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Ebola als Politikum: Obama und das Virus im US-Wahlkampf

Sind die USA auf die Ebola-Krankheit vorbereitet? Während einige Medien Angst schüren, schlachten Politiker die Epidemie auch im Wahlkampf aus. Barack Obama bemüht sich, eine gute Figur zu machen.

Die Republikaner versuchen wenige Wochen vor den US-Kongresswahlen, aus Ebola politisches Kapital zu schlagen. Obama handele zu langsam, wenn es um den Schutz der amerikanischen Bürger gehe, lautet ihre Kritik.

Die Republikaner versuchen wenige Wochen vor den US-Kongresswahlen, aus Ebola politisches Kapital zu schlagen. Obama handele zu langsam, wenn es um den Schutz der amerikanischen Bürger gehe, lautet ihre Kritik.

Mit dem Krisenmanagement im Wahlkampf ist es so eine Sache. Greifen Politiker halbherzig, zu spät oder gar nicht ein, werfen ihre Gegner ihnen mangelnde Führungsstärke vor. Man denke an den Unions-Kanzlerkandidaten Edmund Stoiber beim Elbe-Hochwasser im Bundestagswahlkampf 2002 - der sich nicht so medienwirksam in Szene setzte wie der damalige SPD-Kanzler Gerhard Schröder. Preschen Politiker schnell und übereifrig vor, handeln sie sich den Vorwurf ein, die aktuelle Krise nur für den Wahlkampf zu missbrauchen.

In den USA war es etwa der Hurrikan "Katrina", der 2005 den damaligen Präsidenten George W. Bush und seine schlecht koordinierte Hilfe ziemlich blass aussehen ließ. Diese Blamage wollte #link;http://www.stern.de/politik/ausland/barack-obama-90259502t.html;Amtsinhaber Barack Obama# sich ersparen, als im Herbst 2012 - im Endspurt des Rennens ums Weiße Haus - der Wirbelsturm "Sandy" in Nordamerika wütete. Seine Antwort auf die Katastrophe war professionell, die Umfragewerte bekamen einen Schub, Obama wurde im Amt bestätigt.

Obama will der resolute Krisenmanager sein

Nun ist es die lebensgefährliche Ebola-Epidemie, die sich mitten im Kongresswahlkampf durch Pressekonferenzen, öffentliche Statements und Mitteilungen von Abgeordneten und Senatoren zieht. "October surprise" (Oktober-Überraschung) nennen es die Amerikaner, wenn ein Ereignis eine politische Kampagne spät durchkreuzt und das Potenzial hat, das Wahlergebnis zu beeinflussen. US-Wahlen werden stets am Dienstag nach dem ersten Montag im November abgehalten.

Der von einem Rekord-Umfragetief geplagte Obama bemüht sich nun, als resoluter Krisenmanager dazustehen. Am Mittwoch sagte er kurzerhand eine geplante Reise nach New Jersey und Connecticut ab, wo er mit Parteikollegen auf Spenden-Events für die Demokraten die Werbetrommel rühren sollte. Nach dem Treffen mit dem Chef der US-Seuchenbehörde CDC beruhigte er die Amerikaner mit dem Versprechen, einigen der Ebola-Krankenschwestern im Krankenhaus in Atlanta sogar die Hand geschüttelt und Küsschen verteilt zu haben. Verharmlosen wollte er das Thema nicht: Die Seuche könne weltweit ausbrechen, warnte er.

Republikaner profitieren von Ebola

Den Republikanern kommt das Virus äußerst gelegen, um Stimmung gegen Obama und seine Demokraten zu machen. Denn bis am 4. November alle 435 Abgeordneten und 33 Senatoren neu gewählt werden, wollen die Republikaner noch reichlich Wähler auf ihre Seite ziehen. Im Staat Arkansas wurde das Thema schon im August ausgeschlachtet. Sogar der Vorwurf, Obama habe den Kampf gegen die #link;http://www.stern.de/politik/islamischer-staat-91904343t.html;Terrormiliz Islamischer Staat (IS)# wegen Ebola und der anstehenden Wahlen aus den Augen verloren, steht mittlerweile im Raum. Der Präsident lege sich bei der Epidemie voll ins Zeug, gehe gegen IS aber nur noch halbherzig vor, sagte etwa der republikanische Senator Lindsey Graham.

Graham steht mit seiner Kritik nicht allein da. Die republikanische Senats-Kandidatin Terri Lynn Land und Andere fordern ein Reiseverbot von und in die von Ebola betroffenen Länder und andere Maßnahmen, um nicht noch mehr Infizierte in die USA zu lassen. "Der Präsident muss führen", sagte Land einem Radiosender in Michigan. Die Antwort ihres demokratischen Gegners Gary Peters kam postwendend. "Es ist traurig, dass Terri Lynn Land jetzt so verzweifelt ist, dass sie versucht, ein tödliches Virus als Politikum zu nutzen, und es ist beschämend."

Die Befürworter und Kritiker von Obamas Krisenmanagement liegen mit 41 beziehungsweise 43 Prozent der Wähler laut einer Umfrage der "Washington Post" fast gleichauf. Kommentatoren glauben nicht, dass das Thema einen wirklichen Effekt auf die Wahlen haben könnte. Obama dürfte das nicht davon abhalten, sich in Sachen Ebola weiterhin in Szene zu setzen - und seinen Parteifreunden und Widersachern im Endspurt des Wahlkampfs damit neuen Redestoff zu liefern.

Johannes Schmitt-Tegge/DPA / DPA