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Samantha Cristoforetti: Diese Frau ist die Nachfolgerin von Alexander Gerst

Samantha Cristoforetti ist die Nachfolgerin von Alexander Gerst auf der ISS. Sie fliegt an diesem Montag ins Weltall. Hat sie Angst?

An diesem Montag fliegt Samantha Cristoforetti zur ISS. Die ausgebildete Kampfpilotin ist die Nachfolgerin von Alexander Gerst. Ihr Lebenslauf liest sich, als hätte ein Action-Regisseur die weibliche Figur für ein "Top Gun"-Remake ersonnen:

Samantha Cristoforetti, geboren in Mailand, 37 Jahre alt; Studium der Luft- und Raumfahrttechnik in vier Ländern; Ausbildung zur Kampfpilotin, Offizierin der italienischen Luftwaffe; bei der Auswahl der Astronauten für die nächsten Missionen der Europäischen Weltraumorganisation Esa gegen mehr als 8400 Bewerber durchgesetzt; bald Bordingenieurin auf der Internationalen Raumstation ISS; Sprachen: fließend Italienisch, Englisch, Deutsch, Russisch, Französisch. Chinesischkenntnisse.

Wir treffen Samantha Cristoforetti im Trainingszentrum der Esa in Köln. Vor zwei Tagen ist sie aus Houston gekommen, bald geht es nach Moskau, zum Üben in der Sojus-Kapsel, die sie ins Weltall bringen wird. Eine zierliche Frau betritt in einem taillierten blauen Flieger-Overall den Raum. Ihr Körper wirkt sehnig und austrainiert, der Händedruck ist sehr ordentlich.

Das Interview (erschienen am 24.10.2013 im stern) führt sie auf Deutsch, fehlerfrei. Dabei löffelt sie Haferbrei aus einem Schälchen.

Frau Cristoforetti, in den Kinos begeistert derzeit der Film "Gravity" die Zuschauer. Darin fliegt eine Spezialistin, gespielt von Sandra Bullock, zum ersten Mal ins All. Weltraumschrott zerstört das Shuttle, die Frau kämpft um ihr Leben. Wie wirkt so ein Film auf eine angehende Astronautin?
Toll. Die Bilder, die Musik, wie wahrheitsgetreu die Raumstation dargestellt ist, bis ins kleinste Detail, absolut sehenswert.

Hat der Film bei Ihnen etwas ausgelöst, schließlich brechen Sie im nächsten Jahr selbst ins All auf?


Nein. Dazu war vieles doch zu unrealistisch. Ich war hin- und hergerissen. Einerseits verfolgte ich gebannt die Handlung wie jeder Zuschauer: Schafft sie das jetzt? Auf der anderen Seite hatte manche Szene auch eine amüsante Seite, wenn man die Wirklichkeit kennt. Das hatte mit einem echten Einsatz im Weltraum nicht viel gemein.

Sie sind kein bisschen nachdenklich geworden?


(lacht laut) Nein, gar nicht. Ich freue mich sehr auf meine Mission, das können Sie mir glauben.

Früher haben Sie sich von Filmfiguren durchaus beeindrucken lassen. Als Kind waren Sie ein großer "Star Trek"-Fan.


Das stimmt. Ich war und bin ein Trekkie. Das hat meine Sehnsucht nach dem All maßgeblich genährt.

In Schulaufsätzen schwärmten Sie von einem Flug ins All. Sind Sie der lebende Beweis, dass man sein Glück erzwingen kann?


Das sieht bei mir natürlich so aus. Aber wenn die Europäische Weltraumorganisation sechs Leute für die nächsten Missionen beruft, muss man schon unglaublich viel Glück haben. Ich konnte da nichts erzwingen, sondern nur meine Hausaufgaben machen.

Was ist so toll daran, demnächst ein halbes Jahr in einer Kapsel im Weltall zu verbringen, wo uns doch das Kino schon solch atemraubende Bilder liefert?


Wenn Sie selbst auf der Internationalen Raumstation sind und durch die Cupola, den durchsichtigen Beobachtungsturm, auf die Erde schauen, ist das emotional noch einmal etwas ganz anderes. Die Faszination ist, dass ich mich an der Grenze des physischen Raumes, in dem Menschen tätig sind, bewegen werde. Und zwar über längere Zeit. Der Mensch ist zwar schon zum Mond geflogen - aber das war nur kurz hin, dann wieder zurück. Nun lernen wir, dauerhaft 400 Kilometer von der Erde entfernt zu leben. Wir erobern neues Terrain - und ich werde Teil dieses Abenteuers der Menschheit sein.

Manche fragen sich, warum überhaupt noch Menschen ins All fliegen müssen. Das könnten doch Roboter erledigen.


