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Suzuki Rallye-Training: Bis Gummi brennt

Klein, aber rasant - Suzuki ist vielleicht kein Autogigant, wirbelt dafür eine Menge Staub auf. Die "Suzuki Driving Xperience (SDX)" bringt normalen Autolenkern das Rallyefahren bei.

Von Gernot Kramper

Mit dem Suzuki Rallye Cup leistet man sich eine eigene Rennserie – übrigens inklusive Rallye-Girls – und damit nicht genug, die "Suzuki Driving Xperience (SDX)" sorgt für Nachwuchs und bringt normalen Autolenkern das Rallyefahren bei. Zumindest in Stufe III der "Rallye Xperience", dort winkt der Schein eine nationalen A-Lizenz. Anfänger sollten zunächst an "Basic Xperience" teilnehmen und sich über den "Advanced"-Lehrgang weiter nach oben arbeiten. Wer braucht so eine Lizenz? An "kleinen" Rallyes darf man auch ohne Schein teilnehmen, eine Vorbereitung ist aber immer zu empfehlen.

Für die größeren nationalen Veranstaltungen braucht es dann zwingend den Schein, aber auch eine spezielle Ausrüstung und nicht zuletzt ein "richtiges" Rallyefahrzeug. Spätestens mit dieser Anschaffung ist es mit dem "Hinein-Schnuppern" vorbei. Aber zumindest den Einstieg in den Rallyesport via Kurs bietet Suzuki preisgünstig an.

Grauer Anfang

Der zweitägige Ralley-Lehrgang bei Deutschlands schnellsten Fahrlehrer, Motorsportlegende Nikki Schelle beginnt mit dröger Theorie. Anders wäre es wohl nicht möglich. Eine leichte Enttäuschung lässt sich in den Gesichtern der Nachwuchs-Schumis ablesen, anstatt mörderischer Kehren heißt es Schilder-Pauken. "Kommt Leute, net so müde! Am Schluss wird alles abgefragt." So geht es mit dem Motorsportchef von Suzuki durch die Regularien. Dabei muss Nikki zuerst mit der Illusion aufräumen, im Motorsport sei alles erlaubt. Von wegen "freie Fahrt für freie Bürger", abseits der Wertungsprüfungen herrschen strenge Gesetze. " Das sind normale Strassen und normale Grundstücke, die möchte der Landrat unbeschädigt wieder zurückbekommen." Spezielle Schilder für Zeitnahme und immer wieder die Warnung: "Da dürft ihr jetzt nicht mehr die Haube öffnen, auch wenn es drunter qualmt." Betretens Schweigen in der Runde. Ein Zweitageskurs ist eine Sache, aber wer glaubt schon, hinterher einen brennenden Motor löschen und reparieren zu können?

Messbare Erfolge

Ganz so schlimm kommt es am nächsten Morgen nicht, dafür sorgt schon der deutsche Nieselregen. Zwanzig Teilnehmer sind pro Kurs dabei, die meisten Veranstaltungen sind lange im Voraus ausgebucht. Los geht es mit einem "normalen" Suzuki Swift Sport auf dem ADAC Verkehrsübungsplatz bei Brühl. Ziel in den ersten Stunden: Beherrschen des Fahrzeugs in extremen Fahrsituation. Auf dem geschliffenen und gewässerten Betonboden des Platzes lassen sich unerwünschte Ausbrecher auch bei normalen Geschwindigkeiten herbeiführen. Das ist gut für die Gesundheit der Insassen und gut für das Material des Veranstalters. Die Nerven liegen trotzdem blank, wenn sich der Wagen auch beim dritten Versuch noch um die eigene Achse dreht. Trotzdem ist der Lerneffekt gegen Mittag unbestreitbar. Nach wenigen Stunden werden Manöver sicher absolviert, die am Morgen noch als unbeherrschbar galten. Auch gemeine Fallen, die selbst ein ESP-System austricksen, werden souverän umgangen. Das fahrerische Können auf dem Platz nimmt also zu, aber ob man unvorbereitet im Alltag genau so sicher und schnell reagiert wie hier auf dem Übungsplatz? Diese Frage muss offen bleiben.

Der Geruch des Rennsports

Am Nachmittag kommt es dann zum Highlight, die Fahreleven dürfen im original Suzuki-Rallye-Cup-Fahrzeug Platz nehmen. Von außen halten sich die Unterschiede zum Serienmodell noch in Grenzen, innen zeigt sich der Rallye-Suzuki erwartungsgemäß auf- und ausgeräumt. Jeder Komfort-Schnick-Schnack wurde ratz-fatz rausgerissen, dafür kamen Sicherheitskäfig und Rallyesitze und mehr Leistung mit an Bord. Der Beifahrer lugt nur so eben durchs Fenster, für den tieferen Schwerpunkt wurde sein Platz knapp auf den Fahrzeugboden abgesenkt. Im Rallyefahrzeug müssen die Fahrer zunächst lernen, anerzogene Hemmungen zu überwinden. So schnell und so präzise wie möglich muss der wendige Sportler durch die kompliziert gesteckten Pylonen-Gassen gelenkt werden. Je lockerer die Fahrer im Laufe der Stunden mit der Rennsituation umgehen, umso heißer werden Reifen und Bremsen. Die Rundstrecke klebt dann voller Gummiwürmer aus dem Reifenabrieb, bei einer Vollbremsung steht der Wagen in einer stinkenden, schwarzen Wolke. Das ist ökologisch vermutlich bedenklich, den Teilnehmern steht die Freude ins Gesicht geschrieben. Zur Belohnung gibt es das ersehnte "Bestanden"-Zertifkat aus der Hand des Meisters – während der Rückfahrt hat man dann Zeit, die Anschaffung eines eigenen Cup-Fahrzeugs zu kalkulieren.

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