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Wetter in Europa: Ein stürmisch-heißer Sommer

Stürme und Regen im Norden, Hitzerekorde von über 45 Grad im Süden: das Wetter in Europa spielt verrückt. Über Deutschlands Norden fegte in der Nacht ein Sturm, der Bahnstrecken lahmlegte und sogar Touristen auf Helgoland festsetzte.

Ein Sturmtief mit zum Teil orkanartigen Böen ist am Dienstagabend über Norddeutschland hinweggezogen. In Hamburg sowie Teilen von Schleswig-Holstein, Mecklenburg-Vorpommern und Niedersachsen musste die Feuerwehr zu etlichen Einsätzen ausrücken. Die Helfer räumten Baumstämme und große Äste von den Straßen. Autos wurden beschädigt. Wasserschäden durch starken Regen blieben aber weitgehend aus. Großer Sachschaden sei nicht entstanden, teilten die Feuerwehrleistellen mit. An den Küsten von Nord- und Ostsee warnten die Meteorologen am Abend und in der Nacht vor Windgeschwindigkeiten von bis zu 120 Kilometern pro Stunde. Am Mittwochmorgen entspannte sich die Lage.

200 Einsätze in Hamburg

In Hamburg hielt der Sturm die Feuerwehr jedoch über Stunden in Atem. Bis 2.00 Uhr am Mittwochmorgen waren die Nothelfer zu mehr als 200 Einsätzen ausgerückt. In Hannover und Umgebung war die Feuerwehr etwa 50 Mal alarmiert worden, um umgestürzte Bäume und abgeknickte Äste zu beseitigen. In Schwerin, Neubrandenburg und Anklam in Mecklenburg-Vorpommern hatte die Feuerwehr ebenfalls viel zu tun, rund 100 Einsätze wurden bis zum Mittwochmorgen registriert.

Auf Grund des Unwetters saßen rund 440 Helgoland-Touristen über Nacht auf Deutschlands einziger Hochseeinsel fest, weil ihre Schiffsverbindung nach Hamburg wegen des schlechten Wetters eingestellt worden war. Die Bahnstrecken von Hamburg nach Sylt sowie von Lübeck nach Travemünde wurden ebenfalls unterbrochen. Die gestrandeten Urlauber wurden in der Jugendherberge, in Schulen, Marine-Unterkünften und Feuerwehrräumen untergebracht, sagte ein Polizeisprecher.

Sengende Hitze im Süden Europas

Hitzetote in Griechenland, Hochwasser-Alarm in Großbritannien und Sturmwarnungen in Deutschland - Europa erlebt derzeit viele Wetterextreme. Dabei hat sengende Hitze den Südosten und Süden Europas weiter fest im Griff. Heiße Winde aus Afrika brachten am Dienstag Temperaturen von bis zu 46 Grad auf die italienische Mittelmeerinsel Sizilien. In Griechenland und Rumänien wurden in vielen Regionen mehr als 40 Grad gemessen.

In Montenegro und Bulgarien lagen die Temperaturen bei weit über 35 Grad. Dutzende Menschen starben an Hitzschlägen; Fabriken und Behörden schickten ihre Mitarbeiter schon am Mittag in den Feierabend. In Großbritannien sorgten indes schwere Hochwasser für Chaos. Mindestens drei Menschen kamen in den Fluten ums Leben. Auf Deutschlands einziger Hochseeinsel Helgoland saßen die Touristen fest.

Waldbrände und Stromausfälle in Griechenland

Seit Beginn der Hitze in Griechenland am vergangenen Freitag sind dort mittlerweile mindestens fünf Menschen ums Leben gekommen. Zwei Männer befanden sich am Dienstag nach einem Hitzschlag im kritischen Zustand. "Ihre Körpertemperatur betrug 42 Grad, als sie zu uns ins Krankenhaus gebracht wurden", sagte ein Klinikarzt auf der Insel Kreta im griechischen Rundfunk. Insgesamt wurden binnen 24 Stunden 65 Menschen wegen Hitzschlags in Klinken gebracht.

In den südlichen Landesteilen Griechenlands wurde die Feuerwehr zu rund 65 Waldbränden gerufen. Sie konnte die Feuer aber noch rechtzeitig löschen, berichtete der Rundfunk. Staatliche Stellen schlossen am Dienstag bereits um 12 Uhr ihre Büros. Weil die Klimaanlagen überall auf Hochtouren liefen, drohten vielerorts Stromausfälle.

Dutzende Hitzetote in Rumänien

In Rumänien ist die Zahl der Todesopfer auf mindestens 35 gestiegen. Allein am Dienstag starben neun Menschen wegen der Hitze, teilte das Gesundheitsministerium in Bukarest mit. Mit mehr als 40 Grad erreichten die Temperaturen Rekordwerte. Weil keine Abkühlung in Sicht ist, berief Ministerpräsident Calin Popescu-Tariceanu für Mittwoch eine weitere Krisensitzung ein. Dabei soll es vor allem um die Wasserversorgung gehen. In vielen Gebieten sind bereits Brunnen ausgetrocknet, und der Wasserstand ist stark gesunken.

Auch in Italien leiden die Menschen unter der Hitze. In Palermo auf Sizilien lagen selbst die Nachtwerte noch bei rund 37 Grad. In der Fiat-Fabrik im sizilianischen Termini Imerese und in anderen Unternehmen wurden die Mitarbeiter nach Hause geschickt, weil die Arbeit an den heißen Öfen unzumutbar geworden war. In Bulgarien wurde die Arbeitszeit im Straßenbau bis zum Mittag verkürzt. Zudem galt ein Fahrverbot für schwere Lastwagen am Nachmittag, um die von der Hitze aufgeweichten Fahrbahnen nicht zu beschädigen.

Engländer fliehen vor den Fluten

In England und Wales haben unterdessen schwere Hochwasser enormen Schaden angerichtet und mindestens drei Menschen das Leben gekostet. Hunderte Anwohner mussten im mittelenglischen South Yorkshire vor den Fluten fliehen, weil ein Staudamm zu brechen drohte, teilte die Polizei mit. In Sheffield harrten rund 1000 Menschen in Notlagern aus, weil ihre Häuser unter Wasser standen. Andere Bewohner wurden in dramatischen Rettungsaktionen mit Hubschraubern vor den Wassermassen in Sicherheit gebracht. Andernorts trieben Autos ab, der Zugverkehr wurde lahm gelegt. Versicherer und Wirtschaftsexperten erwarteten insgesamt einen Schaden von mehreren Millionen Euro.

Auch in Deutschland sorgten Regengüsse, Blitz und Donner für einiges Chaos und Verletzte. Bei einem heftigen Gewitter wurden in München drei Studentinnen vom Blitz getroffen und erheblich verletzt. Sie hatten unter einer Kastanie Schutz vor dem Regen gesucht, als der Blitz einschlug. Am Frankfurter Flughafen beeinträchtigten heftiger Regen und Sturmböen den Luftverkehr am Dienstagmorgen. Flüge seien ausgefallen und es habe zahlreiche Verspätungen gegeben, teilte ein Flughafensprecher mit.

DPA / DPA