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Schlüsselfinder AirTags im Test: So gut sind Apples Such-und-Find-Chips

Das iPhone erkennt das AirTag im Hintergrund auf wenige Zentimeter genau.
Das iPhone erkennt das AirTag im Hintergrund auf wenige Zentimeter genau.
© Christoph Fröhlich / stern
Schlüssel verloren oder Rucksack im Bus liegen lassen? In diesem Fall sollen Apples AirTag helfen. Wir haben den smarten Bluetooth-Chip getestet.

Es gibt eine Sache, die Sonnenbrillen-Etuis, Schlüssel und Rucksäcke gemeinsam haben: Man lässt sie gerne irgendwo herumliegen, ohne sich später erinnern zu können, wo. Und dann geht das hektische Suchen und Wühlen los. Mit den AirTags hat Apple nun ein Hilfsmittel für solcherlei verloren gegangene Gegenstände auf den Markt gebracht. Dabei handelt es sich um einen Bluetooth-Chip, den man an Gegenständen befestigen kann, um diese anschließend mit dem iPhone auffindbar zu machen. Wir haben Apples Such-und-Find-Chips ausführlich getestet und verraten, was sie können - und wo der Konzern noch nachbessern sollte.

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Design und Einrichtung

Die AirTags sind das wohl kleinste und leichteste Apple-Produkt aller Zeiten. Der Chip selbst ist etwas größer als ein Kronkorken und wiegt elf Gramm. Doch selbst bei solch überschaubaren Ausmaßen bleibt Apple seinen Design-Prinzipien treu: Die Vorderseite besteht aus strahlend-weißem Kunststoff, die Rückseite aus hochglanzpoliertem Edelstahl samt Logo. Das Gehäuse selbst ist staub- und wasserdicht nach IP67-Standard, hält also Regen mühelos stand.

Vorder- und Rückseite des AirTag
Vorder- und Rückseite des AirTag
© Christoph Fröhlich / stern

Die Einrichtung eines AirTags ist schnell erledigt: Man hält den Tracker nah an das iPhone, auf dem mindestens iOS 14.5 installiert sein muss, daraufhin öffnet sich automatisch ein Menü. Hier gibt man dem AirTag einen Namen und verbindet es mit der eigenen Apple-ID und Telefonnummer. Anschließend taucht es in der "Wo ist?"-App im "Objekte"-Reiter auf. In diesem Stadium lässt sich das AirTag mit keiner anderen Apple-ID mehr verbinden, bis es aus dem ursprünglichen Apple-Account entfernt wird. Bis zu 16 Stück können je Apple-ID registriert werden. Mit Android-Smartphones können die AirTags nicht eingerichtet werden.

Anschließend kann man das AirTag in die Tasche oder den Rucksack legen. Um es an einem Schlüsselbund oder Koffer zu befestigen, benötigt man zusätzlich einen Anhänger, der je nach Ausführung teurer ist als der eigentliche Tracker. Apple hat eine Reihe von Schlüssel- und Taschenanhängern aus Leder und Kunststoff entworfen. Aber auch andere Hersteller sind bereits auf den Zug aufgesprungen und bieten eigenes Zubehör an. Das Unternehmen Moment etwa verkauft ein Case, das man an Oberflächen wie einer Drohne oder Kamera befestigen kann.

AirTag im Anhänger am Schlüsselbund
AirTag im Anhänger am Schlüsselbund
© Christoph Fröhlich / stern

Ihre Energie beziehen die AirTags aus einer handelsüblichen Knopfzellen-Batterie (Typ CR2032), die man mit einem Handgriff austauschen kann. Eine kleine Sensation im Appleversum. Die Laufzeit liegt bei einem Jahr, so der Hersteller. Überprüfen konnten wir diese Angabe aufgrund der kurzen Testdauer nicht.

So funktioniert das Tracking

Um ein AirTag zu orten, gibt es mehrere Optionen. Den groben Standort sieht man auf einer Karte in der "Wo ist?"-Anwendung, die auf iPhones und iPads vorinstalliert ist. Befindet sich der Chip in unmittelbarer Umgebung, also in Bluetooth-Reichweite, hat man mehrere Möglichkeiten, den Gegenstand aufzuspüren. Über die App oder via Siri ("Hey Siri, suche meinen Rucksack") kann man das AirTag etwa einen Ton abspielen lassen. Der ist laut genug, um ihn auch ein bis zwei Räume entfernt wahrzunehmen. In lauten Umgebungen könnte das Piepen jedoch zu leise sein. 

