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Autofahren in Afrika: Kolbenfresser unterm Kilimandscharo

Freiheit in der Savanne, Radarpistolen zur Gehaltsaufbesserungen und rachsüchtige Soldaten. Autofahren in Afrika bietet immer noch sehr viel Abenteuer, aber leider häufig von der falschen Sorte.

Von Roland Brockmann

Weit und breit nur Savanne, am Horizont der schneebedeckte Gipfel vom höchsten Berg Afrikas und dann einfach nur Gas geben. Die Windschutzscheibe des offenen Geländewagens ist runtergeklappt; der Motor heult auf, Staub wirbelt gegen die Sturmbrille – ein Gefühl von Freiheit tut sich auf. Genau so war es, als ich mit meinem Freund von der "Hatari.Lodge" die "historische" Strecke abfuhr, runter zu seinem Zeltcamp am Kilimandscharo. Hier entlang rasten einst John Wayne und Hardy Krüger, im Jeep mit Fangschlinge wilden Nashörnern hinter her – für den Hollywoodklassiker HATARI (das heißt auf swahili "Gefahr").

Off the road vorbei an Giraffen und Massaikriegern, so soll es natürlich sein. Hinten auf der Ladefläche einen Kasten kaltes Bier. Keine Verkehrpolizei. Keine Sicherheitsgurte. Keine Begrenzungen, außer denen der Natur. Mein wahrscheinlich schönstes Fahrerlebnis in Afrika. Und ich habe so manchen Trip durch den Kontinent hinter mir: per Helikopter durch den Osten des Kongo, im zehn Jahre alten Pajero durch den Süden des Sudan, im Sammeltaxi quer durch Sansibar, auf Mopeds über verregnete Lehmwege versteckter Goldminen, im UN-Konvoi auf einem Schwertransporter mit Tempo 40 durch Kenia und Uganda.

Die traurige Moderne

Allein – die Wahrheit ist: Der motorisierte Alltag Afrikas sieht anders aus. Mit dem Automobil haben inzwischen auch Parkraumbewirtschaftung und Promillegrenzen Einzug gehalten in einst so normfreie Länder von Kenia bis Tansania.

Der Verkehr in den Großstädten staut sich, Platz zum Parken ist rar. Und findet man endlich eine Lücke im Zentrum von Nairobi oder Dar es Salaam, streckt der Wächter seine Hand bereits durchs Seitenfenster, bevor man überhaupt den Sicherheitsgurt gelöst hat. "100 Shilling (50 Cent) please.." Und ja, auch Anschnallpflicht herrscht längst in Ländern wie Kenia oder Tansania. Wohl weniger aus echter Sorge um die Insassen, als vielmehr weil sich so für uniformierte Straßenräuber eine weitere Möglichkeit bietet, über Geldbußen ihr wirklich schmales Salär aufzubessern.

In Kenia, wo viele sich kaum ein Fahrrad leisten können, sind bereits Tempopistolen und Promilletester im Einsatz – eine Investition, die sich schneller amortisiert hat als andere Entwicklungsprogramme. Die eingeführte Nullpromillegrenze allerdings musste wegen allzu heftiger Proteste bald wieder abgeschafft werden.

Sterben auf der Straße

Angeblich sterben in Afrika jedes Jahr mehr Menschen im Verkehr als durch Aids. Gefährlich ist es allemal, sich hier motorisiert zu bewegen. Ein deutscher TÜV-Prüfer hätte in Afrika seine Freude – denn wenn man wohl die Parkraumbewirtschaftung vom Westen übernommen hat, den Technischen Überwachungsverein nicht. Hauptsache der Wagen fährt, ob und wie er bremst, obliegt eher dem Besitzer – jedenfalls solange es nicht zum Unfall kommt und das passiert irgendwann garantiert.

Auch gerne mal absichtlich, wie ich lerne, als ich mich mit meinem Suzuki Vitara in Dar es Salaam an einer Blechschlange der Rushhour vorbei schummeln wollte, um dann doch – neben einem Militärlaster – zum Stehen zu kommen. Da zog der Soldat am Steuer ganz lässig sein tarnfarbenes Ungetüm beim nächsten Anfahren rüber und riss so meine linke Seite auf. "Mach jetzt kein Drama", warnte meine (einheimische) Frau vom Beifahrersitz: "Keep cool. He is King of the road." Rache eines Einheimischen gegenüber den Expatriates in ihren dicken Wagen. Es war helllichter Tag, gleich gegenüber lag die neue US-Botschaft, alles voller Sicherheitskameras. Trotzdem blieb ich im Wagen und verdrückte mich mit dem nächsten Grün kleinlaut. Bloß keinen Ärger machen. No rumble in the jungle.

Überwachung auf Wunsch

Nicht viel später fuhr ich die selbe Strecke auf dem Weg zur Arbeit, und ein Freund machte vom Beifahrersitz aus ein paar Snapshots von der neuen amerikanischen Botschaft (die alte war 1998 von Islamisten zerbombt worden) – und schon klingelt bei mir im das Telefon: Ob mir der rote Suzuki, Kennzeichen TZ- ... gehören würde, will ein Mann von der Botschaft wissen. Da habe die Amis also aufgepasst, aber wer hat ihnen meinen Namen verraten, und wo ich arbeite? Und auf Grund welcher Rechtsgrundlage?

