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Gerasimov vs McMaster: Vergesst Trump und Putin - diese zwei Generäle führen den Krieg in Syrien

Seit Donald Trump Präsident ist, verschärft sich der Konflikt zwischen Russland und den USA - besonders auf den Schlachtfeldern Syriens. Zwei Generäle ziehen die Fäden, beide gelten als Architekten des Krieges der Zukunft.

Die Architekten des Krieges: Valery Gerasimov und H.R. McMaster

Die Architekten des Krieges: Valery Gerasimov und H.R. McMaster

Gerade hält die Nato ihre Großübung "Eiserner Wolf" im Baltikum ab - direkt vor Russlands Grenzen. Im Herbst wird Moskau sich mit einem eigenen Großmanöver revanchieren. In Washington sucht man derzeit nach Beweisen für die Russland-Connection des Präsidenten, im Bereich des Militärs gibt es keinen Schmusekurs zwischen den angeblichen Buddys Trump und Putin. Im Gegenteil: Der schon bestehende Gegensatz zwischen den USA und Russland verschärft sich massiv weiter.

Direkte Konfrontation

In Syrien wich die Obama-Administration stets einer direkten Konfrontation aus - verbale rote Linien des US-Präsidenten blieben ohne Folgen, nachdem sie überschritten wurden. Die Trump-Regierung griff in ihren wenigen Monaten nicht nur einen Flugplatz von Moskaus Verbündeten Assad an, sie beschoss syrische Truppen und holte deren Drohnen und einen Jet vom Himmel, als die Regierungstruppen, den Einfluss-Zonen von Rebellen zu nahe kamen, die von der USA unterstützt werden.

Boots on the Ground: US-Truppen operieren offen in Syrien.

Boots on the Ground: US-Truppen operieren offen in Syrien.

Strategen des kommenden Krieges

Hinter diesem Konfrontationskurs stehen zwei Männer, die der breiten Öffentlichkeit in Deutschland kaum bekannt sind, und doch als die einflussreichsten Militärs ihrer Generation gelten: H.R. McMaster in Washington und sein russischer Gegenspieler Valery Gerasimov.

Beiden Soldaten widmet das "Wall Street Journal" ein umfangreiches Portrait "Der neue Kalte Krieg lässt einen US General auf seinen ewigen russischen Widersacher treffen" (The New Cold War Pits a U.S. General Against His Longtime Russian Nemesis - Nathan Hodge, Julian E. Barnes), titelt die Zeitung.

General McMaster gilt als der intellektuelle Kopf des US-Militärs und bekleidet die Rolle des National Security Advisers von Präsident Trump. Militärischen Ruhm erlangte er durch ein Panzergefecht während des ersten Golfkrieges 1991, als seine Tanks die veralteten irakischen Modelle zusammenschossen. Weit bedeutender war allerdings der Erfolg, der von ihm geleiteten Operation Restoring Rights, in der Gegend von Tal Afar 2004, bei der es McMaster durch neue Taktiken gelang, die Aufständischen aus ihren Stützpunkten zu vertreiben. Dieses Meisterstück der Bekämpfung von Aufständischen diente als Muster für die spätere US-Strategie.

Starke US-Kräfte 

McMaster teilte nie den Glauben, Kriege durch eine Handvoll von Spezialtruppen und Drohneneinsätze entscheiden zu können. In der Obama-Ära nahmen viele ab, die USA würden eine Art von billigen Mini-Kriegen erfolgreich führen können. Nun als Sicherheitsberater des Präsidenten wird McMaster damit konfrontiert, dass keiner dieser Einsätze zu einem befriedigenden Ende für die USA geführt hat.

McMaster ist überzeugt, dass die USA ein Militär benötigen, welches seine Aufgaben mit überwältigender Stärke erfüllen kann. Vor allem dann, wenn die Aufgabe darin besteht, Länder wie China und Russland in Schach zu halten. Er gilt als treibende Kraft hinter den geplanten Budgeterhöhungen des Militärs in den USA und er steht auch hinter dem Druck auf die Verbündeten, ihre Verteidigungsanstrengungen zu intensivieren.