Dann hilft der "Suchen"-Modus, der mit einem iPhone 11 und iPhone 12 besonders genau ist. Diese Baureihen besitzen den sogenannten U1-Chip, mit dem eine extrem präzise Ortung im Raum möglich ist. Mithilfe von Kamera, Augmented Reality, Beschleunigungssensor und Gyroskop lotst einen das iPhone wie beim Topfschlagen auf dem Kindergeburtstag zentimetergenau zum Gegenstand. Je näher man dem Ziel kommt, desto stärker vibriert das iPhone. Im Test funktionierte das zuverlässig in einem Radius von fünf bis sieben Metern, die maximale Reichweite scheint bei etwa zehn Metern zu liegen. Steht man weiter weg, ist das Signal in der Regel zu schwach.

Das Smartphone navigiert einen mit Hilfe von Richtungsangaben, Sounds und haptischem Feedback zum verlorenen Objekt
Das Smartphone navigiert einen mit Hilfe von Richtungsangaben, Sounds und haptischem Feedback zum verlorenen Objekt
© Christoph Fröhlich / stern

"Verloren"-Modus der AirTags

Doch was, wenn man das Objekt wirklich verliert, es also nicht im gleichen Raum oder Haus liegt? Wenn man Rucksack, Gitarrenkoffer oder Sporttasche beispielsweise im Zug liegen lässt? Dann kann man das damit verbundene AirTag in der "Wo ist?"-App als "Verloren" markieren und auf Wunsch eine Nummer samt Nachricht für den oder die Finder:in hinterlassen. Um diese abzurufen, muss man nur ein NFC-fähiges Smartphone - und das sind so ziemlich alle, die in den vergangenen fünf Jahren produziert wurden - an den Chip halten. Apple-Geräte können die Informationen in der "Wo ist?"-App auslesen, während bei Android-Handys eine Webseite angezeigt wird. 

Befindet sich ein AirTag im "Verloren"-Modus und wird von einem fremden iPhone geortet, erhält man eine Mitteilung samt Standort, wo sich dieses AirTag befindet. Jedoch ist immer nur der Standort der letzten Lokalisierung zu sehen, der Verlauf kann nicht nachvollzogen werden.

Eine Frage der Privatsphäre

Apples "Wo ist"-Netzwerk hat neben seiner Einfachheit einen weiteren entscheidenden Vorteil: Mehr als eine Milliarde Geräte weltweit sind in dieses System eingebunden. Und sie alle tauschen sich, sobald sie in Bluetooth-Reichweite geraten, verschlüsselt untereinander aus. Nähert sich also jemand mit einem fremden iPhone dem als verloren markierten AirTag, nehmen beide Geräte untereinander Kontakt auf. 

Die Standorte des AirTags kann man sich in der "Wo ist?"-App anzeigen lassen.
Die Standorte des AirTags kann man sich in der "Wo ist?"-App anzeigen lassen.
© Christoph Fröhlich / stern

Das iPhone überträgt dann anonymisiert und nicht in Echtzeit den Standort des AirTags, den allerdings nur der Inhaber oder die Inhaberin der damit gekoppelten Apple-ID einsehen kann. Weder das fremde iPhone noch Apple selbst haben Zugriff auf die Daten, betont der Hersteller, da die gesamte Verbindung vom Sender bis zum Empfänger Ende-zu-Ende-verschlüsselt ist. Dieser Prozess ist zudem energiesparsam und wirkt sich kaum auf den Akkuverbrauch aus. Wer ein fremdes AirTag findet, kann dessen Standort-Historie nicht auslesen, da diese nicht auf dem Gerät gespeichert werden. 

Schutz gegen Schnüffelei

Doch nicht nur die Privatsphäre der AirTags-Besitzer:innen wird geschützt, betont Apple. "AirTags wurden so entwickelt, dass sie unerlaubtes Tracking verhindern", heißt es auf der offiziellen Webseite. Dafür hat der Konzern mehrere Vorkehrungen gegen unerlaubtes Schnüffeln implementiert. Hier wird es kompliziert. 

So ist ein iPhone in der Lage, zu erkennen, wenn sich das AirTag einer fremden Person in der Nähe befindet, aber von seinem Besitzer oder der Besitzerin getrennt ist. Bewegt sich dieses AirTag auf Schritt und Tritt mit - etwa weil es unbemerkt in die Jackentasche gesteckt wurde -, erhält man eine Push-Benachrichtigung, sobald man Zuhause ankommt oder einen häufig besuchten Ort - von Apple "wichtige Orte" genannt - erreicht.

