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Trauerfeier und Staatsakt: Deutschland nimmt Abschied von Richard von Weizsäcker

Gedenken an einen großen Politiker: Deutschland nimmt mit einem Staatsakt Abschied von Altbundespräsidenten Richard von Weizsäcker. Zum Trauergottesdienst sind 1.400 Gäste gekommen.

Richard von Weizsäcker war Ende Januar im Alter von 94 Jahren gestorben

Richard von Weizsäcker war Ende Januar im Alter von 94 Jahren gestorben

Mit einem Gottesdienst im Berliner Dom haben die Trauerfeierlichkeiten für den früheren Bundespräsidenten Richard von Weizsäcker begonnen.

Politiker gedenken seinem Lebenswerk

Bei einem Staatsakt gegen Mittag wollten neben Bundespräsident Joachim Gauck auch Außenminister Frank-Walter Steinmeier, Finanzminister Wolfgang Schäuble und Bundestags-Vizepräsidentin Antje Vollmer das Lebenswerk des früheren Staatsoberhaupts würdigen. Unter den etwa 1400 Gästen sind auch Weizsäckers Ehefrau Marianne, Kanzlerin Angela Merkel und andere Kabinettsmitglieder. Im Anschluss ist ein militärisches Abschiedszeremoniell vor dem Dom geplant.

Gauck würdigt Weizsäcker als "großen Deutschen

Bundespräsident Joachim Gauck hat den verstorbenen Altpräsidenten als "großen Deutschen" gewürdigt. "Wie nur wenige stand er für unser Land - und wie nur wenige hat er für unser Land weltweit Achtung und Sympathie erworben", sagte Gauck in Berlin.

Marianne von Weizsäcker, die Witwe von Richard von Weizsäcker und Bundespräsident Joachim Gauck nach der kirchlichen Trauerfeier

Marianne von Weizsäcker, die Witwe von Richard von Weizsäcker und Bundespräsident Joachim Gauck nach der kirchlichen Trauerfeier

"Die deutsche Geschichte hat ihn geprägt", sagte Gauck. "Und er hat selber tiefe Spuren in der Geschichte unseres Landes hinterlassen." Zwar sei nicht jeder mit allem einverstanden gewesen, was Weizsäcker sagte, doch sei immer bekannt gewesen: "Was er sagt, ist die Frucht einer großen Lebenserfahrung, eines unabhängigen Geistes und einer gründlichen Gewissensbefragung."

Im Grundgesetz sei nicht vorgeschrieben, dass ein Bundespräsident eine moralische Instanz zu sein habe. Es sei auch nicht vorgeschrieben, dass er intelligent sein, der sittlichen Vernunft folgen und auch noch durch gute Reden überzeugen können solle. "Aber Richard von Weizsäcker hat all dies beherrscht und gelebt - souverän, freundlich und selbstverständlich." Er habe damit Maßstäbe für das Amt gesetzt. "Er überzeugte besonders, weil Amt und Person so passgenau zur Deckung kamen."

Seine Reden und Handlungen hätten dem entsprochen, "was die Deutschen sich von einem Staatsoberhaupt wünschten", sagte Gauck weiter. Auch für die Menschen in der DDR sei er eine "Integrationsfigur" gewesen.

Altbischof Kruse würdigt politisches Augenmaß Weizsäckers

Der evangelische Berliner Altbischof Martin Kruse hob den Einsatz Weizsäckers für die deutsche Wiedervereinigung hervor. Der ehemalige Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) nannte Weizsäcker beim Trauergottesdienst einen "im Glauben verwurzelten Christenmenschen". Schon in seiner Zeit als Regierender Bürgermeister von Berlin zwischen 1981 und 1984 und als EKD-Ratsmitglied habe er sich um die Annäherung zwischen Ost und West verdient gemacht. Kruse lobte, "mit welchem politischen Augenmaß, mit welcher Nüchternheit und mit welchem Wagemut" Weizsäcker vorgegangen sei.

Richard von Weizsäcker bei seiner vielbeachteten Rede vom 8. Mai 1985 zum Ende des 2. Weltkriegs 40 Jahre vorher

Richard von Weizsäcker bei seiner vielbeachteten Rede vom 8. Mai 1985 zum Ende des 2. Weltkriegs 40 Jahre vorher

Weizsäcker war am 31. Januar im Alter von 94 Jahren gestorben. Er war zwischen 1981 und 1984 Regierender Bürgermeister von Westberlin und von 1984 bis 1994 Bundespräsident. In seine Amtszeit fielen der Mauerfall und die deutsche Wiedervereinigung. Als bedeutendste politische Rede Weizsäckers ist seine Ansprache vom 8. Mai 1985 zum 40. Jahrestag des Kriegsendes in Erinnerung. Damals nannte er die Kapitulation Deutschlands einen "Tag der Befreiung".

stb/yps/DPA/AFP / DPA