OK, Kampf dem Terrorismus, aber dann bitte auch den Dieben. Aber da passiert wenig bis nichts. In denselben roten Suzuki stieg ich eines Morgens auf meinem eigenen Grundstück und hörte nichts als KLICK, als ich den Zündschlüssel umdrehte. Dann sah ich das Kabelgewirr, wo vorher noch mein CD-Player war und begriff. Ein Blick unter die Motorhaube, ah ja, man hatte auch den Verteiler abgebaut – und dies alles unter den Augen meines Askaris.

Kauf das Geklaute

Die Polizei nahm meinen Wachmann wegen Untätigkeit in Haft. Dann riet sie mir, mich auf dem Schwarzmarkt um meinen eigenen Verteiler zu bemühen – das Diebesgut selbst zurückkaufen, das sei die einfachste aller Lösungen.

Ich habe meinen Wagen dann auf afrikanische Verhältnisse umrüsten lassen: zum Beispiel mein Kennzeichen in die Rückspiegel eingravieren oder die Motorhaubenverriegelung mit einem einfachen Gummischlauch (!) sichern lassen.

Anschließend ist nie wieder etwas passiert. Auf unserer Tour am Fuß des Kilimandscharo a la John Wayne verreckte allerdings unser Motor nach ein paar Kilometern. Ich blieb im Wagen sitzen, um den teuren Ersatzreifen zu bewachen, während mein Freund einen Jeep zum Abschleppen organisierte. Es dunkelte. In dem winzigen Ort vermischten sich die Stimmen eines Gottesdienstes und die Musik aus einer billigen Bar; ich hielt mich an unseren privaten Vorrat Safari Lager, bevor ich den Wagen am Schleppseil zurück zur Lodge lenkte.

Wissenscommunity

Oldtimer gekauft - bei Instandsetzung Unfallschäden entdeckt
Hallo, ich habe mir vor ein paar Wochen einen amerikanischen Oldtimer gekauft - ein Import aus den Staaten, bekam hier eine Vollabnahme und H-Gutachten. Aufgrund der Entfernung konnte ich den Wagen jedoch lediglich auf Fotomaterial besichtigen und auf den Fotos sah er aber sehr gut aus - hatte wenig Laufleistung und wurde auch beim Gespräch mit dem Verkäufer am Telefon mit einem guten Zustand beworben. Nach der Lieferung fielen mir dann sofort 2 Roststellen auf, wo ich mir noch sagte "Hey - das Auto ist 40 Jahre alt - darf es haben, also reparierst du es einfach". Bei der Reparatur stellen sich dann jedoch weitere Roststellen heraus, die sogar zur Demontage der Innenverkleidungen, Kotflügel und Windschutzscheibe führten. Aber Ok - altes Auto. Der Wagen ging daraufhin zum Lackierer und wurde dort weiter behandelt. Dabei kamen dann weitere Mängel zum Vorschein: Die Beifahrertüre wurde bereits im unteren Bereich dick mit Spachtel überzogen - die Unterkante wurde ausgetauscht und von innen nicht versiegelt - das Blech rostete durch. Jedoch war das gesamte untere Türdrittel komplett verbeult - dazu braucht es schon einen recht großen Hammer. Ca. 8mm dicke Spachtelbrocken musste ich abschlagen. An einer Stelle wurde das Blech der Seitenwand bereits ausgetauscht. Durch die schlechte Arbeit waren Blechteile vollständig durchrostet. Auf der anderen Seitenwand hatte der Wagen einen weiteren Treffer kassiert - das Blech war eingedrückt und wurde mit massig Spachtel übergetüncht. Von außen nur anhand sehr schlechtem Lackbildes zu sehen und von innen sind deutlich Schweißpunkte vom Blechzughammer erkennbar. Auch die Seitenscheiben waren stümperhaft montiert. Diese wurden nicht mit Scheibenkleber, sondern einer kaugummiartigen Substanz montiert und fielen bei der Demontage der Zierleisten dem Lackierer bereits entgegen. Laut Verkäufer wurden die Seitenwände zwar überlackiert (was man auch sehen konnte), ein Grund wurde jedoch nicht genannt - angeblich schlechter Lack oder Kratzer. Nun meine Frage: Im Kaufvertrag ist der Wagen wie folgt beschrieben: "Keine Unfallschäden laut Vorbesitzer" "Dem Verkäufer sind auf andere Weise keine Unfallschäden bekannt" Weitere Regelungen gibt es im Kaufvertrag nicht. Durch die Beseitigung der Durchrostungen an den unfachmännisch ausgeführten Blech- und Spachtelarbeiten ist der Preis für die Lackierung deutlich gestiegen. Kann man beim Verkäufer hierfür mitunter Schadensersatz geltend machen? Gekauft wurde das Fahrzeug Mitte Dezember 2018, geliefert in der 2ten KW im Januar. Danke im Voraus für eure Antworten.