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"Historischer Moment": US-Kampfeinsatz im Irak geht dem Ende zu

Er dauerte sieben Jahre, kostete 4400 US-Soldaten das Leben und den amerikanischen Steuerzahler eine Billion Dollar. Jetzt geht der Krieg der USA im Irak zu Ende. Die letzte große Kampfeinheit hat das Land verlassen.

Siebeneinhalb Jahre nach dem Sturz von Saddam Hussein hat die US-Armee ihre letzten regulären Kampftruppen aus dem Irak abgezogen. Am Donnerstagmorgen habe die letzte Kampfeinheit den Irak über die Grenze nach Kuwait verlassen, erklärte ein Sprecher der US-Armee. US-Außenamtssprecher Philip Crowley sprach von einem "historischen Moment" und beteuerte zugleich das anhaltende Engagement der USA für eine stabile Regierung im Irak.

Die US-Regierung dementierte jedoch Medienberichte, wonach der Kampfeinsatz bereits beendet sei. Er werde bis zum 31. August andauern, sagte ein ranghoher Mitarbeiter der Regierung nach Angaben der Nachrichtenagentur Reuters. Die Art des Einsatzes ändere sich erst zum 31. August, wenn die Brigaden, die derzeit noch im Irak seien, umgewidmet würden zu Brigaden, die beraten und assistieren. Die Medienberichte seien verfrüht.

Nach CNN-Informationen sind noch 56.000 US-Soldaten im Irak. 6000 weitere, die Teil von Spezialeinheiten sind, sollen bis Ende des Monats das Land verlassen und damit den Kampfeinsatz wie von Präsident Barack Obama angekündigt endgültig abschließen. Am 1. September soll dann die Operation "New Dawn" (Neubeginn) starten. Sie sieht vor, dass die verbleibenden 50.000 Soldaten irakische Sicherheitskräfte ausbilden und ihnen bei der Terrorbekämpfung helfen. Die irakische Armee besteht momentan aus knapp 200.000 Soldaten.

Journalisten mussten zunächst Stillschweigen bewahren

Unter anderem ein Reporter des Senders MSNBC begleitete die Soldaten der 4. Stryker-Brigade der 2. Infantriedivision bei ihrem Abzug. Auch die Zeitungen "Washington Post" und "Los Angeles Times", sowie der Nachrichtensender CNN berichteten unter Berufung auf eigene Korrespondenten vom Truppenabzug. Der Rückzug des rund 14.000 Soldaten umfassenden Brigadeteils aus der irakischen Hauptstadt Bagdad hatte nach Angaben der "Washington Post" am Samstag begonnen. In die Armee eingebetteten Reporter sollten der Zeitung zufolge bis zum Donnerstagmorgen Stillschweigen darüber bewahren, um die Truppen nicht in Gefahr zu bringen. Zu diesem Zeitpunkt sollten die letzten Soldaten Kuwait erreichen.

In einem Schreiben auf der Website des Weißen Hauses erklärte Obama, er sei erfreut, berichten zu können, dass der Kampfeinsatz im Irak im laufenden Monat ende. Auf den Abzug der 4. Stryker-Brigade am gleichen Tag ging er dabei nicht ausdrücklich ein. Trotz Warnungen hochrangiger irakischer Politiker und Armeevertreter angesichts der jüngsten Zunahme von Gewalt im Land hatte der Präsident auf einem pünktlichen Abzug der US-Kampftruppen beharrt. Er hatte dies kurz nach seiner Amtsübernahme im Januar 2009 angekündigt. Nach Informationen der "New York Times" wollen die USA bis zu 7000 private Sicherheitskräfte einstellen, um ihre Diplomaten und Mitarbeiter nach Abzug der letzten Soldaten zu schützen.

"Wr haben noch wichtige Arbeit zu leisten"

Mit dem Abzug der Kampftruppen beendeten die USA nicht ihr langfristiges Engagement im Irak, betonte Crowley live auf MSNBC. "Wir haben noch wichtige Arbeit zu leisten und befinden uns in einer Phase des Übergangs", sagte der Außenamtssprecher. Er erinnerte an den großen Einsatz, den die USA bereits geleistet hätten. Er kostete insgesamt eine Billion Dollar (775 Milliarden Euro), 4400 Soldaten starben seit dem Einmarsch einer US-geführten internationalen Koalition gegen den damaligen Machthaber Saddam Hussein im März 2003.

Das Ende der Kampfoperation gilt als großer Einschnitt für die irakische Regierung, da sie größere Verantwortung für die Sicherheit in dem Land übernehmen muss. Allerdings gibt es auch fünf Monate nach den Parlamentswahlen noch immer keine neue Regierung. Eine jüngste Runde von Verhandlungen zwischen den beiden stimmstärksten Blöcken, der Rechtsstaat-Allianz des amtierenden Ministerpräsidenten Nuri al-Maliki und der Al-Irakija-Liste des Wahlsiegers Ijad Allawi, wurde zu Wochenbeginn erneut abgebrochen.

mad/Reuters/APN/DPA/AFP / DPA / Reuters