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Der TOS1-A wurde auch an syrische Truppen übergeben.

Der TOS1-A wurde auch an syrische Truppen übergeben.

Der Krieg vor dem Krieg

General Gerasimov startete von einer ganz anderen Position. Den USA war Russland seit dem Ende des Kalten Krieges in erschreckendem Maße unterlegen. Daran änderte auch die Teil-Modernisierung der russischen Streitkräfte seit dem Georgienkrieg nichts. Am US-Militär wurde in letzter Zeit gespart, die russischen Streitkräfte waren nach der Jahrtausendwende überhaupt kein ernstzunehmender Gegner mehr. Das konnte Gerasimov ändern. Zwar ist nur ein Teil der russischen Streitkräfte modern ausgestattet, aber die neuen Waffen Russlands sorgen für Aufsehen und Besorgnis.

 Das ist nicht allein sein Werk, auf Gerasimov persönlich geht aber das Konzept zurück, welches die westlichen Gegenspieler "Hybride Kriegsführung" nennen. Gemeint ist ein Zusammenwirken von Mitteln des klassischen Militärs, die starke Einbeziehung lokaler Gegebenheiten und Verbündeter kombiniert mit Methoden des Cyberwars und des Einflusses auf Wahrnehmung und Meinungsbildung etwa durch Internetmedien.

Der Aufschrei des Westens über das angebliche unfaire Spiel Moskaus ist sicher heuchlerisch, weil zumindest die USA mit ihren Geheimdiensten seit dem Zweiten Weltkrieg eine Unzahl an Konflikten auf ähnliche Weise geführt haben. Aber für Russland war ein radikalerer Kurswechsel zur sowjetischen Strategie kaum denkbar. Diese beruhte vorher letztlich darauf, in kurzer Zeit mit einer ungeheuren Kraftanstrengung den Gegner niederzuwalzen.

Gerasimov beschrieb die Vorzüge von nicht klassisch-militärischen Methoden so: "Indirekte und asymmetrische Handlungen … erlauben einem, dem Gegner die Herrschaft über ein Gebiet zu verweigern, ohne selbst irgendein Gebiet besetzen zu müssen."

Das neue Konzept Moskaus sieht man derzeit in Syrien. Mit viel Geduld und einer Unzahl an lokalen Anstrengungen hat Moskau mit einem sehr überschaubaren Einsatz an Mittel dem Konflikt eine Wende geben können. Erst Gerasimovs Strategie machte diese Art von "Weltpolitik für arme Leute" möglich.

Der Krieg der Köpfe

Seit Jahren belauern sich beide militärische Denker gegenseitig. Gerasimov analysierte die Regime-Change Operationen der USA in Afghanistan und Irak. McMaster soll in einem Geheimpapier die russischen Methoden untersucht haben, wie mit Störsendern und Drohnen im Ukrainekonflikt aus altmodischer Artillerie eine Waffe gemacht wurde, die Schlachten entscheiden konnte. Auch hier zeigt sich die russische Tendenz, mit wenig Aufwand viel zu erreichen. Die Geschütze stammten allesamt aus der Sowjetzeit. Sie mussten nicht kostspielig ersetzt werden. Radar, Jammer und Drohnen machten die alten Geschütze fit für die Gegenwart. 

Wie heiß wird der neue Kalte Krieg?

Abzuwarten bleibt jetzt, wie die beiden Architekten der Zukunft des Krieges in Syrien miteinander umgehen werden. McMaster machte deutlich, dass die USA im gegenwärtigen Kampf um die Grenzen Syriens und des Zugangs zur umkämpften Stadt Rakka vor direkten Angriffen auf Moskaus Verbündete nicht zurückschrecken werden. Moskau hingegen reagierte mit der Ankündigung, zur Not die Jets der USA vom Himmel zu holen. Diese Ankündigung ist so wenig glaubhaft, dass sie auch zum Konzept der hybriden Kriegsführung zählen kann. Offen bleibt damit, welchen Gegenzug Gerasimov wirklich wählen wird.


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