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Jahresrückblick

Handy-Innovationen: Endlich mal was Neues: Warum das Smartphone 2019 wieder spannend wurde

Mehr Kameras, weniger Rand, eine neue Farbe - mehr Neuerungen hatten Smartphones jahrelang nicht zu bieten. 2019 kam wieder deutlich Schwung in die Bude. Doch das erfolgreichste Smartphone des Jahres blieb trotzdem erstaunlich konservativ.

Samsung Galaxy Fold

Mit Klapp-Smartphones wie dem Samsung Galaxy Fold kommt endlich wieder Bewegung in den Markt

Picture Alliance

Als mit dem iPhone der moderne Smartphone-Boom begann, waren die Taschen-Computer noch aufregend. Braucht man eine Tastatur? Wie groß kann und soll das Display sein, wie gut die Kamera? In den letzten Jahren ist diese Innovationsflut deutlich eingebrochen. Das Smartphone wurde standardisiert. Ob Einsteiger-Model oder Premium-Gerät: Alle haben eine Glasrückseite, Mehrfach-Knipsen und ein randloses Display. Die Aufregung der ersten Jahre war dahin. Und brandete 2019 dann doch wieder neu auf.

Endlich mal was Neues

Zum ersten Mal seit Jahren versuchte gleich eine Reihe von Herstellern, seine Geräte drastisch von denen der Konkurrenz abzugrenzen. Schon beim Mobile World Congress, der wichtigsten Mobilfunkmesse, ging es im Februar los: Viele Hersteller hatten Smartphones im Gepäck, die es so vorher noch nicht gegeben hatte. Sony zog sein Display lang, setzte mit 21:9 auf das Kinoformat für die Hosentasche. Nokia trieb den Hype um mehr Kameras auf die Spitze und verbaute gleich fünf auf einmal.

Kannste knicken, dachten sich dagegen Hersteller wie Huawei, Samsung und Motorola und gingen einen deutlich drastischen Schritt - und brachten das Klapphandy zurück. Während das Smartphone im Standarddesign quasi auserzählt ist, bleibt beim Klappmodell noch jede Menge Raum für Unterscheidungs-Merkmale. So verfolgen die Hersteller jeweils einen völlig anderen Ansatz. Motorola setzt bei der Neuauflage seines legendären Razr auf ein Smartphone, das wie gewohnt benutzt wird, für den Transport aber zusammengefaltet werden kann. Huawei und Samsung wollen dagegen die Displays weiter wachsen lassen, ihre Modelle klappen sich vom Telefon- ins Tabletformat aus.

Die plötzliche Innovationswelle ist kein Zufall. Der Smartphone-Markt ist gesättigt, die Verkaufszahlen stagnieren. Viele potenzielle Käufer sind mit ihrem alten Gerät immer noch zufrieden, warten länger mit dem Neukauf. Und selbst dann geben sie nur wenig Geld aus: Weil längst auch Mittel- und Einsteigerklasse sehr gut sind, kauft bei Android-Smartphones kaum noch jemand die teuren Spitzenmodelle. Mit denen machen die Hersteller aber den größten Profit. Kein Wunder, dass das Bedürfnis, sich absetzen zu können, so groß ist wie nie.

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Apple macht nicht mit

Da überrascht es ein wenig, dass eines der erfolgreichsten Geräte des Jahres trotz des Innovationsdrucks recht konservativ daherkommt. Apples iPhone 11 und selbst das iPhone 11 Pro sind im Vergleich recht unaufregende Geräte, die größte Neuerung - eine Weitwinkelkamera - hatten einige Konkurrenten schon länger. Mit dem schnellsten Chip auf dem Markt, einer dank Software-Tricks überragenden Kamera und dem schicken Look sind die neuen Modelle den Apple-Fans trotzdem den recht hohen Preis wert. Ein iPhone gibt es eben nur bei Apple. Der Konzern hat es entsprechend nicht nötig, sich auf Teufel komm raus mit experimentellen Features absetzen zu müssen.

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Bis das erste iPhone mit Klapp-Display, Langdisplay oder Fünffachknipse kommt, dürfte es daher noch ein paar Jahre dauern. Apple kann es sich schlicht leisten, erst dann einzusteigen, wenn sich eine der Technologien auch tatsächlich als verlässlicher Mehrwert herausstellt. Die Experimente überlässt man da gerne der Konkurrenz.

Viel Raum für Experimente

Dass es für die noch viel Spielraum gibt, zeigen alleine die völlig unterschiedlichen Ansätze bei Klapp-Smartphones. Das Samsung Galaxy Fold klappt sich um sein Display herum, um es zu schützen. Als Kompromiss ist das Außendisplay eher als Notlösung zu gebrauchen. Huawei dagegen wickelt das Display seines Mate X um die Außenseite, bietet so ein großes Display, das noch größer werden kann. Dafür ist es eben empfindlicher für Kratzer. Ideal ist aktuell noch keine der Lösungen, der Wettbewerb ist in vollem Gange.

Wie schon in der Anfangsphase des Smartphones wird sich erst beweisen müssen, welche Lösung im Alltag funktioniert, einen Mehrwert bietet und die Kunden in den Laden lockt. Und mit smarten Brillen und anderen Wearables stehen schon mögliche Nachfolger des Smartphones am Horizont. Die Entwicklung bleibt spannend - und das ist genau das, was dem Markt in den letzten Jahren fehlte.

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