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Busch- und Waldbrände: Diese kruden Verschwörungstheorien werden über die Feuer in Australien verbreitet

Der Kampf gegen die verheerenden Wald- und Buschbrände, die seit Monaten in Australien toben, wird in den sozialen Medien von Lügen und offenbar auch von einer gezielten Desinformationskampagne begleitet.

Die Bilder zeigen, welche Ausmaße die Brände für Natur und Tiere haben

Seit vier Monaten wird Australien von Wald- und Buschbränden heimgesucht. 26 Menschen und unzählige Tiere sind den Feuern bislang landesweit zum Opfer gefallen. Tausende Häuser wurden zerstört. Mehr als zehn Millionen Hektar brannten nieder, das entspricht ungefähr der Größe von Bayern und Baden-Württemberg zusammen. Wissenschaftler sind sich sicher: Der Klimawandel hat seinen Teil zu dieser gewaltigen Katastrophe beigetragen.

Australien erlebe seit Jahren immer neue Temperaturrekorde, erklärte der Kieler Klimaforscher Mojib Latif. Rekordverdächtig sei auch die schon lange anhaltende extreme Trockenheit: "Das sind klare Indizien dafür, dass der Klimawandel die Brände begünstigt." Bestätigt wurde Latif am Donnerstag vom australischen Amt für Wetterkunde. 2019 sei das wärmste Jahr in Australien seit Beginn der Aufzeichnungen im Jahr 1910 gewesen, teilte das Amt in seinem jährlichen Klimabericht mit. Darüber hinaus sei im vergangenen Jahr "außergewöhnlich wenig Niederschlag" gemessen worden, im nationalen Durchschnitt so wenig wie nie zuvor. Alle Jahre seit 2013 hätten zu den zehn wärmsten in Australien gezählt, erklärte das Amt. Der Zusammenhang zwischen den Bränden, den geringen Niederschlägen und den hohen Temperaturen sei deutlich.

Verschwörungstheorien machen die Runde

Im Internet werden dagegen auch ganz andere Theorien über die Ursache der Feuersbrünste verbreitet. Einige davon sind leicht als krude Spinnereien zu erkennen: So sei noch vor einigen Wochen in den sozialen Medien die Behauptung verbreitet worden, dass es die Brände gar nicht wirklich gäbe, und der "kommunistische US-Sender CNN" Fotos des blutroten Feuerhimmels gefälscht habe, berichtet die britsche Zeitung "The Guardian". Angesichts der deutlich sichtbaren Ausbreitung der Feuer, deren Rauchfahnen mittlerweile sogar die mehr als 11.000 Kilometer entfernten Länder Chile und Argentinien erreicht haben, hat sich diese Verschwörungstheorie aber erledigt.

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Eine weitere Verschwörungstheorie basiert auf einer unscharfen Karte, die dem "Guardian" zufolge im Internet kursiert. Sie soll belegen, dass die Brände Teil eines Planes sind, um Land für eine Hochgeschwindigkeitsbahnstrecke zu roden. Die Behauptung sei schnell als Unsinn zu enttarnen, da sie eine Verschwörungstheorie kopiere, die bereits während der Waldbrände in Kalifornien aufgestellt und wiederlegt worden sei.

Beunruhigender sind da schon Verschwörungstheorien, die die Internetblase verlassen und ins Tagesgespräch einsickern. So wie der Vorwurf, Australiens Grüne hätten eine Mitschuld an der derzeitigen Lage, weil sie Brandschutzmaßnahmen blockiert hätten, die das kontrollierte Abbrennen von Vegetation in buschfeuergefährdeten Gebieten vorsehen. Tatsächlich unterstützen die Grünen derartige Maßnahmen, wie die australische Nachrichtenseite "News.com" berichtet. Zudem hätte die kleine Partei gar nicht die Möglichkeit zu einer solchen Blockade, da sie lediglich einen von 151 Sitzen im Bundesparlament innehat. Dennoch geben Mitglieder der Liberalen Partei von Premierminister Scott Morrison dem "Guardian" zufolge seit Monaten den Blockade-Mythos wieder.

Auch die Behauptung, die Feuer seien zum Großteil durch Brandstiftung entstanden, zirkuliert seit Wochen unter dem Hashtag #ArsonEmergency in den sozialen Medien. Einige Nutzer teilten laut "News.com" sogar gefälschte Nachrichtenartikel, in denen berichtet worden sei, dass Klimaaktivisten absichtlich Buschfeuer entzündet hätten, um ihren Standpunkt zu belegen. "Die Vorstellung, dass die meisten, wenn nicht sogar alle Brände von Brandstiftern entfacht wurden, ist falsch", schreibt die australische Nachrichtenseite dazu. "Zwar hat die Polizei Dutzende von Brandstiftern angeklagt, die Zahl ist aber viel niedriger als die 'Hunderte', die genannt werden."

Experte sieht gezielte Desinformationskampagne

Hinter den #ArsonEmergency-Tweets stecken offenbar häufig orchestrierte Kampagnen. Die Posts stammten zu einem viel größeren Anteil von Bot- oder Troll-ähnlichen Accounts als solche mit allgemeineren Hashtags wie #BushfireAustralia oder #AustraliaFire, berichtet die Technologiewebseite "ZDNet" unter Berufung auf eine Analyse der Queensland University of Technology (QUT). "Sie konzentrierten sich insbesondere darauf, das Klima als Ursache für die Buschfeuer zu leugnen und die Grünen verantwortlich zu machen, ebenso wie Anschläge von Brandstiftern", zitiert "ZDNet" Timothy Graham von der QUT. Die Studie der Universität habe ergeben, dass das Auftauchen des Brandstiftungsmythos' den Mustern einer koordinierten Desinformationskampagne entspreche, schreibt auch der "Guardian".

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Wer hinter dieser möglichen Kampagne steckt, ist unklar. Sie weise aber alle Merkmale eines breiteren, konspirativen Denkens und rechtspopulistischer, extremistischer Online-Diskussionen auf, erklärte Graham laut "ZDNet". Der Wissenschaftler fürchtet demnach, unangenehme Folgen der "beispiellosen" Menge an Desinformation und Fehlinformation für Australien.

"Das ist ein kleines Warnzeichen für mich", zitiert die Technologiewebseite Graham. "Ich glaube nicht, dass Australien so etwas schon einmal erlebt hat, und es sieht langsam sehr ähnlich aus wie die 60 oder 70 Beispiele aus anderen Ländern der Welt, wo Desinformation zu einem ernsthaften Problem für Wahlen und andere Dinge geworden ist."

(Hinweis: Der Text wurde nach Veröffentlichung des Klimaberichts des australischen Amts für Wetterkunde mit Informationen aus dem Bericht aktualisiert)

Quellen: "The Guardian""News.com""ZDNet", Parliament of Australia, DPA