Ausbildung
Sachsens Handwerk setzt auf internationale Nachwuchskräfte

Auch wegen des demografischen Wandels setzt das sächsische Handwerk zunehmend auf Auszubildende aus dem Ausland. (Archivbild) Fo
Auch wegen des demografischen Wandels setzt das sächsische Handwerk zunehmend auf Auszubildende aus dem Ausland. (Archivbild) Foto
© Sebastian Kahnert/dpa
Immer mehr junge Menschen aus dem Ausland beginnen eine Ausbildung in Sachsens Handwerksbetrieben. Die Zahl erreicht einen neuen Höchststand - auch weil dem Freistaat zunehmend Fachkräfte fehlen.

In Sachsens Handwerksbetrieben werden so viele junge Menschen aus dem Ausland ausgebildet wie noch nie. Derzeit absolvieren mehr als 1.020 Ausländerinnen und Ausländer eine Ausbildung im Handwerk im Freistaat, wie aus Zahlen der drei sächsischen Handwerkskammern in Chemnitz, Dresden und Leipzig hervorgeht. 2022 waren es noch 620, 2024 bereits 751. 

Besonders gefragt sind unter den Auszubildenden Berufe wie Fachverkäufer im Lebensmittelhandwerk, Kfz-Mechatroniker, Friseur, Elektroniker und Bäcker. Die jungen Menschen kommen vor allem aus Vietnam sowie aus Ländern wie Syrien, der Ukraine, Venezuela, Afghanistan und dem Irak. 

"Das Handwerk trägt maßgeblich zur Integration im Freistaat bei", sagte der Präsident des Sächsischen Handwerkstages, Uwe Nostitz. Dies sei angesichts des demografischen Zustandes der Gesellschaft auch "besonders wichtig". 

Demografischer Wandel verschärft Fachkräftemangel 

Der Bedarf an Arbeitskräften dürfte nach Einschätzung der Branche weiter steigen. So erhielten 2024 nach Angaben der Deutschen Rentenversicherung Mitteldeutschland 47.142 Menschen in Sachsen erstmals eine Altersrente. Dem standen im selben Jahr knapp 34.000 Schulabgänger gegenüber. Zudem sinke die Geburtenrate seit Jahren. 

Im vergangenen Jahr begannen mehr als 5.900 junge Menschen eine Ausbildung in einem handwerklichen Beruf im Freistaat. Das entspricht einem Plus von 5,9 Prozent gegenüber 2024. "Die Zahlen sind sehr erfreulich. Dennoch werden wir weiter auf qualifizierte Zuwanderung angewiesen sein, um den Bedarf zu decken", sagte Nostitz. Das Handwerk stehe bereit, seinen Anteil an der gesamtgesellschaftlichen Aufgabe zu leisten. "Dafür brauchen die Unternehmen vor allem Verlässlichkeit und Rechtssicherheit." 

Sprache bleibt größte Integrationshürde 

Als größte Hürde bei der Integration nennt die Branche den Spracherwerb. "Für den Berufsschulunterricht, das Verstehen von Arbeits- und Sicherheitsanweisungen oder die Kommunikation mit Kunden, Kollegen und Vorgesetzten sind fundierte Deutschkenntnisse unerlässlich", erklärte Nostitz. 

Der Sächsische Handwerkstag vertritt nach eigenen Angaben mehr als 54.000 Handwerksbetriebe im Freistaat mit rund 280.000 Beschäftigten und einem Jahresumsatz von knapp 36 Milliarden Euro.

dpa