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M. Beisenherz: Sorry, ich bin privat hier: Das Schulz-Showrakel - Die nächsten 100(prozentigen) Tage

Nachdem Martin Schulz mit 100 Prozent zum neuen SPD-Chef gewählt wurde, ist der Mann kaum noch zu stoppen. Micky Beisenherz wagt eine Prognose, welche Wunder der Würselener als nächstes vollbringen wird.

Martin Schulz

Wer kann Martin Schulz noch stoppen?

Einhundert Prozent. Ich bin mir sicher, nach dem Hype der letzten Wochen wird über das Ergebnis schon ein wenig enttäuscht gewesen sein. Da hätte doch mehr drin sein müssen.
Dennoch: Wenn man ein Wahlergebnis erzielt, bei dem sich selbst Nordkoreas Kim Jong Un verwundert die Augen über so viel blinde Verehrung reibt, dann ist das schon bemerkenswert. 100 Prozent! Martin Schulz schafft es, selbst gestandene Sozialdemokraten wie Willy Brandt noch posthum runterzuscharpingen. Unbestätigten Gerüchten zufolge hatten Unzählige während der Rede des Gottkanzlers spontanen Eisprung, Hannelore Kraft und Ralf Stegner inklusive.

Hatte auch ich den Kandidator am Anfang für nicht mehr als Kanonenfutter gehalten, so entfacht er nun eine Wirkung, deren Ende noch gar nicht absehbar ist. Es gibt nichts, das ihm nicht gelingen mag.


Martin Schulz: So werden die nächsten Wochen

26. März: Erdrutschsieg für die bei der Saarlandwahl. Etwas unerwartete 45 Prozent für die sozialdemokratische Kandidatin Anke Rehlinger. Ungläubiger Jubel auf rund 2.500 Quadratmetern. Das ist eine Fläche, fast so groß wie das Saarland.

31. März: Martin Schulz betritt den ICE Kevin Großkreutz auf der Fahrt nach Dresden. Dieser erreicht den Zielbahnhof fünf Minuten vor der geplanten Ankunftszeit. Bei einer Rede in Eskisehir regnet es Ballons von der Decke der Mehrzweckhalle. Der türkische Präsident Erdogan hat die deutsche Regierung soeben zum hundertsten Mal mit Nazis verglichen.

12. April: Nach einem Dialog mit Vertretern von Pegida löst sich die Vereinigung auf. Man trifft sich jetzt montagabends zur gemeinsamen Seidenmalerei und dem Stricken von Kinderfahrradhelmen. Lutz Bachmann besinnt sich darauf, das Vereinsheim von River Cola Bautzen mit Fensterbildern aus geklauten Lippenstiften zu verzieren. Peter Tauber wirft Schulz vor, ja nur Wahlkampf betreiben zu wollen. Zumindest ein Vorwurf, den Angela Merkel von niemandem hören muss.

21. April: In der Presse taucht ein Foto von Schulz in einem ommastrumpffarbenen Opel Monza auf. Die Börse reagiert sofort. Die Aktie des angeschlagenen Unternehmens steigt um acht Punkte. Eine griechische Zeitung zeigt in einer SS-Uniform. Die reagiert nicht.

25. April: Berlin-Mitte. Martin Schulz bekommt einen normalen Latte Macchiato. Mit Kuhmilch. Der Kellner spricht ihn auf Deutsch an.

26. April: Ein Treffen mit Impfgegnern. Diese bleiben zwar kritisch gegenüber der Schulmedizin, durch Handauflegen aber kann Schulz die Kinder von den gröbsten Krankheiten heilen. Auch von allen, die noch kommen werden. Die Eltern versprechen, die Nächstgeborenen statt Theodor, Friedensreich oder Philomena alle Martin zu nennen.

30. April: "Kult-Hartzer" Arno Dübel, Deutschlands beliebtester Arbeitsloser ("Ich krich vom Amt!"), kündigt an, sich nach 45 Jahren doch mal einen Job zu suchen. In Elmshorn. Der tiefsoziale Ansatz des Kandidaten habe ihn dermaßen überzeugt, dass er einer Regierung Schulz nicht unnötig auf der Tasche liegen wolle. Angela Merkel wird vom Polen Kacz... Kazc.... von Teilen der polnischen Regierung als Nazi bezeichnet.

1. Mai. Tag der Arbeit

3. Mai.: Martin Schulz kündigt an, sich die Baustelle BER ansehen zu wollen.

4. Mai: Der Berliner Flughafen ist fertig. Wenn Schulz schon persönlich kommt, wollte man sich dann doch nicht die Blöße geben und hat schnell alles fertig gemacht.

5. Mai: Peter Tauber twittert irgendwas. 

7. Mai: Peter Altmaier auch.

9. Mai: Ein nach Weimar. Martin Schulz hat stabiles W-Lan. Durchgehend.

12. Mai: Der Undercut wird als Trendfrisur abgelöst. Candy Kochalsky vom "Hair Force One", Hamburg-Barmbek: "Alle wollen jetzt den Schulz. Es ist irre. Wir rasieren den jungen Männern hier reihenweise eine Tonsur. Auch die Hipsterbärte kommen alle ab. Wir kommen gar nicht mit dem Scheren nach." Victor Orban bezeichnet Angela Merkel als Nazi.