Ich gehöre zu den Leuten, die glauben, Menschen dort zu haben ist ein Ziel an sich. Es geht darum, Grenzen zu erweitern, in denen wir leben können.

Entfernt sich der Mensch mit solchen Expeditionen nicht weiter aus seinem natürlichen Lebensraum, als es ihm zugedacht ist?


Vielleicht wird unser Planet irgendwann in ferner Zukunft einmal nicht mehr bewohnbar sein. Vielleicht brauchen wir dann Ressourcen, die wir auf der Erde nicht mehr finden. Ob uns der Weltraum die liefert, weiß ich nicht. Aber wenn wir nicht dort forschen, werden wir es nie erfahren.

Sie sind als eine der ersten Frauen Italiens zur Kampfpilotin ausgebildet worden. Grenzen zu verschieben hat Sie offenbar schon früher gereizt


Ich hatte schon immer extrem viel Energie, musste mich deshalb beschäftigen und wollte herausgefordert sein. Die Trennlinie von Technik und Mensch auszuloten, darin gehe ich auf. Was Kampfpiloten täglich leisten, mental und physisch, das fordert extrem. Und das habe ich sehr genossen.

Wie muss man sich Ihre Fliegerausbildung vorstellen? Saßen Sie als einzige Frau mit 50 Männern in einer Klasse?


Nein. Am Anfang waren wir in der Luftwaffenakademie relativ viele Frauen, 16 von 100. Nur sechs von ihnen wurden Pilotinnen. Die restlichen entschieden sich für einen anderen Weg: Sie wurden Bodenoffizierin, Radaroffizierin, Ingenieurin oder Juristin. Wir Pilotinnen begannen unsere Grundausbildung auf Kampfjets, und dann wurden wir zugeteilt. Zwei meiner Kolleginnen lernten etwa, Hubschrauber zu fliegen, zwei andere, wie man Frachtflugzeuge führt. Zu den Jets hat das neben mir am Ende nur noch eine Frau geschafft.

Warum hat es Sie zur Luftwaffe gezogen?


Aus Idealismus. Wie wäre mein Leben weitergegangen, wenn ich nach dem Studium nicht dort eingetreten wäre? Ich hätte wahrscheinlich eine Doktorarbeit verfasst, dann hätte ich in der Industrie angefangen. Und worum geht es da? Dass meine Firma mehr Geld macht als eine andere. Das war mir zu wenig. In der Luftwaffe ist das anders, da dient man seinem Staat, der Nato. Es heißt nicht umsonst: Dienst an der Waffe.

Lesen Sie auf der folgenden Seite, wie die Ausbildung zur Kampfpilotin abläuft und warum dies eine gute Grundlage für die Arbeit im All ist.

"Mir wirft man nicht einfach einen blöden Spruch an den Kopf"

Was in Ihrem Fall bedeutete, in einem Krieg zu töten oder getötet zu werden.
Das hätte es bedeutet, klar.

Das hat Sie nicht abgeschreckt?


Nein. In einem internationalen Kontext seinen Beitrag innerhalb der Nato zur allgemeinen Sicherheit zu leisten betrachte ich als lohnendes Ziel.

Jetzt klingen Sie wie eine Außenministerin.


Das mag sich für Sie politisch anhören. Aber es geht um ein Ideal: sich selbst zu reduzieren auf die eigene Aufgabe, Teil von etwas Größerem zu werden. Einen Nato- Auftrag nicht infrage zu stellen ist Teil dieser Haltung. Es geht um die völlige Bereitschaft zur Dienstleistung, etwas für Dritte zu tun.

Woher kommt diese Haltung?


Das ist mir als Kind von meinen Eltern eingebläut worden. Sie hatten ein Hotel und haben sehr hart gearbeitet. Ihre Einstellung war: Je mehr du im Leben bekommst, desto mehr musst du zurückgeben.

Oft ergreifen die Kinder einen Beruf im Milieu der Eltern. Sie haben sich aber in eine andere Welt aufgemacht. Warum?


Meine Eltern haben mir nie vorschrieben, was ich tun sollte. Solange ich das, was ich machte, gut machte. Das war wichtig. Sie haben mir meine Träume nie ausgeredet. Als ich ihnen als Kind erzählte, dass ich Astronautin werden will, haben sie das ernst genommen und nicht belächelt. Dazu kam, dass meine Träume und meine Interessen deckungsgleich waren: Technik und Fliegerei.

Als Ihre Ausbildung zur Pilotin dem Ende zuging, wurden Sie für die Weltraummission ausgewählt. Sie waren nie bei einem echten Einsatz dabei. Hätten Sie sich das gewünscht?


Meine Kollegen, die mit mir das Fliegen gelernt haben, sind mehrmals in Afghanistan gewesen. Irgendwann ist das wie die Sonne oder der Regen: Man wünscht sich das nicht, es existiert einfach. Wenn ich nicht von der Esa genommen worden wäre, wäre ich auch in Afghanistan gewesen, das wäre dann meine Normalität.