Besitzt man mehrere AirTags, tauchen diese in der Karte der "Wo ist?"-App auf.
Besitzt man mehrere AirTags, tauchen diese in der Karte der "Wo ist?"-App auf.
© Christoph Fröhlich / stern

Befindet man sich an einem anderen Ort, erhält man am Ende des Tages eine Mitteilung. Ortet das eigene iPhone auf diese Weise ein fremdes AirTag, kann man zur genaueren Lokalisierung den Ortungs-Sound abspielen.

Anti-Tracking bei Android-Geräten

Besitzt die Person ein Android-Smartphone, beginnt das AirTag zu piepsen, allerdings erst nach drei Tagen. Ein meiner Meinung nach zu langer Zeitraum. Apple erklärt, dass sowohl die Logik als auch die Zeitspanne jederzeit angepasst werden können. Jedoch möchte der Konzern erst einmal Erfahrungen sammeln. Das ist nachvollziehbar, schließlich gibt es eine solche Anti-Schnüffel-Funktion bislang in keinem anderen Gerät dieser Kategorie. Andere Tracker warnen etwa nicht proaktiv mit akustischen Signalen.

Und es gilt bei einer solchen Funktion, das richtige Maß aus Schutz und Komfort zu bestimmen: Ist der Zeitraum zu kurz oder die Sensitivität zu hoch, wird womöglich bereits Alarm geschlagen, wenn man lediglich von einem Familienmitglied für ein paar Stunden die Autoschlüssel geliehen hat. Deshalb wird sich erst in den kommenden Monaten zeigen, ob und in welchem Ausmaß hier nachjustiert werden muss.

Der Schlüssel ist gleich in Greifreichweite
Der Schlüssel ist gleich in Greifreichweite
© Christoph Fröhlich / stern

Zwei Verbesserungsvorschläge

Zwei Wünsche hätte ich noch an die Ingenieure in Cupertino: Zum einen wäre eine Schnellsuche praktisch, sei es als Widget für das iPhone oder eine direkte Verknüpfung auf der Apple Watch für einzelne Gegenstände. Wenn ich morgens die Schlüssel suche, möchte ich nur einen Knopf drücken und nicht erst eine App starten müssen.

Zum anderen fehlt mir eine Art "Erinnerung"-Modus. In diesem Fall würde mich das iPhone proaktiv erinnern, wenn ich mich zu weit von einem (möglicherweise zuvor als priorisiert markierten) Gegenstand entferne. Packe ich etwa eineAirTag ins Portemonnaie und verlasse das Haus ohne Geldbörse, könnte mir das iPhone nach wenigen Hundert Metern eine Push-Benachrichtigung senden.

Airtags versus Tile

Auch andere Hersteller bieten Smartphone-kompatible Tracker und Schlüsselanhänger an. Der namhafteste ist Tile, der vom Sticker bis zum Geldbörsen-Chip alle möglichen Helfer im Angebot hat. Die bieten beispielsweise eine solche Erinnerungs-Funktion, benötigen allerdings eine eigene App und Zugriff auf die Ortungsfunktion des Smartphones. Dass Apple die Funktion bereits im Betriebssystem seiner Geräte integriert hat, ist ein entscheidender Vorteil. Zudem sind die Tile-Tracker nicht in das weit verbreitete "Wo ist?"-Netzwerk eingebunden. 

Für die AirTags gibt es jede Menge Zubehör
Für die AirTags gibt es jede Menge Zubehör
© Christoph Fröhlich / stern

Fazit

Spektakulär unspektakulär - so könnte man Apples neue AirTags zusammenfassen. Das Design ist schlicht und die Einrichtung kinderleicht. Ihre Aufgabe - das Auffinden von verlorenen Gegenständen - erledigen die AirTags mit Bravour. Der Fokus auf Privatsphäre ist angesichts der sensiblen Standortdaten wichtig und richtig. Beim Anti-Tracking-Schutz könnte Apple in meinen Augen sogar noch einen Gang höher schalten, ohne dass dies zu Lasten des Komforts geht.

Ein einzelnes AirTag kostet 35 Euro, etwas günstiger wird es im Viererpack für 119 Euro. Damit ist Apples Such-und-Find-Lösung ähnlich teuer wie die Tracker der Mitbewerber. Besitzer und Besitzerinnen von Android-Smartphones können mit den Chips nichts anfangen. Doch in das Apple-Ökosystem sind sie nahezu perfekt integriert.

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