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Naturkatastrophe: Verheerende Monsunzeit: Mehr als 1700 Todesopfer in Südasien

Während die Welt nach Texas schaut, verlieren schutzlose Bewohner in Südasien alles: Mehr als 1700 Menschen sind in der Monsunzeit gestorben. 

Monsunzeit in Indien: Einsatzkräfte an einem eingestürzten Gebäude

Monsunzeit in Indien: Einsatzkräfte an einem eingestürzten Gebäude in Mumbai

Was einmal eine Straße war, ist nun ein Fluss. Aus dem Wasser ragen Hausdächer hervor. Ein Boot mit einer obdachlos gewordenen Familie an Bord gleitet vorbei. Diese Szene könnte sich in Houston abspielen. Die Dächer sind aber aus Stroh, das Boot ein Kanu und kein Motorboot - dies ist Südasien.

Mehr als 1700 Menschen sind hier in diesem Sommer bei Überschwemmungen ums Leben gekommen. Es gibt zwar jedes Jahr eine Monsunzeit, diesmal ist sie aber besonders verheerend. Und diese Ecke der Welt ist viel schlechter gerüstet als die USA, die Folgen zu bewältigen.

Keine Hilfe von der Regierung 

"Wir wurden mitten in der Nacht wach, als ein Fluss in der Nähe überflutete", erzählt der Bauer Lekhnarth Khatri vom Geschehen Mitte August in dem nepalesischen Dorf Jhapa an der indischen Grenze. Die meisten Bewohner hätten sich in einer hochgelegenen Schule in Sicherheit gebracht. Es habe zwei Tage gedauert, bis Helfer Reis und Kochutensilien brachten. "Mehr als 200 Kinder, Frauen und alte Leute hatten zwei Tage lang nichts zu essen."

Von der Regierung sei nichts gekommen, erzählt Khatri der Deutschen Presse-Agentur. "Wir haben unsere gesamte Reisernte verloren, und wir wissen nicht, wie wir ohne Hilfe über die Runden kommen sollen." Auch mit den entstandenen Schäden müssten sie allein zurechtkommen. "Unser Haus ist unbewohnbar geworden, überall ist Schlamm", sagt der 32-Jährige. Kleidung und Bettwäsche sei nun unbrauchbar. Vor allem sei das Dorf immer noch größtenteils von der Außenwelt isoliert. "Unsere Kinder können nicht zur Schule gehen, weil die Fluten die Straßen weggeschwemmt haben."

Südasien: Die schlimmsten Überschwemmungen seit Jahrzehnten

Teile Südasiens erleben nach Einschätzung des Roten Kreuzes die schlimmsten Überschwemmungen seit Jahrzehnten. Das wiegt umso schwerer, bedenkt man, dass es in der Region jedes Jahr in der Monsunzeit von Juni bis September Hochwasser und Erdrutsche mit hunderten Toten gibt. Mehr als 41 Millionen Menschen in Indien, Nepal und Bangladesch seien derzeit betroffen, teilt die Internationale Föderation der Rotkreuz- und Rothalbmond-Gesellschaften mit. Einige Dörfer seien noch komplett von der Außenwelt abgeschnitten.

Die Behörden hätten keinen Notfallplan gehabt, meint der nepalesische Wasserwirtschaft-Experte Madhukar Upadhya in Kathmandu. "Das Ausmaß mag diesmal anders sein, aber das ist ein jährlich wiederkehrendes Ereignis", sagt er. Es fehle auch an Mitteln - etwa Boote, um Gestrandete zu retten. "Die Katastrophe hat die schutzlosesten Menschen getroffen. Die Folgen werden Krankheit, Armut und Nahrungsknappheit sein. Und es wird bald wieder aus den Nachrichten verschwinden, und dann sind wir wieder am Anfang."

Indien zählt die meisten Todesopfer

In Bangladesch wurden nach offiziellen Angaben seit der zweiten Augustwoche rund 700 000 Häuser beschädigt und gut ein Zehntel davon komplett zerstört - ebenso mehr als 800 000 Hektar Anbaufläche. So schlimme Überschwemmungen habe das Land seit 1988 nicht mehr erlebt, sagt Abu Moniruzzaman Khan vom UN-Entwicklungsfonds in Bangladesch. Damals starben mehr als 1600 Menschen.

Die überwiegende Mehrzahl der Opfer hat Indien zu beklagen. Mehr als 1300 Todesfälle zählt das Land seit Beginn der Monsunzeit. Getroffen hat es dort einige der ärmsten Menschen Indiens, wie Hanna Butler vom Roten Kreuz berichtet, die vor wenigen Tagen in dortigen Dörfern Hilfsgüter verteilt hat. "Die Leute hatten von vornherein nicht viel, aber wenn eine Flut alles wegnimmt, was man hat, ist es niederschmetternd."



pg / DPA