Für uns klingt Ihre Normalität wie ein Leben am Limit.


(überlegt einige Sekunden) Ich weiß es nicht. Ich will nur das so gut wie möglich tun, was es heute zu tun gibt. Mehr ist da nicht. Ich bin vielleicht ein größerer Perfektionist als die meisten Menschen. Mussten Sie bei Ihrem Eintritt in die Luftwaffe Klischees überwinden, weil Sie eine Frau sind?

Ich war sicher mehr unter Beobachtung als die anderen. Was heißt das?


Lassen Sie es mich so sagen: Als Mann hat man ein Gefühl, wo die Kollegen gerade so stehen. Aber wie die einzige Frau abschneidet, das wissen alle ganz genau.

Gab es dumme Sprüche?


Hm. Ich bin jetzt nicht unbedingt eine, der man einfach einen blöden Spruch an den Kopf wirft (räuspert sich, gluckst). Aber wissen Sie, bei der Luftwaffe gehört man einer kleinen, engen Gemeinschaft an. Da kann man sich solche Sachen gar nicht leisten.

Warum nicht? Weil sich so etwas herumspricht.


Nicht nur das. Je weiter die Ausbildung voranschreitet, desto näher rückt der Zeitpunkt, an dem jeder zu einem Geschwader kommt. Die Kollegen fliegen dann mit mir am Flügel, wie wir sagen. Der Nachbar muss mir sein Leben anvertrauen, weil ich ihm mit meinem Jet extrem nahe bin. (Sie bildet mit Daumen und Zeigefinger einen schmalen Spalt). Ein Fehler, und beide sind tot. Da geht es nicht mehr um Mann oder Frau oder den Kampf der Geschlechter.

Im All dürfte die Abhängigkeit ähnlich groß sein.

Ja, alle müssen zusammenarbeiten - und sich vertrauen. Ein Egozentriker, der die anderen wegboxt, würde gar nicht ausgewählt werden. So eine Mission funktioniert nur mit Teamplayern. Einem Kollegen, Luca Parmitano, lief vor mehreren Wochen bei Außenarbeiten im All Wasser in den Helm, er hätte ertrinken können. Aber alle haben unglaublich professionell zusammengearbeitet, die Crew, das Bodenpersonal - die Notfallmaßnahmen funktionierten perfekt.

Lesen Sie auf der folgenden Seite, wie Astronauten für einen Aufenthalt auf der ISS vorbereitet werden und was Samantha Cristoforettis Eltern zum Beruf ihrer Tochter sagen.

"Das könnte auch ein Feuerball werden"

Wie läuft Ihre Astronautenausbildung ab?
Sie dauert fünf Jahre und findet in vier Ländern statt. Da bleibt nicht viel Zeit für Privates: ein paar enge Freunde und mein Partner, der in Köln lebt und aus der gleichen Branche kommt. Ansonsten sind es viele schnelle Wechsel: vier Wochen in Russland Sojus-Kapsel- Training auf Russisch. Dann sechs Wochen in den USA Üben mit dem Roboterarm, der außen für die Versorgung der Raumstation installiert ist. Dazu Schulungen für den Weltraumspaziergang, damit wir Außenarbeiten erledigen können - das ist am anspruchsvollsten.

Warum?


Ich stecke bei diesem Training in einem Schwimmbecken, im Druckanzug, der sehr steif ist. Um einen Arm zu bewegen, muss ich gegen den Anzug und den Widerstand des Wassers arbeiten. Für die Hände ist das sehr anstrengend. Wir Astronauten benutzen unsere Hände sehr viel, alles muss festgehakt werden im Weltall. Die Übungen mache ich sechs Stunden unter Wasser, ohne Pause.

Warum so lange?


So lange dauert ein Weltraumspaziergang. Es gab sogar welche, die sich über acht Stunden hinzogen.

Sie trainieren auch in riesigen futuristischen Behältern, die der Raumstation nachempfunden sind. Wie schwer fällt es Ihnen, all die neuen Befehle zu lernen?


Nun ja, ich muss alle Prozeduren kennen und flüssig ausführen, egal, ob Routine oder Notfall. Jeder Handgriff ist schriftlich festgelegt, sicherheitshalber - das ist wie im Flugzeug. Die technischen Systeme an Bord der ISS sind allerdings viel komplizierter. Aber insgesamt habe ich für die Aktionen im All mehr Zeit: Die Raumstation fällt schließlich nicht vom Himmel - anders als ein Jet, in dem man sehr viele Sachen in kurzer Zeit beachten muss. Es eilt also nicht so.

Und was passiert beim sogenannten Überlebenstraining?


