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Reha-Klinik in Heiligendamm Covid-19-Patienten leiden an überraschenden Spätfolgen – Chefärztin berichtet von Symptomen

Sehen Sie im Video: Covid-19-Patienten leiden an überraschenden Spätfolgen – Reha-Klinik in Heiligendamm will helfen.


Corona ist für den 51-jährigen Stefan Grzenia seit Anfang März ein ständiger Wegbegleiter. Er ist ein ehemaliger Chemiefacharbeiter, jetzt bei der Gebäudesicherung und im Gebäudemanagement beschäftigt. Er war unter den deutschen Touristen, die sich beim Ski-Urlaub in Ischgl angesteckt haben. Aber komplett genesen ist er selbst nach Monaten noch immer nicht. Daher ist er in einer Reha-Klinik in Heiligendamm. Denn er kann nicht richtig atmen, leidet unter Gelenkschmerzen und Konzentrationsstörungen. "Dass man eben vom Kopf her sich einfach gar nicht mehr konzentrieren kann. Auch gar nicht mehr sprechen möchte. Dann macht man zu. Ich möchte einfach meine Ruhe haben, weil ich einfach gar nicht mehr folgen kann, um das hier oben zu verarbeiten und ein sinnvolles Gespräch weiterzuführen, weil man mal merkt, man ist dann völlig überfordert in Sachen, dass da Gehirn so gar nicht mehr diesen ganzen Input verarbeiten kann." Auch der Unternehmer Thomas Thielen war im März in Österreich im Ski-Urlaub und hat einen schweren Infektionsverlauf zu Hause in der Quarantäne überstanden. Er habe mehrere Tage fast komatös im Bett verbracht und hätte genauso gut sterben können, glaubt er heute. Er war ein sportlicher Typ, der lange Strecke schwimmt und läuft. Nun tauchen immer neue Spätfolgen seiner Erkrankung auf. Sein Gleichgewichtssinn ist schwer gestört, und er hat am ganzen Körper Schmerzen. "Es ist ein permanentes Ziehen, Stechen auf der ganzen Haut. Zwischendurch sticht es natürlich mehr im Brustbereich, aber teilweise ist es bei mir so, dass ich morgens unter der Dusche stehe und heule, weil die ersten Wasserstrahlen auf der Haut Schmerzen auslösen, und das war halt auch nicht die ganze Zeit. Es kommt halt immer was Neues hinzu. Erst kämpft man mit der Atmung, dann kommt das nächste. Dann kommt das nächste. Ich vergesse alles." Die Chefärztin der Abteilung Atemwegserkrankungen an der Reha-Klinik in Heiligendamm, Jördis Frommhold, kennt das Problem von weit über 100 anderen Corona-Patienten, die keineswegs nur ältere Menschen mit einem schweren Krankheitsverlauf sind. "Wir merken Leistungsminderungen extremster Art viel, viel stärker als zum Beispiel nach Influenzaerkrankungen. Wir sehen neurologische Problematiken, die auftreten, auch vielfältigster Art von Lähmungserscheinungen, von Sensibilitätsstörungen, aber auch bis hin zu kognitiven Einschränkungen, zu Gedächtnisstörungen, zu Gedächtnislücken, Wortfindungsstörungen. Also Symptome, die auch schon demenziell anmuten, mitunter. Und das alles bei Patienten in internistisch jungen Alter zwischen 35 und 65, also letztendlich im besten Lebensalter, häufig ohne Vorerkrankungen. Häufig gut trainiert." Frommhold wirbt dafür, dass Corona-Patienten auch nach Ende ihres Krankenhausaufenthalts wieder vollständig gesund werden und ambulante und stationäre Therapie-Angebote wahrnehmen können. Denn wenn eine immer größere Zahl von Corona-Patienten teilweise oder ganz berufsunfähig wird, dann kann sich das nach ihrer Meinung auch schnell zu einem wirtschaftlichen und sozialen Problem entwickeln.
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Viele Patienten leiden auch nach ihrer Covid-19-Erkrankung noch an Spätfolgen. Das könne sich auch schnell zu einem wirtschaftlichen und sozialen Problem entwickeln, meint die Chefärztin der Abteilung Atemwegserkrankungen an der Reha-Klinik in Heiligendamm.

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