14. Mai: Landtagswahl in NRW. Etwas überraschend gewinnt die SPD mit 71 Prozent. Zugute kommen Hannelore Kraft Bilder eines gemeinsamen Spaßbadbesuches mit Martin Schulz in der Beachhalle Witten, wenige Tage zuvor. Peter Tauber wirft ihr daraufhin vor, schamlos die Sex-Karte zu spielen.

15. Mai: Der Betreiber des "Aquana" Würselen lässt verlauten, man hätte Schulz auch gerne zum gemeinsamen Plantschen eingeladen. Leider habe man keine Antwort erhalten.

20. Mai: Martin Schulz schenkt dem Berliner Zoo ein Eisbärenjunges, das er wochenlang bei sich zuhause aufgezogen hatte. Es ist topfit und hat eine glänzende Sozialprognose. Es soll Siggi heißen.

21. Mai: Schulz zu Gast bei Maybrit Illner. Sie trägt eine Spencer-Jacke aus Cord. Bei der Frage nach seinem Programm im Detail verweist Schulz auf die gute Stimmung im Saal. Die wolle man doch jetzt nicht kaputt machen. Alle lachen und schwenken um auf die doofen Türken.

22. Mai: Erdogan bestellt den deutschen Botschafter ein. Der hat mittlerweile Laktatwerte wie Usain Bolt. Oder Peter Tauber.

25. Mai: Captain Germania, Martin Schulz trifft Donald Trump. Nach einem freundlichen Gespräch geht man Essen. Am nächsten Morgen fliegt Schulz zufrieden heim. Nicht einmal eine Stunde später: Trump löscht seinen Twitter-Account und tritt zurück. In seiner kurzen Abschiedsrede macht er sich für Arnold Schwarzenegger stark und gibt zu, bei öffentlichen Auftritten regelmäßig Aufstülphände aus Plastik in Herrengröße getragen zu haben.

27. Mai: Ein Wahlkampfauftritt in Düren. Auf der Bühne, Commandante "Che" Schulz. Außerdem Susi, die Putzfrau. Und Ryan Gosling.

29. Mai: Der Duden kündigt an, "Würselen" offiziell als Verb aufzunehmen. "Würselen" = sich mit gebrochener Vita nach ganz oben ackern. Beispiel: "In nur wenigen Jahren hat er sich vom Lageristen zum Filialleiter gewürselt." 

30. Mai: Die Firma Rotkäppchen gibt bekannt, einen Jahrgangssekt nach Martin Schulz zu benennen.

31. Mai: Nach genauerer, interner Beratung will die Firma Rotkäppchen davon plötzlich nichts mehr wissen.

3. Juni: Schulz besucht Viktor Orban. Nach seiner Abreise bemerken Tausende Ungarn, dass ihr Nutella plötzlich viel nussiger und westlicher schmecke.

4. Juni: Auf Marktplätzen in Ingolstadt verteilt die CSU Programmheftchen. Vorne drauf zu sehen ist die Kanzlerin in SS-Uniform.

11. Juni: Opel schluckt VW.

13. Juni: Hollywood klopft an. Begeistert vom Charisma des rheinischen Beau bietet ihm Regisseur Terrence Malick an, in der Fortsetzung des Mega-Hits "Notting Hill" in einer Doppelrolle sowohl den sympathischen Buchhändler als auch seinen genussfreudigen Mitbewohner zu spielen.

16. Juni: Martin Schulz betritt die Postfiliale Hindenburgdamm 1, 12203 Berlin. Der Service ist hervorragend, er wird freundlich bedient. Ganz normal.

17. Juni: Unter tosendem Applaus eröffnet Schulz die Bundesgartenschau in Herne. Eine blühende Landschaft. Was ein wenig verwundert, da bis zum Erscheinen von Schulz dort lediglich ein Lidl-Parkplatz war.

20. Juni: Zuspruch aus Ankara. Erdogan zeigt sich begeistert vom virilen Schulz. Dies sei "der netteste Nazi, den ich seit Langem gesehen habe".

21. Juni: Peter Tauber zeigt klare Kante im Internet. Der Katzenfutter-Onlineversand "Pussyfeeder24" kriegt gerade einmal einen Stern bei Yelp.

23. Juni: In der CDU-Kantine zieht man mittlerweile regelmäßig Hölzchen, wer neben Jens Spahn sitzen darf.

25. Juni. 10 Uhr. Der Programmparteitag der SPD. Martin "el Librero" Schulz erscheint und bekommt Standing Ovations. Diese enden nach 360 Minuten um 16 Uhr, dem offiziellen Ende des Parteitages.

25. Juni. 16 Uhr 01. Auf Nachfrage einiger weniger kritischer Journalisten präsentiert Schulz das iPhone 8 und 9, den Transrapid und ein süßes Einhornbaby. Außerdem verrät er, wo das Bernsteinzimmer liegt. Nur wenige Schritte über den Rhein Richtung Koblenz.