Vogelgrippe Mäßiges bis hohes Einschlepprisiko


Nach dem dreizehnten Todesfall in Thailand beraten die EU-Gesundheitsminister über Notfallpläne für den Fall einer Grippe-Pandemie. Für Deutschland schätzt das Bundesinstitut für Tiergesundheit das Einschlepprisiko mäßig bis hoch ein.

Wissenschaftler beraten über die mögliche Einschleppung der Vogelgrippe durch Zugvögel. Der Höhepunkt des Herbstzuges vom europäischen Teil Russlands nach Mitteleuropa sei vor allem für Wasservögel in der zweiten Oktoberhälfte generell überschritten, teilte das Friedrich-Loeffler-Institut am Mittwoch mit. Allerdings zögen noch verstärkt Wildgänse und Schwäne aus dem von der Vogelgrippe betroffenen Gebiet nach Westen. Bei seiner Bewertung stützt sich das Bundesinstitut für Tiergesundheit auf Daten verschiedener Vogelbeobachtungsstationen.

Unterdessen warnten die Vereinten Nationen (UN) nachdrücklich vor einem Übergreifen der Vogelgrippe auf den Nahen Osten und Ostafrika. "Eine der Hauptsorgen ist jetzt die mögliche Ausbreitung der Vogelgrippe durch Zugvögel ins nördliche und östliche Afrika", sagte Joseph Domenech, Veterinärexperte der UN-Organisation für Ernährung und Landwirtschaft (FAO) in Rom. Arme afrikanische Länder hätten größere Schwierigkeiten bei der Bekämpfung der Krankheit als europäische und asiatische Staaten.

EU-Gesundheitsminister beraten in Großbritannien über Vogelgrippe

Die EU-Gesundheitsminister treffen sich heute und morgen zu Beratungen über Strategien zur Bekämpfung der Vogelgrippe. Nach britischen Medienangaben vom Donnerstagmorgen wird auch EU-Gesundheitskommissar Markos Kyprianou an dem informellen Treffen in Chandler's Cross im Norden Londons teilnehmen. Im Laufe des Tages wollen Kyprianou und die britische Gesundheitsministerin Patricia Hewitt über den Stand der Beratungen informieren.

Thailand hat inzwischen das 13. Todesopfer durch die Vogelgrippe gemeldet. Bei dem Mann aus der westlichen Provinz Kanchanaburi sei das aggressive Virus H5N1 nachgewiesen worden, teilte Regierungschef Thaksin Shinawatra heute mit. Zuletzt war vor rund einem Jahr ein Mensch in Thailand an der Krankheit gestorben, die Ende 2003 ausgebrochen war. 21 der insgesamt 76 thailändischen Provinzen Thailands stehen wegen der Vogelgrippe unter besonderer Beobachtung der Gesundheitsbehörden.

Vogelgrippe auch in Russland festgestellt

Das bedrohliche Vogelgrippe-Virus H5N1 hat weitere Gebiete in Europa erfasst. Wie das russische Landwirtschaftsministerium am Mittwoch bekannt gab, wurde der Erreger laut vorläufigen Tests bei hunderten Tieren festgestellt, die in der Region Tula südlich von Moskau verendet waren. Weitere Tests sollten Klarheit darüber bringen, ob es sich wirklich um das H5N1-Virus handelt. Die rumänische Regierung bestätigte einen zweiten Fall im Donaudelta.

Nach den ersten Fällen der Vogelgrippe im europäischen Teil von Russland geht das Bundesinstitut für Tiergesundheit auf der Insel Riems von einem mäßigen bis hohen Einschleppungsrisiko für die Vogelgrippe nach Deutschland aus. Der Höhepunkt des Herbstzuges vom europäischen Teil Russlands nach Mitteleuropa sei vor allem für Wasservögel in der zweiten Oktoberhälfte generell überschritten, teilte das Friedrich-Loeffler- Institut am Mittwoch mit. Allerdings zögen noch verstärkt Wildgänse und Schwäne aus dem von der Vogelgrippe betroffenen Gebiet nach Westen.

Vom Samstag an muss Geflügel bundesweit in Ställen gehalten werden. Dies teilte eine Sprecherin des Landwirtschaftsministeriums von Sachsen-Anhalt in Magdeburg mit. Die Maßnahme sei zuvor in einer Telefonkonferenz von Bund und Ländern festgelegt worden, nachdem ein Fall von Vogelgrippe des Typs H5N1 sülich von Moskau bestätigt worden sei. In Bayern gilt bereits von diesem Mittwoch an ein komplettes Freilaufverbot.