Da geht es um Notfälle auf der Erde. In der Nähe von Moskau werden wir so geschult, dass wir bei einer Notlandung der Sojus-Kapsel zwei Tage im Schnee überleben können. Dazu gehört: einen Verschlag aus Ästen bauen zu können oder genug Holz beisammen zu haben, um ein Feuer eine Nacht am Laufen zu halten.

Das klingt nach Pfadfinderlager.


Mag sein. Aber genau so ein Szenario hat es in der russischen Raumfahrt schon gegeben. Wie auch einen Notfall im Wasser. Auch darauf werden wir vorbereitet: Was machen wir, wenn die Kapsel im Meer landet, ein Leck hat, vollläuft und untergeht? Dann müssen wir entweder unsere Raumanzüge komplett dichtmachen und aussteigen. Oder die Anzüge ausziehen und aussteigen. Beide Methoden sind schwierig: Es ist extrem eng und heiß in der Kapsel, wir liegen quer übereinander, und jeder muss dem anderen helfen, seine Körperteile hochzuheben.

Nochmals zurück ins All. Haben Sie keine Angst bei der Vorstellung, wie ein Staubpartikel frei im Universum zu hängen?


Das mit der Angst ist so eine Sache. Es ist schwer, sich vor etwas zu fürchten, das man sich so sehr wünscht wie ich mir einen Weltraumspaziergang. Diese Gefühle sind schlicht nicht kompatibel.

Das klingt, als wollten Sie die Angst nicht zulassen.


Es ist gefährlicher, einen Weltraumspaziergang zu machen, als ihn nicht zu machen, schon richtig. Das habe ich bei meinem Kollegen Luca Parmitano mit dem vollgelaufenen Helm gesehen. Aber ich rationalisiere die Angst nicht weg, ich spüre sie nicht.

Ihr Mut basiert also nicht auf der Überwindung Ihrer Furcht?


Ich glaube nicht einmal, dass ich besonders mutig bin. Mut heißt, Angst zu besiegen. Aber ich habe keine Angst beim Fliegen, ich muss nichts überwinden.

Und wie wird es beim Start sein, wenn Sie am Kopf einer Rakete ins All katapultiert werden?


Da denke ich in den Minuten davor: Das könnte auch ein Feuerball werden. Aber das ist eher eine bange Erwartung, die sich da breitmacht, begrenzt auf den Moment. Ich glaube, das ist normal.

Woher kommt Ihr Gottvertrauen in die Technik?


Ich tue nichts anderes als Sie, wenn Sie in ein Flugzeug steigen.

Fürchten Sie sich überhaupt vor etwas?


(überlegt) Ich weiß es nicht. Ich habe das Gefühl noch nie so wahnsinnig stark erlebt. Aber irgendwann wird es kommen.

Wie erleben Ihre Eltern das Leben ihrer Tochter? Sie müssen sich sehr sorgen.


Die nehmen das sehr gelassen. Ich war früher in der Luftwaffe - da freuen sie sich jetzt, dass ich nur noch Astronautin bin.

Interview: Mathias Schneider und Christoph Koch / print
18jähriger Kater und Welpe geht das?
Hallo, wir haben einen 18-jährigen Kater der aber noch recht fit ist. Er ist zwar eigentlich nur zu meiner Mutter anhänglich also kommt immer am Abend auf die Couch und lässt sich streicheln von ihr sonst ist er eigentlich den ganzen Tag in seinem Bett im Keller oder oben auf einer Decke die im Schrank liegt. Erzieht sich also zurück. Nun ist der Wunsch nach einem Welpen doch sehr groß und der einzige Grund der dagegen spricht oder der infrage kommt warum wir keinen holen würden wäre unser Kater. Habt ihr Erfahrung mit alten Katzen und welchen gemacht? Unser Kater ist nämlich Hallo, wir haben einen 18-jährigen Kater der aber noch recht fit ist. Er ist zwar eigentlich nur zu meiner Mutter anhänglich also kommt immer am Abend auf die Couch und lässt sich streicheln von ihr sonst ist er eigentlich den ganzen Tag in seinem Bett im Keller oder oben auf einer Decke die im Schrank liegt. Erzieht sich also zurück. Nun ist der Wunsch nach einem Welpen doch sehr groß und der einzige Grund der dagegen spricht oder der infrage kommt warum wir keinen holen würden wäre unser Kater. Habt ihr Erfahrung mit alten Katzen und welchen gemacht? Unser Kater ist nämlich eigentlich nicht So gut auf Hunde zu sprechen also wenn ein Hund an seinem Garten vorbeigeht springt er schon hinterm Zaun ein bisschen hoch und fängt an zu fauchen. Denkt ihr nicht das Man wird vorsichtiger Eingewöhnung es schaffen könnte dass die beiden sich verstehen? LG und danke im Voraus