlen und attraktive Prämie sichern!

 
 
 
 
 
stern - jetzt im Handel
stern (23/2012)
Rettet die Liebe