Die Europäische Union bereitet sich unterdessen auf eine gefährliche Grippe-Pandemie vor. Ein massenhafter Ausbruch bei Menschen über mehrere Kontinente könnte ausgelöst werden, wenn sich das Vogelgrippe-Virus oder ein anderes Grippevirus zu einem hochgefährlichen Erreger entwickle.

Großbritannien plant Massenimpfungen

Die britische Regierung will nach eigenen Angaben genug Impfstoff kaufen, um jeden Bürger vor einem mutierten Vogelgrippe-Virus schützen zu können.

Die Pharmaunternehmen seien deshalb jetzt aufgerufen, Angebote für die Herstellung von 120 Millionen Dosen Impfstoff zu unterbreiten, sagte am Mittwoch der Chef der britischen Gesundheitsbehörde, Liam Donaldson. Diese Menge würde zwei Impfungen pro Person erlauben. Die Produktion könne allerdings erst dann beginnen, wenn der genaue Epidemie-Erreger feststehe, fügte Donaldson hinzu. Mit der jetzigen Ausschreibung stellt sich Großbritannien an die Spitze der Impfvorbereitungen verschiedener Staaten und könnte im Notfall einen wichtigen Zeitvorsprung haben.

Ungarn entwickelt angeblich Impfstoff

Nach Angaben des Gesundheitsministeriums in Budapest haben ungarische Wissenschaftler einen Impfstoff gegen das aggressive Virus entwickelt. Erste Tests hätten gezeigt, dass mit dem Mittel sowohl Tiere als auch Menschen vor der Grippe geschützt werden könnten. "Die Ergebnisse sind vorläufig, aber mit 99,9 Prozent Sicherheit ist das Medikament wirksam", sagte Jenoe Racz. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) erklärte allerdings, ihr lägen dazu keine Informationen vor.

Anders als Bayern wiesen andere Bundesländer Regionen aus, "in denen Vogelrastplätze und Feuchtgebiete liegen und in denen der Kontakt zwischen Wildvögeln und Hausgeflügel kaum zu vermeiden ist". Damit folgten sie einer entsprechenden Anordnung der EU-Kommission vom vergangenen Freitag, berichtete das Bundesverbraucherministerium. Es rechnet damit, dass die Länder das Freilaufverbot im Verlauf dieser Woche umsetzen.

Einheitliche Risikoraster festlegen

Nach EU-Bestimmungen sollen die Mitgliedstaaten die Gebiete mit Stallpflicht nach einheitlichen Risikorastern festlegen. Damit gibt es anders als von Bayern und der FDP verlangt in Deutschland keine flächendeckenden Verbotszonen. Zugleich räumte das Verbraucherministerium Risiken für einen Vogelgrippebefall durch einzelne Zugvögel ein.

Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) rechnet in jedem Fall mit einer Pandemie. "Es wird eine geben", sagt der WHO-Generaldirektor Jong Wook Lee nach einem Bericht des "Handelsblattes". Auftreten werde sie wahrscheinlich zunächst in Südostasien.

Nächste Woche nationale Vorbereitungen

Unterdessen gab es in Europa bei Geflügel neue Verdachtsfälle auf das gefährliche Vogelgrippe-Virus H5N1 - und zwar erneut in Rumänien sowie im europäischen Teil Russlands. In Griechenland, wo am Montag der erste Verdachtsfall in der EU aufgetreten war, werden Testergebnisse für kommenden Montag oder Dienstag erwartet.

Die Vogelgrippe hat ihren Ursprung in Südostasien. Das besonders schwer betroffene Vietnam braucht nach Einschätzung der Vereinten Nationen mehr internationale Hilfe im Kampf gegen die Viruskrankheit. Seit Ende 2003 sind dort über 40 Menschen daran gestorben. Mehr als 50 Millionen Stück Geflügel verendeten oder wurden getötet.

In der kommenden Woche wollen die EU-Gesundheitsminister die nationalen Vorbereitungen auf eine Grippe-Pandemie unter Menschen aufeinander abstimmen. Die Grippe-Medikamente wirken unspezifisch gegen vielerlei Grippeviren. Dagegen kann ein spezieller Impfstoff gegen ein Virus erst entwickelt werden, wenn es genau identifiziert ist. Da Deutschland das Auftreten eines besonders gefährlichen Grippe-Erregers befürchtet, hat es die Entwicklung eines Impfstoff-Prototyps in Auftrag gegeben. Er soll im Fall einer gefährlichen Pandemie an das spezifische Virus angepasst werden.

DPA DPA

Mehr zum Thema


Wissenscommunity


Newsticker